Heft 
(2024) 31
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Dürr: Vogelverluste an Windenergieanlagen

al.( 2013) berechneten bspw. bereits vor mehr als zehn Jahren für Rotmilane in Brandenburg kumu­lative Verluste durch WEA von jährlich 308 Indivi­duen. Ein landesweiter Bestandszusammenbruch blieb bisher aus, möglicherweise begünstigt durch den zeitlich parallelen Rückgang von Stromschlag­opfern als Folge der konsequenten Sicherung von Mittelspannungsmasten. Seit dieser Publikation ist die Zahl der WEA noch einmal um tausend auf ca. 4.000 gestiegen. Von lokalen Unterschieden abgesehen, stehen abnehmenden Beständen von Kornweihe und Sumpfohreule durchaus stabil wir­kende Bestände von Schreiadler, Rotmilan, Fisch­adler, Rohrweihe, Baumfalke und Wespenbussard oder gar angestiegene Bestände von Weißstorch, Uhu, Wiesenweihe, Seeadler, Wanderfalke und Schwarzmilan gegenüber. Dies weist auf einen un­terschiedlichen Einfluss verschiedener anthropo­gen bedingter Gefahrenquellen auf die einzelnen Vogelarten hin. Unter ihnen dürfte sich der aktuell forcierte Ausbau der Windenergienutzung wegen seines großflächigen Anspruchs, der langfristi­gen Wirkung und steigenden Unfallrisiken durch wachsende Rotorlängen in besonderem Maße auf ganze Bestände auswirken. Beim Schreiadler dürf­

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te die hohe Zahl von 184 zusätzlich ausgewilderten Jungvögeln seit 2004 zur Stabilität beitragen. Die Reproduktion wurde dadurch in diesem Zeitraum um gut 70% gesteigert.

Da für die wenigen vom Gesetzgeber noch als besonders kollisionsgefährdet angesehenen Arten kein besonders geeignetes vier- oder sechswöchi­ges Zeitfenster innerhalb der Fortpflanzungszeit abgeleitet werden konnte, stellt sich die Frage nach der Wirkung dieser gesetzlichen Bestimmung und nach deren fachlichen Grundlagen.

Literatur

BELLEBAUM, J., F. KORNER- NIEVERGELT, T. DÜRR, U. MAMMEN( 2013): Wind turbine fatalities approach a level of concern in a raptor population. Journal Nature Conservation 21: 394-400.

BÖHNER, J.& T. LANGGEMACH( 2004): Warum kommt es auf jeden einzelnen Schreiadler Aquila pomarina in Brandenburg an? Ergebnisse einer Populationsmo­dellierung. Vogelwelt 125: 271-281.

LAG VSW( Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutz­warten)( 2014): Abstandsempfehlungen für Windener­gieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten. Ber. Vogelschutz 51: 15-42.

Art( Anzahl ausgewer­teter Funde)

Sumpfohreule( 4) Uhu( 17)

Dekaden mit den höchs­ten Verlusten(%) im Jahresverlauf, an Bedeu­tung absteigend M1, E9, M11, E11( 100%) A2, A3, M3, E4, A9, M9 ( 70,6%)

Anzahl und Anteil (%) der Verluste vom 01.03. bis 31.08. an Gesamtverlusten 0( 0%) 8( 47,1%)

Anhang: Zeitfenster mit höchster Anzahl an Fundmeldungen von WEA- Opfern sowie Anteile an den gesamten Verlusten mit Zuschnitt auf im BNatSchG genannte Zeitfenster

Zeitfenster mit höchs­tem Anteil(%) von Verlusten in vorge­nannter Zeitspanne

Vier- und[ Sechswöchiges] Zeitfenster mit höchstem Anteil(%) in vorgenannter Zeitspanne*

Baumfalke( 17)

E5, A9, E4, A8, M9( 70,6%) 10( 58,8%)

01.03.- 20.03.( 50,0%), 21.04.- 30.04.( 25,0%) 21.05.- 10.06.( 40,0%)

01.03.- 31.03.( 26,5%); [ 01.03.- 31.03.( 26,5%)]* 21.05.- 10.06.( 40,0%)*; [ 21.04.- 31.05.( 50,0%)]

Fischadler( 48)

A4, E8, E4( 54,2%)

46( 95,8%)

01.04.- 10.05.( 54,3%), 21.08.- 31.08.( 17,4%)

01.04.- 30.04.( 47,8%);

[ 01.04.- 10.05.( 54,3%)]

Kornweihe( 1) Mäusebussard( 675)

A1( 100%)

A4, E3, E8, E4, A9, M4, M8( 34,0%)

0( 0%) 480( 71,1%)

Rohrweihe( 44)

E4, A8, M4, M7, E8

38( 86,4%)

11.03.- 10.05.( 44,6%), 21.07.- 31.8.( 20,8%) 01.04.- 30.04.( 36,8%),

21.03.- 20.04.( 26,5%); [ 21.03.- 30.04.( 34,0%)]

01.04.- 30.04.( 36,8%);

( 54,5%)

01.08.- 31.08.( 31,6%)

[ 21.03.- 30.04.( 42,1%)]

Rotmilan( 675)

E3, A4, M4, M5, A8, M8, 537( 79,6%)

11.03.- 20.06.( 63,7%),

21.03.- 20.04.( 27,6%);

E4( 51,8%)

01.08.- 31.08.( 17,3%)

[ 21.03.- 30.04.( 33,3%)]