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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
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Günzburg+ Aufgabenorientierte Persönlichkeitsentwicklung

gebaut wurden. Außerdem wurden durch die aufgabenorientierte Förderung per­sönliche Qualitäten in den Heimbewoh­nernerschlossen, die man in ihrem frühe­ren Lebenslauf niemals beobachten konn­te. Sie waren nämlich allePatienten aus Anstalten gewesen, in denenMen­schen inden entmenschlichendsten, him­melschreiend furchtbarsten Zuständen lebten, die wir jemals gesehen haben. Die Mitarbeiter erhielten genau detail­lierte Aufgaben, die unter anderem auch das Ziel hatten, die Gesundheit und das persönliche Aussehen der behinderten Mitbewohner optimal zu verbessern. Hör­geräte, Zahnprothesen und Brillen wur­den sorgfältig und für jeden individuell ausgewählt. Auch wurden die Kleider, der Haarstil und das Make up der Mode und dem Alter entsprechend ausgesucht. Und nicht zuletzt wurden mit neuen Hand­taschen die gewohnten Teddybären und Puppen ersetzt. Das behutsame Einge­hen der Mitarbeiter auf die individuellen Wünsche der Heimbewohner und ihr so verbessertes Aussehen, das sie ja im Spie­gel selbst beobachten konnten, schuf in den ehemaligenPatienten ein neues Selbstbewußtsein. Sie wurden dadurch bereit, mit anderen Aufgaben, die nun an sie herantraten, fertig zu werden.

Zum Abschluß

Es ist von allergrößter Wichtigkeit, daß das Gruppenheim und die Arbeitsstelle durch kooperatives Arbeiten die erzie­herischen Aufgaben gemeinsam lösen. Eine organisatorisch bequeme Arbeits­

Literaturverzeichnis

teilung führt dazu, daß die Gelegenheit, dem Behinderten die dringend von ihm benötigte Erfahrung zu geben, versäumt wird. Ein bis jetzt ungelöstes Problem in der Behindertenförderung liegt in der Schwierigkeit für den Behinderten, er­lernte Fertigkeiten von einer Situation zur anderen zu transferieren. Es gibt gute Gründe für die Erwartung, daß ihm diese Schwierigkeit erleichtert würde, wenn Heim und Arbeitsplatz gemeinsam an diesem Problemkreis arbeiten. Es müs­sen daher die dafür notwendigen Voraus­setzungen geschaffen werden. Das wich­tigste Ziel dieser organisatorischen Er­ziehungsarbeit ist jedoch nicht die Stei­gerung der sozialen Kompetenz. Das wichtigste Ziel ist die Persönlichkeits­entfaltung des Behinderten, die ganz unweigerlich als eine Folgeerscheinung seines gesteigerten Selbstwertgefühls auf­treten wird. In der Entwicklung der För­derpläne werden oft die Auswirkungen dieser Persönlichkeitsänderungen auf die Mitarbeiter selbst übersehen, deren akti­ve und interessierte Mitarbeit doch ent­scheidend für die Umsetzung der Theo­rie in die Praxis ist. Eine aufgabenorien­tierte Organisation wird zwar viele Pro­bleme aufwerfen, sie wird aber auch viel zur Arbeitszufriedenheit beitragen(Booth et al. 1990a; 1990b). Der Erfolg des er­zieherisch/individuellen Modells(Felce 1988; 1989) hat bewiesen, daß die volle Anwendung unseres ganzen gegenwärti­gen Wissens erstaunliche Resultate er­zielen kann. Dieses Modell ist heute im­mer noch die Ausnahme aber die Aus­nahme muß zur Regel gemacht werden. Abschließend ist zu sagen, daß die Ver­

legung des Lebensraums aus der Anstalt indie offene Gemeinschaft natürlich gro­ße Vorteile für geistig behinderte Men­schen gebracht hat. Ihre Wohnverhält­nisse haben sich im allgemeinen beträcht­lich verbessert. Außerdem haben sie, auch wenn sie diese selten ausnützen, größere Anschlußmöglichkeiten an andere Men­schen(Donegan& Potts 1988). Und schließlich ist die Qualität ihres Lebens potentiell verbesserungsfähiger als in der Anstalt. Im Grunde genommen sind aber diese direkten Folgen desLuftwechsels leider mit keinen neuen Überlegungen verbunden. Die rein medizinische An­staltsaufbewahrung wurde in England unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg reformiert(Modell I). Durch die Schlie­ßung der großen Anstalten wurde das karitative Modell der Aufbewahrung in der offenen Gemeinschaft allgemein an­genommen(Modell II). Aber außer dem Kauf kleiner Häuser und von Einzel­wohnungen für eine Minorität von behin­derten Erwachsenen unterscheidet sich die neue Vorgehensweise in der Praxis kaum von dem Vorgehen derreformier­ten Anstalten. Diese hatten die indu­strielle Arbeit, die sozialpädagogische Förderung und Wohnheime, die außer­halb der Anstalt liegen, bereits einge­führt. Es gibt jetzt aber Anzeichen dafür, daß das Modell III, welches die pädago­gische Führung zur Persönlichkeitsen­twicklung betont, in Zukunft das fast veraltet anmutende, aber weitverbreitete Modell II ablösen wird. Hiermit wird ein entscheidender neuer Schritt in der Er­wachsenenförderung eingeleitet wer­den.

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