Heft 
(1890) 24
Seite
389
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Illustriertes Familienblatt. - Begründet vo Ernst Keil 1853 .

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1890 .

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(Fortsetzung.)

V^arie fühlte, daß es nach der ^ keine Brücke mehr gab über von Lothar schied. Aber wenn er ihr Verhalten auch ver­dammen mußte, so sollte er sich wenigstens nicht in dem Glauben von ihr trennen, daß es ihr Wunsch gewesen sei, ihn geflissentlich zu beleidigen.

Als sie in dem leeren Speise­saal eine Weile stumm auf und nieder gegangen waren, sagte sie zaghaft:

Vielleicht hast Du meiner letzten Aeußerung eine falsche Deutung gegeben, Lothar. Es war nicht meine Absicht, Dich zu kränken."

Was hätte Dich auch dazu veranlassen sollen?" erwiderte er ruhig.Sei versichert, daß ich Dir durchaus nicht zürne und daß ich vielmehr von ganzem Herzen wünsche, der Pfad, für welchen Du Dich am Kreuzwege entschieden hast, möge in Wahrheit der Pfad zum Glück gewesen sein."

Eine heiße, unnennbar schmerzliche Empfindung, für deren Ursache sie selber sich keine Rechenschaft zu geben vermochte, drängte ihr die Thränen in die Augen. Sie mußte den Kopf ganz von ihm abwenden, um ihm ihre plötzliche Bewegung zu ver­bergen. Ihre Stimme aber klang vielleicht nur noch härter und fremder in dem Bemühen, eine gelassene Festigkeit zu erheucheln.

Ich verstehe Dich nicht, wie es uns vielleicht über­haupt versagt ist, einander 24

Madonna im Mosenyag.

Roman von Weinkotd HrLmcrrrn.

vorangegangenen Unterredung die Kluft, welche sie für immer

Are schöne Geschichte. Von C. Stuchlik.

Photographie im Verlage der Photographischen Union in München.

recht zu verstehen. Welcher Kreuzweg ist es, von dem Du sprichst, und welcher Pfad, für den ich mich entschieden haben soll?"

Ich würde Gefahr laufen, Dich von neuem unwillig zu machen, wenn ich Dir dar­auf ausführlich Antwort gäbe; denn ich habe für die Ehr­lichkeit meiner Gesinnung in diesem Augenblick eben keine besseren Beweise als bei allen früheren Gelegenheiten. Aber wie oft wir einander auch mißverstanden haben mögen, Marie - die Beweggründe, welche Dich hinderten, gegen Engelbert Partei zu ergrei sen, sie wenigstens verstehe ich vollkommen, und Dil siehst, daß ich sie geachtet habe trotz der Freundschaft, welche mich mit Deinem Bruder verbindet. Vielleicht hältst Tn Dich nach dieser Erklärung ohne weite­res überzeugt, daß Deine vorige Anklage mich nicht zu kränken vermochte."

Der ruhige Ton, in welchem er gesprochen, hatte ihr gewiß keinen Anlaß dazu gegeben, und doch empfand Marieseine Worte wie einen Ausdruck der bittersten Verachtung. Sie hatte sich vor ihm gedemüthigt, indem sie gewissermaßen seine Verzeihung erbeten hatte, und nun rächte er sich trotzdem an ihr, indem er sie unzweideutig fühlen ließ, daß er die un­edlen, selbstsüchtigen Gründe ihres Benehmens mit voller Klarheit durchschaut habe. Und so jämmerlich eigensüchtig und feige erschienen ihr selber diese Gründe, daß davor der ganze bestrickende Zauber in nichts