Heft 
(2024) 31
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Otis 31( 2024): 123-132

Auswertung der Kiebitzerfassung Vanellus vanellus 2024 im Land Brandenburg

Martin Horny

MARTIN HORNY( 2024): Auswertung der landesweiten Kiebitzerfassung 2024 Branden­burg. Otis 31: 123-132.

Im Frühjahr 2024 hat die Arbeitsgemeinschaft Berlin - Brandenburgischer Ornithologen ( ABBO) zu einer landesweiten Erfassung von brutverdächtigen Kiebitzen im Land Branden­ burg aufgerufen. Ausgewertet wurden alle Datensätze im Meldeportal ornitho.de vom 20.03. bis 30.04.2024 und für jeden Messtischblatt- Quadranten eine Spanne der Reviere ermittelt. Im Ergebnis wurden für 239 Quadranten insgesamt 916 bis 1.133 Reviere erfasst. Diese Zahl wird auf Plausibilität geprüft und im Kontext diskutiert. Aufgrund von Erfassungslücken wird eine landesweite Bestandsschätzung von 1.050 bis 1.550 Revieren vorgenommen.

HORNY M.( 2024): Evaluation of the 2024 Northern Lapwing survey in the state of Branden­ burg . Otis 31: 123-132.

In spring 2024, the Arbeitsgemeinschaft Berlin - Brandenburgischer Ornithologen( ABBO) called for a state- wide survey of breeding Northern Lapwings in the state of Brandenburg . All data records in the ornitho.de reporting portal were analysed from 20 March to 30 April 2024, and a range of territories was determined for each quadrant of the survey grid. As a result, a total of 916-1,133 territories was recorded for 239 quadrants. This figure is checked for plausi­bility and discussed in context. Due to gaps in coverage, a nationwide population of 1,050-1,550 territories is estimated.

Martin Horny, martin.h.horny@gmx.de

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Einleitung

Der Kiebitz ist Vogel des Jahres 2024, weil seine Bestände deutschlandweit zusammenbrechen. In Brandenburg ist die Anzahl der Brutreviere laut dem Monitoring häufiger Brutvögel( MhB) seit 1995 um 83% gesunken( RYSLAVY et al. 2019, Ryslavy, schriftl.). Neben der Trockenlegung der Brutgebiete ist der seit drei Jahrzehnten ungenügende Bruter­folg dafür verantwortlich( RYSLAVY& MÄDLOW 2001). Dieser entsteht durch unnatürlich hohe Prä­dationsraten der Eier und Küken durch Säugetiere wie Rotfuchs, Waschbär und Marderhund. Dass der Handlungsbedarf zum Kiebitzschutz groß ist, hat sich an zwei Wiesenbrütertagungen in den Jahren 2022 und 2024 in Potsdam gezeigt( LANGGEMACH & PAULUSCH 2022). Vermehrt werden in allen Lan­desteilen Maßnahmen zum Kiebitzschutz umge­setzt. Um all diese Aktivitäten künftig zu bündeln und zu fördern, plant das Ministerium für Land­wirtschaft, Umwelt und Klimaschutz( MLUK) bis 2025 eine Wiesenbrüterstrategie vorzulegen.

Bei der Diskussion um Schutzmaßnahmen ge­langt man schnell zu der Frage, wie viele Kiebitze überhaupt in Brandenburg vorkommen. Vor den

1990er Jahren gab es keine landesweiten Erfassun­gen, weil der Kiebitz noch häufig war. In den Jah­ren 1993 und 1996 wurden die ersten Erfassungen durchgeführt, bei denen 1.900 bzw. 1.500 Reviere gezählt wurden. Die Zahlen wurden für unkartierte Flächen extrapoliert und auf einen Gesamtbestand von 2.600 bzw. 2.100 Revieren geschätzt( RYSLAVY & MÄDLOW 2001). Zehn Jahre später wurden für den Zeitraum 2005 bis 2009 noch 1.600 bis 2.100 Reviere erfasst( RYSLAVY et al. 2011). Danach gab es keine landesweiten Erfassungen mehr, sondern nur die Festlegung anhand von Bestandstrends für die Rote Liste: 1.400 bis 1.750 Reviere in den Jahren 2015/16( RYSLAVY et al. 2019). Daraus ergibt sich die Frage, wie hoch der Bestand weitere 10 Jahre später, also im Jahr 2024, noch sein kann.

Eine gute Datengrundlage gibt es in den 27 EU - Vogelschutzgebieten( SPA), die 22% der Lan­desfläche abdecken. In diesen Gebieten findet alle 6 Jahre eine Gesamterfassung der wichtigsten Brutvögel statt( RYSLAVY& PUTZE 2020, 2021). In den meisten Gebieten sind die Kiebitzzahlen zwar rückläufig, aber insgesamt wurden in den beiden letzten Erfassungsrunden um die 1.000 Reviere erfasst( Tab. 1). Ein Rückgang der Bestandszahlen