Homer schläft! Rasch 31 sich auf Schweigen oder kolossale Nüchternheit, was weniger ärgerlich, aber für den Absatz eigentlich noch unvortheilhafter ist. An der Spitze stehen die conservativen Blätter: Kreuz-Ztng., Post(diese vor allem), Reichsbote[…]; in Schweigen hüllen sich: Nordd: Allg., National-Ztg, Köln: Ztng., Berl. Tageblatt, D. Tageblatt, während der Börsen-Courier, trotz entgegengesetzten polit: Standpunktes, in seinen Angriffen mit der Post wetteifert. […] Es wäre nun mein herzlicher Wunsch, Sie ließen alle diese Blätter, oder doch fast alle[…] schießen und beschränkten sich auf Einsendung von Exemplaren an solche Blätter, die mir wohlwollen und mir dies durch 20 Jahre hin bewiesen haben. Wozu dem Dr. Kropatscheck, der ein ganz guter Mann sein mag(ich habe sogar so‘was gehört) oder dem Dr. Kayßler von der Post, der, glaub ich, findet, daß ich weder ihm noch seinen Leuten den Hof gemacht habe, – warum diesen Leuten und vielen andern mit ihnen, Exemplare schicken, blos um sie ignorirt oder getadelt zu sehn. Wollen die Herren das, so können sie sich das Buch wenigstens kaufen. Ich bin, bei meinem letzten Roman, nach diesem Prinzip verfahren und habe es auf die Weise durchgesetzt, daß ich, mit einer einzigen Ausnahme[…] nur mir wohlthuende Kritiken zu lesen, in der Lage gewesen bin.« 2 Fontane schlägt also vor, folgende Berliner Blätter aus dem Empfängerkreis von Freiexemplaren auszuschließen: Die Kreuzzeitung, Die Post, den Reichsboten, die Norddeutsche Allgemeine Zeitung, die National-Zeitung, das Berliner Tageblatt, das Deutsche Tageblatt und den Berliner Börsen-Courier. Einzig mit der National-Zeitung macht er eine Ausnahme, weil»einer der Redakteure, Dr. Samosch, ein besondrer Schwärmer für[…] meine Arbeiten ist«. 3 Der im Brief erwähnte Hermann Kropatscheck(1847–1906) war Chefredakteur der Kreuzzeitung und Mitglied der konservativen Fraktion im Preußischen Abgeordnetenhaus, Dr. Leopold Kayßler(1828–1901) einst Redakteur der 1874 eingestellten Spenerschen Zeitung und von 1878 bis 1890 Chefredakteur der Berliner Tageszeitung Die Post. 4 Fontane begründet seinen Ausschlusswunsch mit der verständlichen Abneigung, sich»von irgend einem Schmock im Börsen-Courier oder von irgend einem Stöckerschen Predigtamtskandidaten in der Kreuz-Ztg. etc. Sottisen sagen zu lassen«. 5 Überblicken wir die erwähnten Berliner Tageszeitungen, so fallen drei ins Auge, die Fontane mit besonderer Antipathie erwähnt: Kreuzzeitung, Die Post, Berliner Börsen-Courier. Lassen wir an dieser Stelle die Kreuzzeitung außen vor, der Fontane von 1860 bis 1870 gedient, die er im Zorn verlassen hatte und die eine ganz eigene Rolle in seinem Leben spielte, so fragt man sich, warum die konservative Post(1866 vom ›Eisenbahnkönig‹ Henri Bethel Strousberg gegründet) sowie der freisinnige Berliner Börsen-Courier(1868 von George Davidsohn ins Leben gerufen) sein besonderes Mißfallen erregten. Er erwähnt sie nochmals explizit in einem Brief an seine Frau Emilie vom 2. Oktober 1888, nachdem ihm Wilhelm Hertz
Heft
(2018) 105
Seite
31
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