158
statt, also jener Arten, die für die Ausweisung von SPA maßgeblich waren. Über diese Artengruppe, zu der das Bundesamt für Naturschutz die Arten nach Anhang I der EU - Vogelschutzrichtlinie sowie weitere ausgewählte Spezies zählt( GRÜNEBERG et al. 2017), ist im sechsjährigen Turnus an die EU zu berichten. Für Brandenburg relevant sind 49 Brutvogelarten des Anhang I sowie 16 weitere Triggerarten. Als SPA sind 22% der Landesfläche notifiziert; dementsprechend hoch ist der Aufwand für die Organisation und die Durchführung solcher Erfassungen.
Der Zeitraum für die Feldarbeiten zur Dritterfassung war mit der Saison 2023 abgeschlossen, die Daten und Bewertungen werden in den Bundesländern zusammengetragen und an den Dachverband Deutscher Avifaunisten ( DDA ) für den deutschen Gesamtbericht übermittelt. In Brandenburg konnten allerdings erstmals einzelne der 27 SPA nicht komplett kartiert werden: Dies betrifft das SPA„ Agrarlandschaft Prignitz- Stepenitz" komplett sowie das SPA- Teilgebiet Lieberoser Endmoräne im SPA„ Spreewald- Lieberoser Endmoräne“. Auch in den SPA„ Niederlausitzer Heide“,„ Märkische Schweiz“,„ Schorfheide- Chorin" und„ Unteres Elbtal" gab es nur Teilerfassungen. Dies passierte trotz der Erfahrungen der Vogelschutzwarte bei Erst- und Zweiterfassung, mit deren Auswertung Brandenburg sogar bundesweit Maßstäbe setzte( RYSLAVY& PUTZE 2020, 2021). Die Gründe für die nicht vollständige Kartierung wurden in der Verwaltung aufgearbeitet und werden hoffentlich bei der SPA- Vierterfassung keine Rolle mehr spielen. Diese ist für den Zeitraum 2025 bis 2029 geplant und wird mit jenen SPA bzw. SPA- Teilflächen starten, die bei der Dritterfassung nicht geschafft" wurden.
Stark negative Trends in den SPA weisen demnach Arten wie Bekassine, Brachpieper, Brachvogel,( Ortolan), Schwarzkopfmöwe, Schwarzstorch, Sperbergrasmücke, Trauerseeschwalbe, Tüpfelralle, Uferschnepfe, Wachtelkönig und Wiesenweihe auf, wobei die Uferschnepfe inzwischen ausgestorben ist, wie seit längerer Zeit auch Seggenrohrsänger und Kampfläufer. Andererseits haben sich die Bestände anderer Triggerarten in den SPA deutlich positiv entwickelt. Dazu gehören Blaukehlchen, Grauammer, Grauspecht, Heidelerche, Kolbenente, Kranich , Mittelspecht, Schilfrohrsän
Otis 31( 2024)
ger, Singschwan, Uhu, Wanderfalke, Wendehals oder Wiedehopf. Hinzu kommen die> gemanagten" Arten Auerhuhn ( Wiederansiedlungsprojekt Niederlausitz ) und Großtrappe( Bestandsstützungen). Einige Spezies zeigen auch Bestandsschwankungen ohne eindeutigen Trend, z. B. die Seeschwalbenarten.
Unter Federführung des DDA entsteht derzeit der Nationale Vogelschutzbericht 2025 nach Art. 12 der Vogelschutzrichtlinie. Bis Ende Juli 2025 ist er der EU- Kommission zu übermitteln. Er speist sich aus den folgenden Datenquellen:
.
Daten aus dem bundesweiten Monitoring häufiger( MhB) sowie seltener Brutvogelarten( MSB), Brutvogeldaten aus dem SPA- Monitoring, d. h. in Brandenburg aus der SPA- Dritterfassung,
• weitere Daten der Bundesländer sowie
•
Daten des DDA , z. B. Rastvogeldaten der Internationalen Wasservogelzählung und Schlafplatzzählungen.
Der Berichtszeitraum ist 2019 bis 2024, wobei die eigentliche Datengrundlage die Jahre 2017 bis 2023 umfasst. Die Zuarbeit der einzelnen Bundesländer für den Nationalen Bericht erfolgte i. d. R. durch die jeweilige Vogelschutzwarte an den DDA , dem wiederum die weitere Bearbeitung für ganz Deutschland im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz( BfN ) obliegt. In einem vorgegebenen Online- Tool des DDA waren auf der Onlineplattform dbird mehrere teils sehr arbeitsaufwendige Teilabfragen durch jedes Bundesland zu bearbeiten. Dazu gehörten z. B. für alle 205 für Branden burg relevanten Brutvogelarten die Angabe bzw. Einschätzung der jeweiligen Bestandsgröße, der Bestandstrends für 12 Jahre sowie für 24 Jahre inkl. Angabe der Erfassungsmethoden und Quellen. Eine weitere Abfrage beinhaltete die Situation der 110 potenziell vorkommenden Triggerarten in den einzelnen EU - Vogelschutzgebieten. Für jede im jeweiligen SPA vorkommende Triggerart wurden der Brutbestand aus der SPA- Dritterfassung ( inkl. Erfassungsmethode) und der Bestandstrend der letzten 12 Jahre abgefragt. Letzteres ließ sich oft nur durch einen Vergleich der Ergebnisse aus der SPA- Ersterfassung bzw. Zweiterfassung mit der SPA- Dritterfassung einschätzen. Für Branden burg ergaben sich dabei knapp 1.000 Datensätze.