Heft 
(1.1.2019) 05
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Männer als

Ressourcenverschwendung?

Evolutionsbiologe Ralph Tiedemann widmete seine Antrittsvorlesung der Sexualität

Beimrichtigen Thema sind selbst relativ große Hörsäle derart überfüllt, dass in noch größere aus­gewichen werden muss. So geschehen bei der Antrittsvorlesung Ralph Tiedemanns(40), seit April vergangenen Jahres Professor für Evolutions­biologie und spezielle Zoologie.Wie(un)wichtig sind Männer? fragte derNeue am Institut für Biochemie und Biologie- natürlich im streng evo­lutionsbiologischen Kontext, aber eben deshalb auch mit Bezug zu den Menschen. Wohl kaum wurde in einer Antrittsvorlesung je so gelacht, und selten dürfte es am Schluss so herzlichen Bei­fall gegeben haben.

alph Tiedemanns Kompetenz ist unbe­Reiten Immerhin hat er von 1982 bis 1990 acht Jahre lang an den Universitä­ten Kiel und Reykjavik Biologie studiert. In sei­

ner 1994 verteidigten Dissertation ging es um Populationsgenetik von Enten- und Watvögeln

Ralph Tiedemann: 1:1 hat Vorteile.

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und bei seiner Habilitation Ende der neunziger Jahre trieb es ihn im Rahmen von Wirbeltier­untersuchungen sogar bis zu den Elefanten nach Sri Lanka. Heute forscht Tiedemann auf Gebie­ten wie dem der genetischen Erfassung der bio­logischen Vielfalt, der Evolution des Immunsys­tems und- wie vom Vorlesungsthema her nicht anders zu erwarten- dem der sexuellen Selek­tion.

Warum gibt es eigentlich in der Tierwelt eine annähernd gleiche Zahl von Männchen und Weibchen, obwohl doch wenige Männchen aus­reichen würden, die jeweilige Population zu erhalten? Ist das nicht eine gewaltige Ressour­cenverschwendung? In Tierherden dominiert sowieso das weibliche Element. Männliche Tiere laufen oft allein und kümmern sich nicht um den Nachwuchs. Der Referent machte dann eine Rechnung auf, die dem Verschwendungsgedan­

ken weitere Nahrung gab:Stellen Sie sich eine

Foto: Fritze

Forschung

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Situation vor, in der jedes Weibchen zwei Weib­chen erzeugt. Dann haben Sie in jeder Genera­tion eine Verdoppelung der Population. In einer Population, wo Männchen und Weibchen erzeugt werden, haben Sie hingegen eine linea­re Dynamik, also es wird immer nur praktisch diese Population aufrecht erhalten. Auch mache die Natur selbst vor, dass Fortpflanzung entwe­der ganz ohne Männchen oder in Bezug auf das männliche Geschlecht sehr ressourcesparend möglich ist.

Tiedemann brachte dazu Beispiele von sich einfach teilenden Bakterien und Ringelwürmern bis zu Rädertierchen, deren Keimzellen nicht unbedingt befruchtet werden müssen. Kraken und Igelwürmer würden sich zwar zweige­schlechtlich vermehren, gingen aber mit dem männlichen Anteil sehr sparsam um. Ein zwei Meter langer weiblicher Krake kommt mit einem 2.4 Zentimeterkurzen, nur ein Viertel Gramm wiegenden Männchen aus. Ähnlich verhält es sich bei einem Igelwurm. Sogar Elefantenher­den kommen mit dem durch Elfenbeinjagd stark verdünnten Angebot an männlichen Tieren aus.

Doch hält der Sexualselektionsforscher durch­aus viel vom ı:1-Verhältnis Männchen zu Weib­chen. Schließlich ist für einegesunde Fort­pflanzung im Sinne der Gewährleistung geneti­scher Vielfalt und Evolutionsstabilität sexuelle Selektion notwendig, und die ist nur bei Vorhan­densein vieler männlicher Vertreter optimal. Die Weibchen können dann sehr differenziert nach Konditionsmerkmalen des männlichen Ge­schlechts auswählen. Das tun sie auch perma­nent. Elefantenweibchen wählen ebenMänner mit Stoßzähnen, Eiderentenweibchen bleiben nur dann über Jahre hinweg beim gleichen Part­ner, wenn dieser sich vorbildlich um den Nach­wuchs kümmert. Sie stehen also aufgute Väter. Und die von den menschlichen Weibchen bevor­zugten Konditionskriterien sind ja bekannt. Das reicht bis zum Einkommen... ak

Prof. Dr. Ralph Tiedemann ist im Institut für Biochemie und Biologie unter

Tel.: 0331/977-5249 oder per E-Mail: tiedeman@rz.uni-potsdam.de zu erreichen.

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