Heft 
(1.1.2019) 05
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Vermischtes

damit längst nicht alle Ortsbestimmungen gemacht, aber einige Höhepunkte benannt. Was Orientierung gab, war das Spannungsfeld zwi­schen Puppe/Figur und Mensch. Etwa jede drit­te Vorstellung umkreiste das Begriffspaar Belebt/Unbelebt und thematisierte damit wie von selbst ein anderes, nämlich Leben und Tod. Wo heute kaum noch eine Inszenierung auf Leinwandbilder, Live-Kamerafahrten oder Pro­jektionen per Mausklick auskommt, zeigten sich die Arbeiten von ihren theatralischen Mitteln insgesamt eher archetypisch. Das so genannte Life-Stile-Theater mit seinen Pop-Posen ließ Uni­dram nie außen vor, präferiert hat es das nie, son­dern immer als Teil eines vielfältigen Spektrums präsentiert. Auch in diesem Jahr war dies nicht

anders.

Was also lag sonst noch am Wege? Goethe in der Tradition barocken Gassentheaters im Bauch eines Kinderwagens, zu sehen nur durch eine Vergrößerungslinse, verspielte Körperinstallatio­nen und anarchisches Variete in weißen Kabi­nen oder Heiner Müller in einem kargen Rund aus dreißig Stühlen, streng und kühl. Neben vie­len Neuentdeckungen erinnerte sich das diesjäh­rige Festival an seine frühen Jahre und holte Gruppen aus der Anfangszeit nochmals zurück. Künstlerische Arbeitsprozesse und Entwicklun­gen über einen längeren Zeitraum zu verfolgen, war immer ein wesentliches Unidram-Signum. Für die ein oder andere Gruppe war Unidram das Sprungbrett, um international bekannt zu wer­den. Apropos Erinnerung: Eine Fotoausstellung mit großformatigen Bildern des Potsdamer Foto­grafen Göran Gnaudschun in den Potsdamer Bahnhofspassagen, organisiert von Studieren­den des Studiengangs Kulturarbeit der Fach­hochschule Potsdam, ließ zehn Jahre Unidram noch einmal vorüberziehen. Das Filmmuseum gratulierte mit einer osteuropäischen Filmreihe. Und dann war da vor allem St. Petersburg: Am Anfang, am Ende, Petersburg auch zwischen­durch mit gleich vier Gruppen gönnte Uni­dram seinen Zuschauern so etwas wie eine klei­ne Hommage an die dortige vitale Theaterszene,

der man im Laufe der Jahre nicht nur so man­ches Staunen verdankt, sondern auch ein Stück weit ästhetische Profilierung des Festivals insge­samt. Wenngleich mittlerweile Gruppen aus fast allen Ländern Osteuropas Potsdam bereisten, es waren polnische und russische Compagnien, die quantitativ und qualitativ immer wieder neue Akzente setzten und den Anspruch der Organi­satoren auf künstlerische Kontinuität und Inte­grität markant widerspiegelten. Russischer als in diesem Jahr jedenfalls war Unidram nie.

Zugleich aber schlich sich damit auch die Weh­mut ein, die ja bekanntlich in Russland erfun­den wurde. Im Waldschloss, dem so vertrauten wie gleichermaßen unvollkommenen Festi­valzentrum, glaubte man schon so etwas wie eine leichte Aufbruchstimmung in Richtung Schiffbauergasse zu spüren; und das nicht nur mit Blick auf die einzelnen Programm­

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punkte am sich entwickelnden Kulturstandort. Steht die Potsdamer Kulturpolitik zur ihrem Wort, wird der Theaterverein DeGater87 dort in Zukunft Quartier nehmen, die nächsten zehn Unidram werden folglich dort beginnen. Eine neue, wesentliche Verwandlung also steht an. Egal, wie sie aussehen mag, man wird das Festi­val wiedererkennen. tp