Heft 
(2024) 31
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Meyburg: Jungvogelmanagement beim Schreiadler

gen Gebieten Spaniens und Portugals durch die Umsiedlung von Jungvögeln aus Deutschland und Skandinavien wieder angesiedelt.

Die Zucht und Auswilderung von Jungvögeln ist die zweite Methode. Dazu ist eine nicht uner­hebliche Anzahl von Altvögeln in Gefangenschaft erforderlich, die zur Fortpflanzung gebracht wer­den muss, was oft sehr schwierig ist. Ein schönes Beispiel ist die Wiederansiedlung der baumbrü­tenden Population des Wanderfalken Falco pe­ regrinus in Norddeutschland und Polen . Beim Wanderfalken waren die Voraussetzungen dafür gegeben, da die Falkner schon seit langer Zeit auf die Zucht angewiesen waren, um die Beizjagd noch betreiben zu können. Die Entnahme von Wildvö­geln ist seit langer Zeit verboten.

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Methode

Die Besonderheit der Methode beim Schreiadler besteht darin, dass keine Jungvögel, die für die Spenderpopulation verloren wären, aus einer Po­pulation, die sich noch in einem guten Erhaltungs­zustand befindet, entnommen, verfrachtet und an einem anderen Ort ausgewildert werden müssen. Dies ist der große Unterschied zu anderen ver­gleichbaren Projekten.

Dem Projekt in Brandenburg ging eine Phase voraus, in der Bernd Meyburg in den Jahren 1968 bis 1974 in der Slowakei den Kainismus genauer untersuchte und auch nach Möglichkeiten such­te, den Tod des zweiten Jungen zu verhindern und zum Ausfliegen zu bringen( MEYBURG 1968, 1970, 1974, 1978). Dies gelang in mehreren Fällen, doch wurde damals noch nicht daran gedacht, die­se Methode auch anderswo in größerem Umfang anzuwenden. Außerdem gab es noch nicht die Möglichkeit, das Überleben und den weiteren Le­bensweg der einzelnen Vögel nach dem Selbstän­digwerden und Verlassen des Brutgebietes mittels Satellitentelemetrie zu verfolgen.

Die Methode wurde in Brandenburg im Laufe der Jahre modifiziert und verbessert und kann heu­te als ausgereift angesehen werden. In den Jahren 2004 bis 2008 wurde für die Auswilderung- die sogenannte Fostering- Methode- angewandt( MEY­BURG 1978). Dabei werden die zur Auswilderung vorgesehenen Jungadler kurz vor dem Flüggewer­den in Wildhorste mit gleich großen Jungadlern

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gesetzt. Die dazugesetzten Jungadler werden auch nach dem Flüggewerden bis zum Abzug zu Beginn des Herbstzuges zusammen mit den bereits vorhan­denen Jungadlern weiter gefüttert.

Da sich bald herausstellte, dass die Gesamt­zahl der flügge werdenden Jungadler aufgrund der wenigen vorhandenen Wildhorste nicht we­sentlich erhöht werden konnte, wurde ab 2009 auf die sogenannte Hacking- Methode umgestellt( z. B. PRATT 2011). Dabei werden die Jungadler kurz vor dem Flüggewerden in künstliche Horste gesetzt und dort nach dem Flüggewerden bis zum Beginn des Herbstzuges weiter gefüttert.

Mit dieser Methode können wesentlich mehr Jungadler aufgezogen und ausgewildert werden als mit der Fostering- Methode, zudem ohne die Wild­paare mit einzubeziehen. Außerdem wurden ab 2009 auch Adler aus Lettland , bis 2013 insgesamt 50, nach Brandenburg gebracht und hier ausgewil­dert. Es zeigte sich, dass die Jungadler aus Lettland zumindest teilweise zur Brut nach Brandenburg zu­rückkehrten. Ein junges Männchen kehrte bereits im Alter von zwei Jahren kurzzeitig zur Nahrungs­aufnahme in die Auswilderungsstation zurück. Er wurde nur durch die automatischen Kameras entdeckt. Im Alter von drei Jahren hielt sich dieser Adler während der gesamten Brutzeit in der Nähe der Auswilderungsstation auf und hatte schon eine unmarkierte Partnerin. Im Alter von vier Jahren adoptierten sie einen Jungadler aus der Auswilde­rungsstation. Mit fünf Jahren hatte das Paar ein eigenes Junges, das es gelegentlich ebenfalls zur Fütterungsplattform der Auswilderungsstation mit­brachte, bis alle drei Vögel im Herbst abflogen.

In den folgenden Jahren tauchte das aus Lett­ land stammende Männchen nicht mehr auf, aber der Brutplatz blieb in den folgenden Jahren wei­ter besetzt und die Vögel hatten in etlichen Jahren Bruterfolg.

Später begann eine Kooperation mit Polen . Aus dem Gebiet östlich von Lublin , direkt am Grenzfluss Bug, wurden ab 2017 Zweitgeborene verfrachtet. Diese Zusammenarbeit dauert derzeit an. Sie war lediglich durch die Corona - Pandemie für zwei Jahre unterbrochen. Seit 2015 führen die Ornithologische Gesellschaft der Region Lublin und Natura Inter­national Polska ein LIFE+-Projekt in dieser Region durch: Schutz seltener Arten, darunter des Schrei­adlers, in ausgewählten Natura 2000 "-Gebieten in