daß er das Gepräge des Willensdienstes trägt; der andere hingegen davon frei ist. […] Anders nun aber, als mit dem Intellektuellen, verhält es sich mit dem Moralischen, dem Charakter des Menschen: dieser ist viel schwerer physiognomisch zu erkennen; weil er als ein Metaphysisches, ungleich tiefer liegt und mit der Korporisation, dem Organismus, zwar auch zusammenhängt, jedoch nicht so unmittelbar und nicht an einen bestimmten Theil und System desselben geknüpft ist, wie der Intellekt. […] Demnach sieht es so aus, daß wir, physiognomisch urtheilend, uns leicht für einen Menschen dahin verbürgen können, daß er nie ein unsterbliches Werk hervorbringen; aber nicht wohl, daß er nie ein großes Verbrechen begehn werde.« Der Ausfall auf Hegel etwas unwürdig; aber dergleichen muß man von diesem stürmischen Kauz nun mal hinnehmen. Der Ausfall auf Hegel ...] Parerga II. 29. Zur Physiognomik. § 390, 677: »Daher möchte ich meinen scharfsinnigen Landsleuten rathen, daß, wenn sie ein Mal wieder Belieben tragen, einen Alltagskopf, 30 Jahre lang, als großen Geist auszuposaunen, so doch nicht eine solche Bierwirthsphysiognomie dazu wählen mögen, wie H e g e l hatte, auf dessen Gesicht die Natur, mit ihrer leserlichsten Handschrift, das ihr so geläufige ›Alltagsmensch‹ geschrieben hatte.« S. 678 bis 82. Ueber Lärm und Geräusch. Brillant. S. 678 bis 82. ] Parerga II. 30. Ueber Lerm und Geräusch. § 391, 678–682, hier 678: »K a n t hat eine Abhandlung über die l e b e n d i g e n K r ä f t e geschrieben: ich aber möchte eine Nänie und Threnodie über dieselben schreiben; weil ihr so überaus häufiger Gebrauch, im Klopfen, Hämmern und Rammeln, mir mein Leben hindurch, zur täglichen Pein gereicht hat. Allerdings giebt es Leute, ja, recht viele, die hierüber lächeln; weil sie unempfindlich gegen Geräusch sind: es sind jedoch eben die, welche auch unempfindlich gegen Gründe, gegen Gedanken, gegen Dichtungen und Kunstwerke, kurz, gegen geistige Eindrücke jeder Art sind: denn es liegt an der zähen Beschaffenheit und handfesten Textur ihrer Gehirnmasse. […]« Und , 679: »Der Lerm aber ist die impertinenteste aller Unterbrechungen, da er sogar unsere eigenen Gedanken unterbricht, ja, zerbricht. Wo jedoch nichts zu unterbrechen ist, da wird er freilich nicht sonderlich empfunden werden. […]« 45 Fontanes Exzerpte aus Schopenhauer Delf von Wolzogen 47
Heft
(2017) 103
Seite
47
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten