Heft 
(2024) 31
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Mattern: Bestandsentwicklung der Nachtigall im Stadtgebiet von Potsdam

als 50% auf, welcher sich in den darauffolgenden Jahren wieder konsolidiert. Die Ursache dafür ist unklar, da es sich sowohl um für Nachtigallen sehr gut geeignete Parkareale als auch dicht bebaute Siedlungsstrukturen handelt. Jedoch berichten auch andere Autoren von markanten Schwankun­gen der Bestände und deklarieren diese als nor­male Reaktion auf klimatische sowie tierische und menschliche Einflüsse.

4.3 Vergleich der jüngeren Kartierungen mit den Ergebnissen von 1965/66

Mit Hilfe der Ergebnisse aus der Erfassung von 1965/66 ist es möglich, in Teilgebieten Erkenntnis­se zur Langzeitentwicklung der Nachtigallenpopu­lation in Potsdam abzuleiten. Leider gibt es keine graphischen, flächenbezogenen Auswertungen der damaligen Kartierung, so dass die Zuordnung von Revierangaben auf konkrete Gebietsabgrenzungen kaum möglich ist. Aus diesem Grund wurden für den Vergleich einige Gebiete betrachtet, deren Ab­grenzungen auch heute noch Bestand haben und eindeutig nachvollziehbar sind, wie die Halbinsel Hermannswerder, den neuen und alten Friedhof sowie die drei Potsdamer Parks der Stiftung preu­Bische Schlösser und Gärten.

Tabelle 5 zeigt die Entwicklung der Population in den vergangenen 56 Jahren, wobei erneut be­tont werden muss, dass die Methodik von 1965/66 Reviere erst nach dreimaligem Nachweis bestätig­te, was folgerichtig zu geringeren Bestandszahlen führt. Trotz dieser Einschränkung ist in den be­trachteten Teilgebieten eine deutliche Bestands­steigerung von 1965( 42 Rev.) bis 2021( 78 Rev.)

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nachweisbar, die nicht auf die abweichende Me­thodik zurückzuführen ist und einem Zuwachs von 86% entspricht.

Die in Kapitel 4.1 und 4.2 betrachteten Ein­zelgebiete Hauptpark( Gebiet 5), Neuer Garten ( Gebiet 10) und Babelsberger Park ( Gebiet 12) beinhalten neben den genannten Parkflächen auch angrenzende Wohngebiete. Die Auswertung in Tab. 5 bezieht sich daher ausschließlich auf die Parkflächen der Stiftung und ermöglicht so eine Vergleichbarkeit mit den 1965/66 ermittelten Wer­ten. Klar ableiten lässt sich, dass der Neue Garten schon in den 60er Jahren ein für Nachtigallen at­traktives Brutareal war, was bis heute so geblieben ist( 1,94 bis 3,43 Rev./10 ha). Der Park Babelsberg hingegen hat im selben Zeitraum deutlich an At­traktivität gewonnen( 0,15 bis 1,46 Rev./10 ha).

Die Bestandsentwicklung im Park Sanssouci ( 1,85 km²) kann sogar aufgrund einer Brutvo­gelkartierung durch Studierende der Universität Potsdam in den 1990er Jahren noch detaillier­ter nachvollzogen werden. Gemäß HÜBNER et al. ( 2001) erfolgte in den Jahren 1994 bis 1998 eine Erfassung ausgewählter Brutvögel als Bestandteil der Lehre und Beitrag zur Avifaunistik. Bei fünf bis sieben Kontrollgängen galt ein Revier nach drei Nachweisen als gesichert. Auch diese Metho­dik weicht vom Vorgehen der Fachgruppe ab und muss beim Vergleich der Daten berücksichtigt werden, da tendenziell weniger Reviere bestimmt wurden.

Von 1965 bis 2021, über einen Zeitraum von 56 Jahren, ist eine leicht steigende Tendenz in der Bestandsentwicklung erkennbar( Abb. 4), wenn­gleich nach einer stetigen Zunahme von 1994 bis

Tab. 5: Anzahl der Reviere der Nachtigall in ausgewählten, eindeutig abgrenzbaren Arealen zum Vergleich der Da­ten aus 1965/66 mit 2003 bis 2021.Quellen: blaue Zahlen: GÜNTHER( 1983), schwarze Zahlen: Fachgruppe Ornitho­logie des KV Potsdam.

Number of territories of the Common Nightingale in selected, clearly definable areas for comparison of data from 1965/66 with 2003 to 2021 Sources: blue figures: GÜNTHER( 1983), black figures: FG Ornithology Potsdam.

Fläche in km² 1965

1966 2003 2010 2015 2021

Hermannswerder

0,75

6

7

18

7

9

Neuer und Alter Friedhof

0,38

4

4

2

0

1

Neuer Garten

0,67

13

17

18

19

17

Sanssouci

1,85

17

18

27

12

Park Babelsberg

1,3

2

3

23

22

Summe

42

49

88

60

46

1636

19

78

603228

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