Heft 
(2017) 103
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daß er das Gepräge des Willensdienstes trägt; der andere hingegen davon frei ist. [] Anders nun aber, als mit dem Intellektuellen, verhält es sich mit dem Moralischen, dem Charakter des Menschen: dieser ist viel schwerer physiognomisch zu erkennen; weil er als ein Metaphysisches, ungleich tiefer liegt und mit der Korporisation, dem Organismus, zwar auch zusam­menhängt, jedoch nicht so unmittelbar und nicht an einen bestimmten Theil und System desselben geknüpft ist, wie der Intellekt. [] Demnach sieht es so aus, daß wir, physio­gnomisch urtheilend, uns leicht für einen Menschen dahin verbürgen können, daß er nie ein unsterbliches Werk her­vorbringen; aber nicht wohl, daß er nie ein großes Verbre­chen begehn werde.« Der Ausfall auf Hegel etwas unwürdig; aber der­gleichen muß man von diesem stürmischen Kauz nun mal hinnehmen. Der Ausfall auf Hegel ...] Parerga II. 29. Zur Physiogno­mik. § 390, 677: »Daher möchte ich meinen scharfsinnigen Landsleuten rathen, daß, wenn sie ein Mal wieder Belie­ben tragen, einen Alltagskopf, 30 Jahre lang, als großen Geist auszuposaunen, so doch nicht eine solche Bierwirth­sphysiognomie dazu wählen mögen, wie H e g e l hatte, auf dessen Gesicht die Natur, mit ihrer leserlichsten Hand­schrift, das ihr so geläufige ›Alltagsmensch‹ geschrieben hatte.« S. 678 bis 82. Ueber Lärm und Geräusch. Brillant. S. 678 bis 82. ] Parerga II. 30. Ueber Lerm und Geräusch. § 391, 678–682, hier 678: »K a n t hat eine Abhandlung über die l e b e n d i g e n K r ä f t e geschrieben: ich aber möchte eine Nänie und Threnodie über dieselben schrei­ben; weil ihr so überaus häufiger Gebrauch, im Klopfen, Hämmern und Rammeln, mir mein Leben hindurch, zur täglichen Pein gereicht hat. Allerdings giebt es Leute, ja, recht viele, die hierüber lächeln; weil sie unempfindlich ge­gen Geräusch sind: es sind jedoch eben die, welche auch unempfindlich gegen Gründe, gegen Gedanken, gegen Dichtungen und Kunstwerke, kurz, gegen geistige Eindrü­cke jeder Art sind: denn es liegt an der zähen Beschaffen­heit und handfesten Textur ihrer Gehirnmasse. []« Und , 679: »Der Lerm aber ist die impertinenteste aller Un­terbrechungen, da er sogar unsere eigenen Gedanken un­terbricht, ja, zerbricht. Wo jedoch nichts zu unterbrechen ist, da wird er freilich nicht sonderlich empfunden werden. []« 45 Fontanes Exzerpte aus Schopenhauer  Delf von Wolzogen 47