Verhaltensgestörtenpädagogik im Spiegel der
Fachzeitschriftenliteratur — Eine Inhaltsanalyse—
Von Herbert Goetze und Uta Gatzemeyer
Fünf deutschsprachige Fachzeitschriften sind einer Analyse vonInhalten zur Verhaltensgestörtenpädagogik über die letzten zehn Jahre unterzogen worden. Im Ergebnis zeigte sich, daß die allgemeinen Zielvorgaben der Organe in bezug auf die Verhaltensgestörtenpädagogik nur teilweise eingehalten werden. Die Verhaltensgestörtenpädagogik geht mit 23% in die Gesamtheit der Veröffentlichungen zur Sonderpädagogik ein, wovon ein Fünftel empirisch orientiert ist. Eine abnehmende Publikationshäufigkeit ist über das letzte Jahrzehnt hin zu verzeichnen. Das breite Inhaltsspektrum der Verhaltensgestörtenpädagogik ist nicht gleichmäßig in den Aufsätzen vertreten: Interventions- und Zielgruppenaspekte sowie Integration sind stärker repräsentiert, während Berufsbildung, Re-Integration und Diagnostik als Themen selten verarbeitet sind.
Five German speaking periodicals have been content analysed covering the period from 1981-1990. The focus was on behavior disorders. Whatever journal editors have claimed to be of major importance for publication politics was only partially realized in their publication efforts. In the field of special education behavior disorder issues are represented with 23%. One fifth of published articles is empirically based. There is a diminishing publication trend. Some issues like interventions, behavior disorder populations and main-streaming are strongly favored, while professional preparation, re-integration und assessment of behavior disordered children and youth are seldom represented in German speaking journals.
Problem
Gegenstand dieser Untersuchung ist eine Inhaltsanalyse von Arbeiten zur Verhaltensgestörtenpädagogik, die in überregionalen deutschsprachigen wissenschaftlichen Fachpublikationsorganen zwischen 1980 und 1990 erschienen sind. Die Aufarbeitung soll den aktuellen Sachstand des Faches widerspiegeln, also Schwerpunkte und Defizite aufzeigen, um möglicherweise Schlußfolgerungen für einen notwendigen Forschungsbedarf abzuleiten.
Für den deutschsprachigen Bereich liegt eine solche Inhaltsanalyse bisher noch nicht vor. Lediglich Bleidick(1989) hat für den Gesamtbereich der Behindertenpädagogik etwas Ähnliches untersucht:
Von ihmwurden sämtliche Arbeiten aus den letzten vier Jahrzehnten der Zeitschrift für Heilpädagogik im Sinne einer historischen Aufarbeitung inhaltsanalysiert. Dabei zeigte sich z.B., daß Arbeiten zur Verhaltensgestörtenpädagogik vergleichsweise häufig in der Zeitschrift für Heilpädagogik vertreten sind. Daran anknüpfend ist zu fragen, ob sich ein entsprechend hoher quantitativer Anteil an Arbeiten im Bereich der Verhaltensgestörtenpädagogik auch in anderen Publikationsorganen nachweisen läßt. Die vorliegende Untersuchung hat jedoch andere Zielsetzungen und Methoden zur Grundlage:
— Wir wollen uns lediglich mit einer sonderpädagogischen Fachrichtung,
HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 1, 1992
der Verhaltensgestörtenpädagogik, befassen.
— Es sollen nur Veröffentlichungen des letzten Jahrzehntes eingeschlossen werden, denn es geht uns nicht um eine historische Aufarbeitung, sondern um die Erfassung des mehr oder weniger aktuellen Sachstandes, obwohl natürlich zeitabhängige Tendenzen innerhalb des erhobenen Zeitraums auch von Interesse sind.
— Es werden überregionale, der westlichen Hemisphäre zuzurechnende, deutschsprachige Publikationsorgane eingeschlossen.
Die Fragen dieser Inhaltsanalyse, die einer Klärung zugeführt werden sollen, lauten: