Heft 
(2024) 31
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bestandsfördernd sein. Die technische Infrastruktur wirkt offenbar wie das frühe Initialstadium einer Gehölzsukzession, was auch die Ansiedlung von Amsel und Bluthänfling in der PV- FFA Cahnsdorf erklärt. Diese erfolgte, obwohl es keine Büsche als Nestträger gibt. Beide Arten dürften auf den Modul­trägern ihre Nester errichten( TRÖLTZSCH& NEU­LING 2013). Bei im Siedlungsraum des Menschen brütenden Amseln ist diese Nistweise verbreitet ( BEZZEL 1993) und auch für den Bluthänfling sind Bruten in Halbhöhlen und selbst auf dem Erdboden belegt( GLUTZ VON BLOTZHEIM& BAUER 1997).

Das Verschwinden des Braunkehlchens bei Luckau und Guben findet eine Parallele im So­larpark Finow , wo die Art im mit Solarmodulen besetzten Areal stark abnahm( TRÖLTZSCH& NEULING 2013). In Brandenburg war sie in den 1990er Jahren mit 10.000 bis 15.000 Paaren noch relativ häufig( B.& H. LITZBARSKI, H. HAUPT in ABBO 2001). Bald danach kam es zu einem flä­chendeckenden Rückgang. In den Jahren 2015/16 umfasste der Brutbestand noch 4.500 bis 7.500 Paare( RYSLAVY et al. 2019). Diese wohl auf eine Intensivierung der Landwirtschaft zurückgehen­de Entwicklung führte bereits in weiten Teilen Deutschlands zum Auslöschen der Art( BASTIAN & FEULNER 2015). Damit könnte das Erlöschen der Vorkommen in den benannten PV- FFA überregi­onale Ursachen haben. Dem steht entgegen, dass das Vorkommen des Braunkehlchens in einem So­larfeld auf dem Flugplatz Lönnewitz bis 2016 kon­stant war( HENSEN et al. 2017). KRÖNERT( 2009) untersuchte auf einem ehemaligen Flugplatz bei Leipzig eine PV- FFA mit 2,5m hohen Solarmodu­len und 3,9 m breiten Gassen. Auch er fand Bruten von Braunkehlchen im Solarpark. Gebrütet hat die Art in den Jahren 2014 und 2015 ebenfalls inner­halb der Modulreihen der PV- FFA auf dem Flug­platz Kamenz ( ZAPLATA& STÖFER 2022).

Das Erlöschen des Bestandes der Feldlerche bei Luckau und Guben ist wohl unmittelbar auf das Aufstellen der Solarmodule zurückzuführen. Die Art ist ein Bewohner des offenen Geländes mit weitgehend freiem Horizont, der in unserer Kul­turlandschaft bevorzugt Äcker und Wiesen ohne hochragende Einzelstrukturen( Häuser, Bäume, Masten, Gebüsch- und Baumreihen) besiedelt ( BEZZEL 1993). Die vor Errichtung der PV- FFA auf dem Flugplatz Alteno nistenden Paare hielten

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offenbar zunächst am alten Brutplatz fest( Brut­tradition). Fremde Vögel siedelten sich aber wohl nicht mehr am pessimal gewordenen Standort an. Der Bestand nahm ab, bis er schließlich erlosch. Dagegen halfen auch nicht die unbebaut geblie­benen 60 m breiten Graslandblöcke zwischen den Solarfeldern. Wie in einer Naturlandschaft mit un­gebremster Gehölzsukzession wurde die Feldler­che als Erstbesiedler von der Heidelerche abgelöst, welche nun eine hohe Siedlungsdichte erreichte.

Nach TRÖLTZSCH& NEULING( 2013) ist die Feldlerche in der PV - FFA Finow der dominierende Brutvogel. Sie führen dies auf den großen Abstand der Modulreihen zurück( 6,00 m und 6,75 m). Auf dem Flugplatz Kamenz wurde sogar eine höhere Siedlungsdichte dieser Art innerhalb der Modul­reihen( 3 m Abstand, aber nur 2,5 m hoch) festge­stellt als im umliegenden Agrarland( ZAPLATA& STÖFER 2022). Positive Beispiele finden sich auch in PESCHEL& PESCHEL( 2023). Sie benennen den Reihenabstand und hier speziell den besonnten Streifen in der Mittagszeit( Mindestbreite 2,5m) als den Faktor, welcher über eine Ansiedlung der Feldlerche entscheidet. In einem Solarpark auf dem Flugplatz Lönnewitz( Gassenbreite 6m) war der Brutbestand bis fünf Jahre nach der Errichtung der PV- FFA konstant und entsprach etwa dem Ni­veau vor der Bebauung( HENSEN et al. 2017). Auf einem Flugplatz bei Brandenburg an der Havel ( Gassenbreite 5,5 m) gelang es durch gezielte Maẞ­nahmen den Bestand der Feldlerche in den ersten fünf Jahren auf dem vorherigen Niveau von etwa 4 Revieren/ 10 ha zu halten( ZAPLATA& STÖFER 2022). Auch in einem Solarpark bei Freienhu­ fen ( Gassenbreite 7 m) brütete die Art( WIESNER 2016). Dagegen kam es am Flugplatz Litten( Gas­senbreite?) nach Errichtung der PV- FFA zu einem starken Rückgang bis zum Erlöschen des Bestan­des( ZAPLATA& STÖFER 2022).

LIEDER& LUMPE( 2011) untersuchten auf ei­ner Abraumhalde des Uranbergbaus in Ostthürin­gen eine 20 ha große PV- FFA mit nur 1,5 m hohen Modulen und 3 m breiten Gassen. Dabei fanden sie im Solarpark u. a. Brutreviere von Bluthänfling, Heide- und Feldlerche, während die Grauammer das Areal nach Aufstellen der Module verließ. In der PV- FFA bei Luckau blieb letztere zunächst ih­rem Brutplatz treu. Sie nutzte die Zäune als Sing­warte, ging aber auch in das Innere der Solarfelder.