1965; Tait, 1972c; Wills, 1965, 1968, 1970).
4) Blinde Kinder ahmen nicht oder nur selten die Routinetätigkeiten primärer Bezugspersonen nach(Fraiberg, 1977; Sandler& Wills, 1965).
5) Blinde Kinder beschäftigen sich seltener als sehende Kinder mit Stofftieren und Puppen. Eine Animisierung dieser Spielsachen ist selten beobachtbar (Warren, 1984; Wills, 1979).
6) Im Vergleich zu sehenden Kindern spielen blinde Kinder seltener mit gleichaltrigen Kindern. Ihr Spiel ist vielmehr stärker auf Erwachsene bezogen(Schneekloth, 1989; Tait, 1972a, b; Wills, 1972).
7) Symbol- und Rollenspiele treten in der Entwicklung blinder Kinder deutlich verzögert auf(Fraiberg& Adelson, 1973; Sandler& Wills, 1965; Tait, 1972a,b; Wills, 1968, 1970)
8) Das Spiel blinder Kinder enthält weniger aggressive Komponenten als das sehender Kinder(Burlingham, 1961, 1965; Fraiberg, 1968; Wills, 1970, 1981).
Trotz dieser zahlreichen Hinweise auf Besonderheiten im Spielverhalten blinder Kinder ist die empirische Basis für diese Aussagen gering(vgl. Warren, 1984). Die meisten Berichte über das Spielverhalten blinder Kinder beruhen auf Einzelfallbeobachtungen. Es fehlen vergleichende Untersuchungen zum Spielverhalten sehgeschädigter und normalsichtiger Kinder, die genauere Aufschlüsse über das erstmalige Auftreten und die Art einzelner Spielformen bei sehenden und sehgeschädigten Kindern erlauben. Durch die vorliegende Arbeit soll der Einfluß der fehlenden Visualität auf die Auswahl des Spielmaterials und die Spielaktivitäten untersucht werden. Dazu wurden Eltern blinder und sehender Kinder nach dem Spielverhalten ihres Kindes befragt. Aus den Ergebnissen lassen sich eventuell Rückschlüsse auf spezifische Entwicklungsprobleme blinder Kinder ziehen und Vorschläge für geeignete, kompensatorische Frühfördermaßnahmen entwickeln.
Heinrich Tröster& Michael Brambring+ Spiele und Spielmaterialien blinder unde sehender Kinder
Methode
Das Spielverhalten blinder und sehender Klein- und Vorschulkinder wurde durch einen Fragebogen(Brambring etal., 1987) erhoben. Der Fragebogen war für das Alter von sechs Monaten bis vier Jahre (bei sehenden Kindern) und bis sechs Jahre(bei blinden Kindern) konzipiert und wurde von den Eltern zu Hause ausgefüllt.
Die Fragen zum Spielverhalten bezogen sich 1) auf die augenblicklich dominierende Spielform, 2) auf die bevorzugten Spiel- bzw. Gebrauchsgegenstände und 3) auf die bevorzugten Spielaktivitäten des Kindes.
Für die Beantwortung der Frage nach der dominierenden Spielform wurden Antwortmöglichkeiten vorgegeben, während die Fragen nach den bevorzugten Spielobjekten und nach den bevorzugten Spielaktivitäten von den Eltern frei beantwortet wurden.
1) Die erste Frage bezog sich auf die momentan vorherrschende Spielform des Kindes. Die Eltern wurden gebeten, aus einer vorgegebenen Liste von fünf Spielstufen diejenige Spielform anzugeben, die dem augenblicklichen Spiel ihres Kindes am ehesten entspricht.
Welche Art von Spiel bevorzugt Ihr Kind momentan?
(a)...spielt bevorzugt mit eigenem Körper, z.B. strampelt, lutscht an seinen Fingern, usw.
(b)... spielt bevorzugt abwechselnd mit verschiedenen Gegenständen, z.B. schüttelt Rassel; steckt Klotz in den Mund; kratzt an Oberflächen; drückt Quietschtier.
(c)... spielt bevorzugt mit zwei oder mehreren Gegenständen, d.h. bringt diese in einen Zusammenhang, z.B. schlägt Klötzchen gegeneinander; läßt Bausteine(oder andere kleine Gegenstände) in Dose fallen und leert sie wieder aus; wickelt Gegenstände in Tücher und wickelt sie wieder aus.
(d)...spielt überwiegend materialgerecht mit Spielsachen oder Gebrauchsgegenständen, z.B. einen Klingelball rollen; rühren mit dem Löffel in einer
HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 1, 1992
Tasse; schaltet Radio(Casettenrecorder) ein und aus; baut mit Bauklötzen.
(e)... spielt überwiegend Rollen und Szenen, z.B. füttert Puppe; läßt Tiere miteinander kämpfen; spielt Vater/ Mutter; spielt Autofahren,
Die fünf Spielstufen beschreiben folgende Spielformen: a) Körperbezogenes Spiel, b) undifferenzierte Objektmanipulationen, c) relationale Objektmanipulationen, d) funktionale Objektmanipulationen und e) Symbol- bzw. Rollenspiel.
Die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten wurden in Anlehnung an eine Klassifikation von Largo und Howard(1979) so konstruiert, daß sich die einzelnen Spielstufen eindeutig voneinander unterscheiden lassen. Durch die Beispiele sollte die Beurteilung sowohl für die Eltern blinder als auch sehender Kinder erleichtert werden.
(2) Um die bevorzugten Spielmaterialien blinder und sehender Kinder zu erfassen, wurden die Eltern gebeten, die momentanen Lieblingsspielsachen ihres Kindes anzugeben:“Was sind momentan die Lieblingsspielsachen Ihres Kindes(Spielsachen oder Gebrauchsgegenstände)?”
(3) Zusätzlich wurden die Eltern nach den augenblicklichen Lieblingsbeschäftigungen ihres Kindes gefragt:“Was sind momentan die Lieblingsbeschäftigungen Ihres Kindes(a) allein,(b) mit Geschwistern/ anderen Kindern,(c) mit Ihnen/ anderen Erwachsenen?”
Für die Beantwortung der Fragen nach den Spielmaterialien und nach den Spielaktivitäten mußten die Eltern ihre Antworten in frei gelassenen Zeilen eintragen.
Datengewinnung
Der Elternfragebogen wurde über 22 bundesdeutsche Frühförderstellen für Blinde und Sehbehinderte an Eltern blinder Kinder weitergeleitet. Die Frühförderstellen wurden gebeten, den Elternfragebogen nur an diejenigen Eltern auszugeben, deren Kinder bis auf Lichtscheinwahrnehmung vollblind waren und au
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