Spiele und Spielmaterialien blinder und sehender Kinder im Kleinkind- und Vorschulalter*
Von Heinrich Tröster und Michael Brambring
Eltern blinder und sehender Kinder wurden nach dem Spielverhalten ihres Kindes befragt. Die Fragen bezogen sich(1) auf die augenblicklich bevorzugte Spielform,(2) auf die präferierten Spiel- und Gebrauchsgegenstände und(3) auf die hauptsächlich ausgeübten Spielaktivitäten (a) allein,(b) mit anderen Kindern,(c) mit den Eltern. Die Ergebnisse erbrachten vielfältige Unterschiede im Spielverhalten blinder und sehender Kinder. Als Hauptbefunde lassen sich hervorheben: Die Altersunterschiede im Erwerb der komplexeren Spielformen nahmen zwischen blinden und sehenden Kindern zu. Blinde Kinder hatten seltener als sehende Kinder spielerische Interaktionen mit anderen Kindern. Blinde Kinder bevorzugten taktilauditive Spiele und Spielmaterialien und nur wenige blinde Kinder beschäftigten sich mit Symbolspielen. Aus den Befunden lassen sich Rückschlüsse auf spezifische Besonderheiten in der Entwicklung blinder Kinder ziehen und kompensatorische Maßnahmen zur Entwicklungsförderung blinder Kinder ableiten.
Parents of blind and sighted children were asked about the play behavior of their child. The questions referred to: (1) the current, preferred type of play;(2) preferred toys, household articles, and/or natural objects; and(3) the most frequent types of play activity(alone, with other children, with parents). Results showed numerous differences inplay behavior between blind and sighted children. The main findings were:(1) Age differences in the acquisition of more complex levels of play increased between blind and sighted children.(2) Blind children less frequently interacted with other children than sighted children.(3) Blind children preferred tactile-auditive games and toys.(4) Only a few blind children engaged in symbolic games. The findings are used to derive conclusions on specific characteristics of the development of blind children and compensatory measures to promote their development.
Das kindliche Spiel wird in der gegenwärtigen Forschung als wichtige Informationsquelle zur Beurteilung des Entwicklungsstandes von behinderten und nichtbehinderten Kindern angesehen, das diagnostische Hinweise über den sensomotorischen, kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklungsstand des Kindes liefern kann. Darüberhinaus wird auf die Bedeutung des Spiels für erzieherisch-fördernde Zwecke hingewiesen, dadie Aneignung adäquater Umwelterfahrungen durch gezielte Spiel
* Die Arbeit entstand im Rahmen des Sonderforschungsbereiches‘Prävention und Intervention im Kindes- und Jugendalter’ der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Teilprojekt: “Frühförderung und Familienbetreuung blinder Klein- und Vorschulkinder’.
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anleitungen gefördert werden kann (Quinn& Rubin, 1984; Rubin, Fein& Vanderberg, 1983).
Beide Aspekte sind besonders für die Erziehung blinder Kinder von großer Wichtigkeit, da zum einen über die Beobachtung des Spiels wertvolle Informationen über spezifische Entwicklungsprobleme blinder Kinder gewonnen und zum anderen durch geeignete Spielanregungen blindenspezifische Entwicklungsprobleme ausgeglichen werden können.
Infolge des fehlenden Gesichtssinns ergeben sich bei blinden Kindern Besonderheiten im Spielverhalten, wobei folgende Abweichungen besonders hervorgehoben werden(Brambring& Tröster, 1991):
1) Blinde Kinder explorieren die Umgebung und die Gegenstände in der Umgebung in geringerem Umfang als sehende Kinder(Fraiberg, 1977; Olson, 1981, 1983; Sandler& Wills, 1965; Tröster& Brambring, im Druck; Wills, 1972).
2) Das Alleinspiel blinder Klein- und Vorschulkinder erscheint häufig repetitiv und stereotyp(Freeman et al., 1989; Parsons, 1986; Sandler, 1963; Warren, 1984; Wills, 1972).
3) Blinde Kinder zeigen in geringerem Umfang als sehende Kinder spontanes Spiel. Sie müssen vielmehr in stärkerem Maße als sehende Kinder zum Spiel angeleitet werden(Burlingham, 1961, 1967, 1972, 1975; Rothschild, 1960; Sandler, 1963; Sandler& Wills,
HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVIII, Heft 1, 1992