Marie von Ebner-Eschenbach zum 100. Todestag Fischer 31 Marie von Ebner-Eschenbach zum 100. Todestag (12. März 1916). Mit einem unveröffentlichten Brief Marianne Gräfin Kinskys vom 16. April 1916 Hubertus Fischer(Hrsg.) Die Berührung Fontanes mit Marie von Ebner-Eschenbach(1830–1916) ist flüchtiger Natur, die zunächst keine vertiefende Betrachtung zulässt.»Ich habe vier oder fünf gelbe Hefte in die Kiste gegeben, da ich mir denke, daß es sich um die Novelle der Ebner-Eschenbach handelt«, schrieb Fontane am 29. April 1891 an die Tochter Martha. 1 Diese hielt sich bei ihrer Freundin Margarete Gräfin von Wachtmeister(1865–1928), Tochter des Bonner Gynäkologen Gustav von Veit(1829–1903), auf dem vorpommerschen Gut Zansebuhr auf. 2 Fontane wird Martha die»gelbe[n] Hefte« des Magazins für Litteratur 3 wohl deshalb zugesandt haben, weil schon die Namensverwandtschaft mit der in jungen Jahren verwitweten Freundin dafür sprach. Es waren nämlich in diesen Heften die ersten Teile von Ebner-Eschenbachs Novelle Margarete zu lesen(»So frei wie ich war noch nie ein Geschöpf« 4 ), und möglicherweise hatte Martha sie ausdrücklich von ihrem Vater erbeten. Ob Fontane auch die restlichen Hefte nach Zansebuhr geschickt hat, ist nicht bekannt. Fraglich ist außerdem, ob er selbst die Novelle gelesen hat; 5 jedenfalls hat sich bisher keine Spur ergeben, die das zweifelsfrei belegen könnte. Andererseits wird»Emma«, die weibliche Hauptfigur in Ebner-Eschenbachs dialogischer Novelle Ohne Liebe von 1888, in einer emanzipatorischen»Traditionslinie« gesehen, die nach dieser Lesart von»Gottfried Kellers Dortchen Schönfund in seinem Grünen Heinrich[und] Grillparzers Edrita in Weh dem, der lügt![bis zu] Fontanes Corinna in Frau Jenny Treibel und Melusine im Stechlin« 6 reicht.»Emma« wiederum teilt nicht zufällig den Vornamen mit der Hauptfigur in Gustave Flauberts(1821–1880) Madame Bovary(1857), zu der sie sich freilich wie eine Gegenfigur verhält. Das sind Figuren- und Namensverflechtungen, denen bei anderer Gelegenheit nachzugehen ist, wobei die zwischen Ebner-Eschenbachs Margarete 7 und Marthas Freundin Margarete von besonderem Interesse ist. Viel ist das immer noch nicht, zumal es eher Martha als Theodor Fontane betrifft. Einander übersehen konnten die beiden aber nicht.
Heft
(2016) 101
Seite
31
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