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WlÄLker und WluLHen.
Koch einmal von den Schußwunden in künftigen Kriegen. Zur
Vervollständigung unseres Artikels in Nr. 10 möchten wir an dieser Stelle noch der Arbeiten derjenigen Aerzte gedenken, welche zuerst die Erklärung der durch Flintenkugeln verursachten Zerstörungen im menschlichen Körper- gegeben haben und an deren Ergebnisse die Versuche von Prof. Bruns sich anschließen. Busch und Kocher waren es, welche zuerst die explosionsartige Wirkung der Nahschüsse durch den hydraulischen Druck zu erklären versuchten. Das größte Verdienst gebührt aber aus diesem Gebiete
Dr. Reger, Stabsarzt am Kadettenhause zu Potsdam. Durch Versuche über die Temperatur der Geschosse stellte er zuerst unzweifelhaft fest, daß die Erwärmung derselben im Körper — entgegengesetzt den bisherigen Annahmen und Berechnungen — keineswegs den Schmelzpunkt erreicht, daß die Entformung derselben also auch nicht durch Schmelzung, sondern durch mechanische Stauchung entsteht. Indem er ferner Versuche mit dem Manometer anstellte, erbrachte er den vollgültigen Beweis, daß der hydraulische Druck die Ursache der explosionsartigen Zerstörung sei. Auf Grund des Nachweises, daß die Größe dieses hydraulischen Druckes, somit auch die Größe der zerstörenden Wirkung der Geschosse außer von dem Flüssigkeitsgehalte des getroffenen Körpers auch von der Geschwindigkeit und Belastung, besonders aber von der Größe der Angriffsfläche des auftreffenden Geschosses abhängt, und namentlich auf Grund der Beobachtung, daß gerade die sich im Körper vollziehende Stauchung und Abplattung des Bleigeschosses die Haupturfache der gewaltigen Zerstörung bei Nahschüssen bildet, während ein sich nicht entformcndes Geschoß (Kupfer, Stahl) diese „unbeabsichtigte" Nebenwirkung nur in bedeutend geringerem Grade zeigt, trat derselbe schließlich warm für Herabsetzung des Kalibers und Einführung eines sich nicht oder nur wenig entformenden Geschosses und im besonderen für die Lorenzschen Compoundgeschosse als eine Forderung der Humanität ein. Die großen Vorzüge dieser Geschosse hat unter anderen namentlich auch B. v. Beck, der frühere Generalarzt des XIV. Armeecorps, durch ausgedehnte Versuchsreihen überzeugend nachgewiesen. Von Oberstlieuteuant Bode erfunden und von Lorenz, dem Besitzer der deutschen Metallpatronenfabrik in Karlsruhe, wesentlich vervollkommnet, stellen die jetzt eingeführten „Mantelgeschosse", deren Mantel allerdings bei mehreren Nationen nicht mit dem Kern verlöthet ist, einen Fortschritt dar, der durchaus deutsches Verdienst ist. *
Ungelehriger Zögling. (Zu dem Bilde S. 365.) Es muß doch auch von Logik, Grammatik und Arithmetik etwas verstehen, das Herren- söhnchen, das gehört zum guten Ton und ist einmal so Sitte. Also muß der würdige Beichtvater des gräflichen Hauses das schwierige Amt übernehmen, dem Jungen neben den Lehren des Glaubens auch noch die Anfangsgründe der Wissenschaft beizubringen, denn weit umher ist der geistliche Herr der einzige Vertreter der höheren Gelehrsamkeit. Und es scheint auch, als ob er das bleiben sollte. Denn sein vornehmer Zögling zeigt nicht die mindeste Veranlagung für feinere Gedankenarbeit: der sieht ihm nur mit gutmüthigem Lächeln verständnißlos ins Gesicht, verständnißlos für seine Weisheit und verständnißlos für seine fürchterliche Erregung, als wollte er sagen: „Warum denn so heftig? Es thut doch gar nichts, wenn ich das nicht behalte!"
