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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
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Verfügungsrecht über ihre Sparbücher. Wenn es auch verständlich ist, daß nicht allen behinderten Menschen vollständi­ge Selbständigkeit gewährt werden kann, so stimmt es doch bedenklich, daß die Heime allgemeine Regeln aufstellen, ohne auf individuelle Fälle Rücksicht zu nehmen(Günzburg& Günzburg 1991). In den englischen Fachzeitschriften gibt es sehr wenige Veröffentlichungen ob­jektiver Untersuchungen über die Effek­tivität der aufgabenorientierten Zusam­menarbeit zwischen den Training Centres und den Wohnheimen. Dies weist wohl auch auf die Seltenheit einer solchen Zusammenarbeit zwischen Arbeitsplatz und Wohnheim hin. Die Ergebnisse einer wegweisenden Untersuchung(Sinson 1990) deuten darauf hin, daß eine Zu­sammenarbeit aller Mitarbeiter im Wohn­heim und am Arbeitsplatz auf der Basis systematisch gewonnener Informationen zu einem besseren Management führt und dadurch behinderten Bewohnern von Gruppenheimen mehr Gelegenheit gibt, einen höheren Grad der Unabhängigkeit zu erreichen. Sinson untersuchte fünf Gruppenheime, die systematisch mit In­formationen arbeiteten, die sie aus dem P-A-C Untersuchungssystems(Günzburg 1977) erhielten. In der Untersuchung wurden die Führungspraktiken dieser Heime mit denen von fünf anderen Gruppenheimen, die wenig systematisch vorgingen, verglichen. Mit Hilfe der LOCO Skala(Günzburg& Günzburg 1987; 1989) konnte festgestellt werden, ob das Heim und seine Umgebung eine Mindestzahl natürlicher Lerngelegen­heiten bot und ob die Heimleitung die Bewohner dazu anregte, diese Entwick­lungsmöglichkeiten voll auszunützen. Sinson stellte fest, daß alle fünf Heime, die ihre Informationen verarbeiteten, für gewöhnlich eine höhere Punktzahl er­reichten als die fünf anderen Heime, die es versäumten, die günstige Lage der Gemeinschaft voll auszunützen. In den Letzteren hinderte die Heimleitung durch Heimregeln und Vorschriften die Be­wohner daran, sich außerhalb des Hei­mes frei zu bewegen und Selbständigkeit zu entwickeln. In der Tat zeigten die P-A-C Ergebnisse in fünf Heimen deut­lich einen Mangel an Gelegenheiten zur

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Günzburg+ Aufgabenorientierte Persönlichkeitsentwicklung

weiteren Freizeitgestaltung und damit eine der vernachlässigten Schwachstellen im Förderungsbemühen auf. Die LOCO Analyse ergab aber auch viele andere Schwächen, die fast allen Gruppenhei­men gemeinsam waren. Dazu gehört z.B. das fehlende Bestreben der Heimleitung den Bewohnern den Umgang mit Geld zu lehren oder sie genügend an den Haus­haltsarbeiten teilnehmen zu lassen.

Bestandsaufnahme möglicher Lehrziele

Um einen Lehrplan zu entwickeln, der auf die individuellen Bedürfnisse Rück­sicht nimmt, ist es nicht nur notwendig, die Schwächen und Stärken in der Be­herrschung und Anwendung von sozia­len Fertigkeiten zu beurteilen. Dies kann ja verhältnismäßig einfach durch die An­wendung von Tests geschehen. Es müs­sen auch die Resultate dieser Erhebungen zur Basis gemeinsamen Vorgehens ge­macht werden. Weiterhin müssen die Re­sultate mit allen Mitarbeitern im Wohn­heim und in der Werkstatt diskutiert wer­den. Wo es angebracht erscheint, sollten sie auch mit Eltern und dem Behinderten selbst besprochen werden. Diese Bespre­chungen resultieren in der Auswahl eini­ger Lehrziele, die von allen Beteiligten mit besonderem Nachdruck verfolgt wer­den und die nachangemessener Zeit weiter überprüft werden. Die regelmäßige ge­meinsame Verarbeitung der erreichten oder verfehlten Lehrziele führt zu Revi­sionen, Umdenken, zu der Aufstellung von neuen Lehrzielen und zu Änderun­gen in den Vorgehensweisen.

Diese einfache und doch notwendige Lehrsituation ist, obwohl sie die Basis jeglicher Förderarbeit darstellt, immer noch nicht allgemein eingeführt. Noch seltener wird aber die Gemeinsamkeit des Vorgehens betont. Alle Beteiligten gehen gemeinsam vor, womit vielleicht Institutionsdenken und Institutionshan­deln am erfolgversprechendsten vermie­den wird.

Wegweisende Prinzipien

Die Kenntnis und die Vertrautheit mit den erkannten Schwächen des Grup­penheimes, der Heimleitung, der Mitar­beiter und der Bewohner ermöglichen es, eine Reihe von Prinzipien schriftlich nie­derzulegen. Diese Prinzipien geben von Anfang an bestimmte Verpflichtungen und Verhaltensweisen als Ziele vor. Es ist wichtig, daß diese Ziele nicht in ab­strakten Begriffen, wie z.B.das Poten­tial des Behinderten soll ausgenützt wer­den oderdie Selbständigkeit soll ge­fördert werden ausgedrückt werden (Whelan& Speake 1977). Sie sollten vielmehr in strategisch/konkreter Weise den Beteiligten nahe gebracht werden. So sind z.B. in Felces Wohnheimen (1989) die Mitarbeiter verpflichtet, dafür zu sorgen, daß den Heimbewohnern Ge­legenheiten gegeben werden, Erfahrun­gen zu sammeln, Alltagssituationen zu erleben und sich mit den täglichen Akti­vitäten weitestgehend vertraut zu ma­chen. Es ist die Aufgabe jedes Mitarbei­ters, sicherzustellen, daß jeder behinder­te Bewohner des Heimes zu jeder Tages­zeit mindestens zu einer Beschäftigung Zutritt hat und aufgemuntert wird, daran teilzunehmen.

Die vielen Arbeitspläne, wiederholten Überprüfungen, Programmauswertun­gen, Diskussionsgruppen und Mitarbeit­erkonferenzen sorgen dafür, daß die Mit­arbeiter jedes Arbeitsgebietes a) mit den gesteckten Lehrzielen vertraut sind, b)sich gegenseitig unterstützen und c) versu­chen, das Arbeitspensum gemeinsam zu erreichen. Im Laufe dieser Arbeit müs­sen für jeden individuellen Fall organi­satorische Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, Experimente gewagt und neue Erkenntnisse verarbeitet wer­den. Dies alles dient dazu, institutionelle Aspekte zu vermeiden.

Die ausführlichste Beschreibung opti­maler und wahrscheinlich einzigartiger Gruppenheime in England wurde von D. Felce(1988; 1989) gemacht. Die Arbeit der Heime war auf einer detaillierten operational philosophy aufgebaut. Die aufgabenorientierte Förderung führte dazu, daß die Funktionsschwächen der neuen Heimbewohner systematisch ab­

HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVIII, Heft 1, 1992