Heft 
(2024) 31
Seite
82
Einzelbild herunterladen

82

Farbkennring versehen werden konnte und in al­len folgenden Jahren bis einschließlich 2020 immer wieder, mehrfach auch zur Brutzeit, im UG nachge­wiesen wurde( Tab. 4).

Auch zum Komplex Überlebens- bzw. Ster­beraten der Mäusebussarde des UG Fehrbellin ist die Datenbasis noch zu gering, um eventuelle Spezifika erkennen zu können. Die anhand letzter Nachweise der Ringvögel gefundenen Muster des Sterbegeschehens bei Jung- und Altvögeln ent­sprechen den von KLENKE( 1992) anhand eines weit größeren Datenmaterials aus Ostdeutsch­ land gefundenen. Zwar auch nur auf wenigen Fällen beruhend, aber doch sehr deutlich zeigten sich Unterschiede hinsichtlich der Überlebens­wahrscheinlichkeiten bei den in verschiedenen Jahren im UG Fehrbellin geborenen Jungvögeln. Anhand eines sehr großen Datenmaterials fand ANDERSEN- HARILD( 1981), dass die Populati­onsdynamik des Höckerschwans Cygnus olor in Dänemark sehr stark von der unterschiedlichen Härte der ersten Winter bestimmt wird, die die Jungvögel jeweils erleben. Manche Kohorten sind nach harten ersten Wintern fast vollständig ver­

Otis 31( 2024)

schwunden, andere überleben zu fast 100% infol­ge eines milden ersten Winters.

Zumindest bei den jüngeren Mäusebussarden des UG Fehrbellin scheint das nicht so zu sein, denn zwischen dem Prozentsatz der beringten Nestlinge, die nachweislich das 2. Kalenderjahr erreichten( s. Tab. 5), und der Härte der auf die Beringung folgen­den Winter im Raum Neuruppin besteht anhand der vorliegenden Daten offenbar kein Zusammen­hang( Abb. 12). Auf einer breiteren Datenbasis, insbesondere zu Vögeln in höherem Alter, könnte sich aber durchaus ein engerer Zusammenhang zeigen, denn Mäusebussarde stehen im Winter vor der Wahl, aus dem Heimatgebiet in mildere Gebiete abzuwandern oder zu bleiben und sich der im Falle harter Winter erhöhten Nahrungskonkurrenz mit Artgenossen und anderen Greifvögeln auszusetzen. In aller Regel weichen die subdominanten Jungvö­gel diesem Kampf durch Abwandern aus, während viele( aber nicht alle!) Altvögel das mit dem Bleiben verbundene erhöhte Sterberisiko eingehen( u. a. KÖPPEN 1996, KLENKE 1992).

Die Kältezahl( K) ist ein Maß zur Charak­terisierung der Winterhärte. Sie wird ermittelt,

Kältezahl Station Neuruppin

250

200

2011

150

100

2016

2012

2015

50

2018

0

0

5

10

2010

15

2013

2017

2014

20

25

30

% 2.KJ erreicht

Abb. 12: Zusammenhang zwischen dem Überleben im UG Fehrbellin markierter Mäusebussardnestlinge bis zum 2. Kalenderjahr und der Härte ihres ersten Winters gemessen anhand der Kältezahl im Raum Neuruppin . Erläuterung s. Text.

Correlation between the survival of Common Buzzard nestlings marked in the Fehrbellin study area up to the 2nd calendar year and the harshness of their first winter measured by the cold coefficient in the Neuruppin area. See text for explanation.