Und wenn wir genauer Zusehen, so können wir uns über den Standpunkt des Jungen nicht einmal so sehr wundern. Die üppige Umgebung des Reichthums, die ihn umschmeichelt, läßt den Glauben an die Nvth- wendigkeit ernster Arbeit nicht in ihm aufkommen. Das weiche Kissen, auf das er feine Füße setzt, der bequeme Stuhl, in den er sich zurücklehnt, sie sind ein Sinnbild seines Daseins — also wozu sich noch anstrengen? Er kennt den Ernst des Lebens noch nicht und will ihn
nicht kennen; es ist ja so lustig auf der Welt! Freilich, stellen wir uns vor, daß der Ernst doch einmal an ihn herantreten werde, da wird er ihm gerade so hilflos gegenüberstehen wie den logischen Entwickelungen seines Lehrmeisters, aber das vergnügliche Lächeln wird verschwunden fein von den weichlichen Lippen! —
Erste Lorbeeren. (Zu dem Bilde S. 369.) Der Künstler führt uns in die „Ciociaria" — so heißt im Volksmund das Grenzgebiet zwischen dem Römischen und Neapolitanischen — und läßt uns in das Innere einer Ciociarenwohnung blicken, wo Menschen und Federvieh vertraulich wie in Noahs Arche beisammen Hausen. Ein Korb mit Stroh dient den piepsenden Hausgenossen zum nächtlichen Unterschlupf, und es gehört gewiß zu den Obliegenheiten unseres kleinen Hansmütterchens, die Küchlein jeden Abend sorglich in ihre Streu zu betten. Auch der geweihte Oelzweig, der, am Palmsonntag gebrochen und vom Pfarrer eingesegnet, das ganze Jahr über vor Krankheit, Wetter und Hagelschlag Schutz verleiht, darf an der Wand nicht fehlen.
Das fleißige Kind lehnt an der geschnitzten Lade und lauscht wohlgefällig dem Spiel des kleinen Freundes, während die geschickten Finger doch nicht aufhören, den Faden zu drehen und die Spindel zu werfen. Der Junge dagegen hat das bessere Theil erwählt; ungestört kann er sich der Welt von Musik und Poesie hingeben, die in seinen Augen träumt. Das Vieh, das er zur Weide treiben soll, mag sich ruhig draußen verlaufen, indeß er der dankbaren Zuhörerin auf der „Ciaramella" die selbsterfundenen Weisen bläst.
Und der kleine ländliche Improvisator denkt vielleicht an die schöne große Stadt Neapel, von der sie ihn: erzählt haben, daß er dort mit seinen Talenten eines Tages sein Glück machen könnte, er denkt vielleicht an das Fest von Piedigrotta, wo alljährlich die Bolkssänger aus Stadt und Land zusammenströmen, um unter Zechen und Schmausen die ganze Nacht hindurch im Wettstreit ihre neuen Lieder vorzutragen, bis das schönste mit dem Preise gekrönt wird und von da in den Mund des Volkes übergeht. Das steht fest, daß auch unser kleiner Künstler sich eines Tages dort auszeichnen wird; alsdann wird er sich in seinem Triumphe auch der kleinen Freundin erinnern, die ihn zuerst durch ihren Beifall ermuntert hat, und er verwendet gewiß seinen Preis dazu, ihr ein schönes Paar Ohrgehänge von Korallen zu schenken, wie es alle ihre Freundinnen tragen und woran es ihr offenbar noch zu fehlen scheint.
Wenn es aber wahr ist, daß ein Lächeln aus lieblichem Munde finden Sänger der schönste Preis ist, so hat unser kleiner Freund seinen Lohn schon jetzt dahin. I. K.
Kleiner Briefkasten.
(Anfragen vline volle Nmnensnngabe werden nicht berücksichtigt.)
V. T^in ^ Sie wünschen, daß^ wir an die^Leser der „Gartenlaube" ^die^rag^
gebende Antworten seinerzeit zustellen. ^ M ^
! G. A. M. in E. Das uns angekündigte Exemplar der „C. Z." ist uns bis jetzt nicht > zugegangen.
O. Rchn Leipzig, h .Ihrer ^ ^apierkor^ewandert^.^^ ^ ^
I sinder? Sie in Bocks „Buch vom gesunden und kranken^Menschen".
! F. P. in Gotha, lir. Eitner, dessen Verdienste um die Görlitzer Jugendspiele Sie ^ aus unserem Artikel in Nr. 13 kennengelernt haben, hat auch selbst einen mustergültigen
In dem Unterzeichneten Verlage ist erschienen und durch die meisten Buchhandlungen zu beziehen:
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Zum Semmilcmil, HchiildeMleil m>i Hchlii-Mlttlieil des Ne» scheu.
Von Professor vr. Carl Ernst Bock.
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bearbeitet von vr. War VON ZiMMeriNcttlN.
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Herausgegebeu unter verantwortlicher Redaktion von Adolf Krön er. Verlag von Ernst Keil's Nachfolger in Leipzig. Druck von A. Wiede in Leipzig.