Heft 
(2018) 105
Seite
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30 Fontane Blätter 105 Unveröffentlichtes und wenig Bekanntes Homer schläft! Der Berliner Börsen-Courier moniert einen Passus in Irrungen, Wirrungen Wolfgang Rasch Während die Berliner Tagespresse bis 1848 vornehmlich aus zwei Zeitun­gen bestand, der Vossischen und der Spenerschen, etwas spöttisch auch Tante Voß und Onkel Spener genannt, erlebte Berlin nach der Revolution und vor allem nach der Reichsgründung einen rasanten Aufstieg zur Zei­tungsmetropole und Medienstadt. 1895 erschienen schon 36 auflagenstar­ke Tageszeitungen, davon einige zweimal täglich, fast alle mit zusätzlichen Beilagen und Beiblättern. 1 Die Zeitungen bedienten jeweils unterschied­liche soziale, politische, konfessionelle und weltanschauliche Milieus und boten insgesamt in ihren feuilletonistischen Teilen oder Unterhaltungsbei­lagen ein breites Forum für Rezensionen und kritische Würdigungen der Gegenwartsliteratur. Wie behauptete sich Fontane innerhalb des wach­senden Berliner Blätterwaldes? Als Buchautor konnte er den Verkauf sei­ner Bücher durch(möglichst freundliche und anerkennende) Besprechun­gen fördern lassen und seinen Marktwert damit steigern. Fontane er­kannte jedoch spätestens Ende der 1880er Jahre, dass es nicht sinnvoll war, wahl­los Tageszeitungen und andere Blätter mit Freiexemplaren zu versorgen, um eine möglichst breite Resonanz zu erzeugen. Zu viele dieser Periodika verhielten sich indifferent und brachten gar nichts, einige äußerten sich ausgesprochen kritisch, ja gehässig. Fontane entschied sich daher, die Re­zeption seiner Werke künftig gezielt zu steuern. Als im Herbst 1888 der Band Fünf Schlösser bei Wilhelm Hertz erschien, bat er seinen Verleger, eine Reihe von Zeitungen und Zeitschriften erst gar nicht mit Freiexempla­ren zu beliefern. Fontane zählt sie auf und benennt damit jenen Teil der Berliner Tagespresse, der ihm aus seiner Sicht gleichgültig, desinteressiert oder gar feindselig gegenübersteht. Am 30. September 1888 schreibt er an Hertz: »Es giebt eine ganze Anzahl von Zeitungen, die, aus mir unerklärlichen Gründen(denn ich wüßte nicht, daß ich je einem etwas zu Leide gethan hätte) einen förmlichen Haß gegen mich haben und dieser Abneigung bei jeder Gelegenheit Ausdruck geben. Die besseren darunter beschränken