Otis 31( 2024): 163-166
Vogelverluste an Windenergieanlagen: Auswertung der zentralen Funddatei für Deutschland zur Phänologie der Verluste
Tobias Dürr
2023
Bird casualties at wind turbines: Evaluation of the central German database regarding the phenology of losses
Master thesis in the study program Geo- Ecology, University Bergakademie Freiberg , 2023 Betreuer: Prof. Dr. Hermann Heilmeier, Dr. Torsten Langgemach
Tobias Dürr, Landesamt für Umwelt Brandenburg , Staatliche Vogelschutzwarte, Buckower Dorfstraße 34, 14715 Nennhausen, tobias.duerr@lfu.brandenburg.de
Die deutsche Bundesregierung hat im Juli 2022 verschiedene Rechtsvorschriften erlassen und novelliert, um den Ausbau von Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien zu beschleunigen. Dies betraf auch das Bundesnaturschutzgesetz, u. a.§ 45b BNatSchG, in welchem Schutzmaßnahmen zur Minderung der Risiken von 15 Vogelarten während der Brutzeit durch Windenergieanlagen ( WEA ) festgelegt wurden. Dazu gehören sog. >> phänologiebedingte Abschaltungen“. Diese sollen Phasen einer erhöhten Nutzungsintensität des Brutplatzumfeldes( Nahbereich) durch die Vögel umfassen, allerdings nur über einen Zeitraum von vier bis maximal sechs Wochen. Dies wurde auf die Spanne vom 1. März bis 31. August beschränkt. Die vorliegende Studienarbeit soll zeigen, inwiefern die Gesetzgebung mit der aus der zentralen Funddatenbank ableitbaren Phänologie der Vogelverluste an WEA zu vereinen ist und ob sich tatsächlich Zeitfenster ableiten lassen, in denen die Abschaltung von WEA zum Schutz der einzelnen Arten empfohlen werden kann. Der Schwerpunkt der Arbeit lag daher auf der Auswertung der jahreszeitlichen Phänologie der Vogelverluste, der Betroffenheit bestimmter Altersklassen und der Geschlechter. Daraus wurde eine Einschätzung der Kollisionsrisiken im Jahresverlauf abgeleitet. Die zentrale Funddatenbank enthielt zum Zeitpunkt der Auswertung im März 2023 4.912 gemeldete Funde von Vögeln( 157 Arten), die an deutschen Onshore- WEA verunglückt waren. Herausgearbeitet wurde eine detaillierte Interpretation der
Verlustphänologie für alle 15 als besonders kollisionsgefährdet eingestuften Brutvogelarten sowie für sieben weitere von der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten( LAG VSW 2007) als windkraftsensibel eingestufte Arten, sofern diese mindestens 15 Fundmeldungen aufwiesen. Ergänzend wurden drei Arten mit über 100 Fundmeldungen( Feldlerche, Turmfalke und Mäusebussard) in die Auswertung einbezogen( Anhang) sowie der Raufuẞbussard( als Gastvogel hier im Weiteren nicht betrachtet).
Bei den einzelnen Arten schwankte der Anteil unter den gesamten Fundmeldungen innerhalb des sechsmonatigen Zeitraumes für Abschaltungen zwischen 0( Sumpfohreule, Steinadler, Kornweihe) und 100%( Wiesenweihe). Bei 17 der insgesamt 25 betrachteten Arten entfielen> 50% aller Fundmeldungen auf dieses Zeitfenster und belegen die Anfälligkeit von Brut- und unerfahrenen Jungvögeln. Allerdings fiel bei mehreren Arten der Schwerpunkt der Verluste auf die nachbrutzeitlichen Sommermonate und dürfte überwiegend umherstreifende oder bereits ziehende Individuen betreffen( u. a. bei Möwen und Weißstorch). Spalte 5 im Anhang verdeutlicht, dass für alle 15 nach BNatSchG als besonders kollisionsgefährdet eingestuften Arten sowie für acht der zehn weiteren Arten kaum ein sinnvolles zusammenhängendes vierwöchiges Zeitfenster aus dem Verlustmonitoring abgeleitet werden kann, das zur Reduzierung von Verlusten während der„ Brutzeit“ unter die Erheblichkeitsschwelle führen würde. Das bestmögliche vierwö