Heft 
(2017) 103
Seite
51
Einzelbild herunterladen

SBB St 58, 30, TFA Pa 7,2 [1] j, 8 S. 616. »Psychologische Bemerkungen«. Hier reitet er seinen Hauptgaul »Wille und Intel­lekt«. Er führt geistvoll durch: Das Glück des Da­seins erheische die richtige Proportion zwischen Wille und Intellekt. Viel Wille [xx] fordert­(zur Controle der Leidenschaft oder des Tempera­ments) viel Intellekt, mäßiger Wille mäßigen Intel­lekt, schwacher Wille schwachen Intellekt. Diese ganze Aufstellung ist ein Blender. Viel Wille (Leidenschaft) erfordert viel Intellekt, um das große Leidenschaftsmaß zu zügeln; die­ser Satz ist richtig. Würde Schopenhauer nun [xx] fortfahren: für mäßigen Willen genügt mäßiger Intellekt und für schwachen Willen schwacher S. 616. » Psychologische Bemerkungen «.] Parerga . 26. Psy­chologische Bemerkungen . §§ 314–374, 616–648. Fontane bezieht sich hier auf § 314, 616 f.: »Jedes animalische We­sen, zumal der Mensch, bedarf, um in der Welt bestehn und fortkommen zu können, einer gewissen Angemessen­heit und Proportion zwischen seinem Willen und seinem Intellekt. Je genauer und richtiger nun die Natur diese ge­troffen hat, desto leichter, sicherer und angenehmer wird er durch die Welt kommen. Inzwischen reicht eine bloße Annäherung zu dem eigentlich richtigen Punkte schon hin, ihn vor Verderben zu schützen. Es giebt dennoch eine ge­wisse Breite, innerhalb der Gränzen der Richtigkeit und Angemessenheit des besagten Verhältnisses. Die dabei geltende Norm ist nun folgende. Da die Bestimmung des Intellekts ist, die Leuchte und der Lenker der Schritte des Willens zu seyn; so muß, je heftiger, ungestümer und lei­denschaftlicher der innere Drang eines Willens ist, desto vollkommener und heller der ihm beigegebene Intellekt seyn; damit die Heftigkeit des Wollens und Strebens, die Gluth der Leidenschaften, das Ungestüm der Affekte, den Menschen nicht irre führe, oder ihn fortreiße zum Un­überlegten, zum Falschen, zum Verderblichen; welches Alles, bei sehr heftigem Willen und sehr schwachen In­tellekt, unausbleiblich der Fall seyn wird. Hingegen kann ein phlegmatischer Charakter, also ein schwacher, matter Wille, schon mit einem geringen Intellekt auskommen und bestehn: ein gemäßigter bedarf eines mäßigen. Ueber­haupt tendirt jedes Mißverhältniß zwischen einem Willen und seinem Intellekt, d. h. jede Abweichung von der aus obiger Norm folgenden Proportion, dahin, den Menschen unglücklich zu machen: folglich auch, wenn das Mißver­hältniß das umgekehrte ist. Nämlich auch die abnorm starke und übermächtige Entwicklung des Intellekts und das daraus entstehende ganz unverhältnißmäßige Ueber­wiegen desselben über den Willen, wie es das Wesentliche des eigentlichen Genies ausmacht, ist für die Bedürfnisse und Zwecke des Lebens nicht bloß überflüssig, sondern denselben geradezu hinderlich. Alsdann nämlich wird, in der Jugend, die übermäßige Energie der Auffassung der objektiven Welt, von lebhafter Phantasie begleitet und al­ler Erfahrung ermangelnd, den Kopf für überspannte Be­49 Fontanes Exzerpte aus Schopenhauer  Delf von Wolzogen 51