Heft 
(2024) 31
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Haupt& Mädlow: Avifaunistischer Jahresbericht für Brandenburg und Berlin 2021

der Beobachtung von sechs Alpenstrandläufern am Gülper See und einer Klappergrasmücke in Senftenberg handelt es sich jeweils erst um den zweiten Januarnachweis für unser Berichtsgebiet. Zudem konnten im Januar zwei Schwarzkopfmö­wen, acht Heidelerchen, 11 Schwarzkehlchen und 10 Girlitze festgestellt werden. Bemerkenswert war auch ein Trupp von acht Zwerggänsen in der Mitt­leren Havelniederung, die aus dem schwedischen Bestandsstützungsprojekt stammten. Während der Kälteperiode konnten Mitte Februar im Raum Berlin - Potsdam insgesamt 733 Mandarinenten erfasst werden, und eine Schlafplatzgemeinschaft von 3.000 Kormoranen im Unteren Odertal stellt ein neues Gebietsmaximum dar. Im gleichen Ge­biet konzentrierte sich auch eine herausragend große Gemeinschaft von 400 Bergpiepern. Sehr wahrscheinlich im Zusammenhang mit der star­ken Erwärmung in der zweiten Februarhälfte folgten einige Artnachweise zu sehr ungewöhnli­cher Zeit: zwei Fischadler auf dem Nest( 13.2.), Schwarzmilan( 20.2.), Sandregenpfeifer( 21.2.), Säbelschnäbler( 25.2., bisher zeitigste Beobach­tung), Rauchschwalbe( 27.2., vierter Winternach­weis) und Wiedehopf( 28.2.). Seltene Gäste waren ein Eistaucher Anfang Februar und ein Tannenhä­her Ende des gleichen Monats.

Das Frühjahr gestaltete sich im März etwa ein Grad wärmer als üblich. Die Monate April und Mai waren hingegen etwas über ein Grad kälter als im langjährigen Mittel und die einzige Zeitspanne im Jahr mit einer negativen Abweichung der Tempe­ratur vom Durchschnitt. Insgesamt fiel im gesam­ten Frühjahr etwas zu wenig Niederschlag.

Anfang März gelangen die bisher zeitigsten Feststellungen von Braunkehlchen( 4.3.) und Re­genbrachvogel( 9.3.). Mitte des Monats erschien im dritten Jahr in Folge der Kaiseradler im Ran­dowbruch und blieb bis Mitte Dezember. An den letzten Märztagen konnten weitere etwas vorzeiti­ge Ankunftsdaten bei folgenden Arten registriert werden: Tüpfelralle( 26.3.), Flussuferläufer und Flussseeschwalbe( 27.3.), Schilfrohrsänger und Rohrschwirl( 29.3.). Ein seltener Gast war eine Gelbkopf- Schafstelze( 10. Nachweis). Offenbar die gleiche Luftströmung führte auch Anfang April zu weiteren frühen Nachweisen: Wachtel und Ufer­schwalbe( 2.4.), Kuckuck( 4.4), Trauerseeschwalbe ( 5.4.), Teichwasserläufer( 9.4.), Temminckstrand­

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läufer und Zwergstrandläufer( 11.4.). Danach bremste die zu kühle Witterung das Zuggeschehen, begünstigte allerdings die für unsere Region sehr späte Beobachtung von drei Schneeammern am 19.4. Ein seltener Gast war im April ein Steinadler. Nur mittels Senderortung konnten die Überflüge von einem Hybriden Schell- x Schreiadler und ei­nem weiteren Kaiseradler nachgewiesen werden. Anfang Mai wurden noch ein später Bergpieper und die einzige Dreizehenmöwe des Jahres beobachtet. Für Begeisterung unter den Beobachtern sorgten dann Mitte Mai ein Trupp von fünf Löfflern, ein Gleitaar( 6. Nachweis) sowie eine Rötelschwalbe( 5. Nachweis). Eine sehr große Nahrungsgemeinschaft von 4.500 Mauerseglern konzentrierte sich über den Körziner Wiesen. Spät rasteten ein Mittelsäger ( 19.5.) und zwei Bergenten( 24.5.). Ebenfalls Sen­derdaten belegen den Überflug eines in Frankreich ausgewilderten Bartgeiers Ende Mai.

Im Sommer präsentierte sich der Juni sehr warm und er hatte mit etwa vier Grad die höchste positive Abweichung vom Temperaturmittel aller Monate im Jahresverlauf aufzuweisen. Auch der Juli war zwei Grad zu warm, während der August eher normal temperiert verlief. Obwohl die mo­natliche Niederschlagsbilanz recht ausgeglichen ausfiel, gab es in einigen Regionen Ende Juni und im Juli extreme Starkregenereignisse, die insbe­sondere im Randow- Welse- Bruch und der Elster­niederung zu größeren Überflutungen führten.

Während des Brutgeschehens zählten zu den seltensten Brutvögeln ein BP des Stelzenläufers, dessen Brut mit drei flügge gewordenen Jungvögeln erfolgreich verlief. Weiterhin konnten zwei BP der Heringsmöwe, drei BP der Zwergseeschwalbe, acht BP der Weißbart- Seeschwalbe registriert werden, und von vier nestbauenden Paaren der Weißflügel­Seeschwalbe brütete nur ein Paar, leider erfolglos. Eine Mischbrut gab es von einem Zitronenstelzen­Männchen mit einem Schafstelzen- Weibchen. Der Juni, für spät erscheinende seltene Gastvögel bekannt, überraschte mit einem Orpheusspötter ( Erstnachweis), einer Maskenschafstelze( 6. Nach­weis), einem Buschrohrsänger( 9. Nachweis), ei­nem Rotsternigen Blaukehlchen( zuvor letztmals 2003 beobachtet) und nach 20 Jahren wieder mit einem Rosenstar( 8. Nachweis). Spät rastete noch ein Ohrentaucher( 23.- 25.6.). Im Juli folgten an seltenen Gästen Rallenreiher, Blauracke, Gänse­