Lange& Köppen: Daten zur Biologie und Ökologie einer Mäusebussardpopulation
Die im UG Fehrbellin gefundene mittlere Siedlungsdichte des Mäusebussards über einen Zeitraum von zehn Jahren gehört somit sicher zu den höchsten in Brandenburg überhaupt. Ursächlich dürfte dies mit der Landschaftsstruktur im UG Fehrbellin und vergleichbaren Gebieten zusammenhängen, in der große, hochproduktive Nahrungsflächen mit einem mosaikartig engmaschigen Angebot von gut geeigneten Nistplätzen vollständig als Jagdreviere für Mäusebussardpaare erschließbar sind. Die sehr starken Schwankungen der jährlich registrierten Brutpaarzahlen ist nach Befunden aus anderen Gebieten nichts Ungewöhnliches. In einer Übersicht zu brandenburgischen Kontrollflächen bei HAUPT( 2001) finden sich ähnliche jährliche Schwankungsbreiten, z. T. auch bis zu 50% wie im UG Fehrbellin.
Mit Brutgrößen zwischen 1,6 und 2,87( Mittelwert: 2,38) und jährlichen Fortpflanzungsziffern zwischen 0,2 und 2,52( Mittel: 1,87) schwankte auch die Reproduktion von Jahr zu Jahr sehr stark. Ein Phänomen, das auch in anderen Untersuchungen beobachtet worden ist, wobei in ähnlichen Zeiträumen in Berlin eine mittlere BRGR von 2,1 gefunden wurde( DIETRICH& OTTO 2011), in Vorpommern von 2,0( FRANKE& FRANKE 2006) und im Saalkreis ( Sachsen- Anhalt ) von 2,1( SCHÖNBRODT& TAUCHNITZ 1991). Die von HAUPT( 2001) zusammengestellten Mittelwerte aus 16 brandenburgischen Kontrollflächen erreichen bzw. übertreffen nur im Fall einer Langzeituntersuchung bei Rathenow mit BRGR 2,33 und FPFZ 2,16 die im UG Fehrbellin gefundenen Werte( Tab. 6). Trotz starker jahrweiser Schwankungen ist die Reproduktionsleistung der Mäusebussardpopulation im UG Fehrbellin somit generell als sehr hoch einzuschätzen.
Sowohl die Brutbestandsgrößen des Mäusebussards als auch seine Reproduktionsleistung hängen vom Nahrungsangebot, insbesondere vom Vorkommen der Hauptbeuteart Feldmaus ab und sind damit Schwankungen unterworfen ( MEBS 1964, KOSTRZEWA et al. 2001). Auch im UG Fehrbellin deuten sich angesichts der( groben) Schätzungen zur Größe der jährlichen Feldmauspopulationen solche Zusammenhänge an. Die jahrspezifisch sehr unterschiedlichen Reproduktionsleistungen der Paare, die zu Beginn der Saison jeweils ein Revier besetzten, lassen aller
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dings vermuten, dass die Ursachen komplexer sind. Dass in den Gunstjahren 2011, 2014 und 2015 mit den größten Brutbeständen, also offenbar günstigen Bedingungen zur Zeit der Revierbesetzung, nur 57,1, 66,66 und 57,5% der Revierpaare den Status BPm erreichten, mag vordergründig an höherer Nahrungskonkurrenz bei hohen Populationsdichten liegen. Hintergrund könnte aber auch eine jahrspezifisch unterschiedliche bzw. sich im Laufe der Saison verringernde Verfügbarkeit der Hauptbeuteart sein, wobei das Nutzungsregime der Grünlandflächen eine wichtige Rolle spielen dürfte. Ob die Grasmahd überhaupt stattfindet und ggf. die Zeitpunkte des ersten und ggf. weiterer Schnitte beeinflussen die Nahrungsverfügbarkeit für die Mäusebussarde im UG Fehrbellin sicher entscheidend, denn im dichten Grasbewuchs ist die Beute ungleich schwieriger zu erlangen als auf kurzrasigem Grund. Die Nutzungsintensität der Flächen war im Untersuchungszeitraum sehr unterschiedlich. In den folgenden Jahren soll sie detailliert erfasst werden, um Zusammenhänge zwischen Flächennutzung und Entwicklung der Mäusebussardpopulation aufzudecken.
Eine Quantifizierung der Gebietstreue der Mäusebussarde anhand von entsprechenden Raten ( vgl. ULBRICHT 1985) als Maß für die Bedeutung von Zu- und Abwanderung für die Brutbestandsentwicklung des Mäusebussards im UG Fehrbellin ist aufgrund der noch geringen Zahlen hier markierter Individuen, des noch relativ kurzen Wiederfundzeitraums und schließlich auch aufgrund der sehr aufwändigen und schwierigen Identifizierung markierter Individuen im Felde noch nicht möglich. Immerhin konnte für drei Vögel Geburtsgebietstreue festgestellt werden, d. h. drei hier nestjung markierte siedelten sich im UG an, und für drei hier markierte Altvögel wurde Brutgebietstreue über mehrere Jahre festgestellt. Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle im UG außerhalb der Brutzeit markierten Bussarde in späteren Jahren wieder im Gebiet nachgewiesen( Tab. 3). Insgesamt darf ein hoher Grad von Gebietstreue der Brutvögel wie auch der daneben im Jahreslauf im UG anzutreffenden Mäusebussarde angenommen werden. Einen eindrucksvollen individuellen Befund dazu liefert ein im Jahr 2004 im späteren UG Fehrbellin als immatures Weibchen mit Metallring markierter Vogel, der im 1. Quartal 2011 gefangen und mit einem