Während der Kreuzigung vor dem Theater.
des Hohen Rathes gegen Christus; der Abschied zu Bethania; der letzte Gang nach Jerusalem; das Abendmahl und die Stiftung des Mahles des Neuen Bundes. Der Verräther Judas verläßt das Abschiedsmahl; gleich darauf sehen wir ihn in das Synedrium eintreten und seinen Meister für dreißig Silberlinge an die Pharisäer verkaufen.
Ergreifend ist die folgende Vorstellung: Christus auf dem Oelberge in seiner bitteren Todesangst, der Judaskuß und die Gefangennahme.
Hiermit schließt die erste Abtheilung. Bier Stunden, voll acht Uhr morgens bis zwölf Uhr mittags hat sie gewährt; eine Ruhepause von anderthalb Stunden bietet Gelegenheit, die Lebenskraft durch Speise und Trank zu erfrischen.
So weltlich auch das Treiben während dieser Pause sein mag: man kommt sofort wieder in die rechte Stimmung, wenn man nach derselben das Theater wieder betritt und null in fast athemloser Spannung den Ereignissen der Leidensgeschichte weiter folgt.
Wir sehen den Messias nun vor Annas und Kaiphas geführt, voll letzterem des Todes schuldig erklärt, von Petrus verleugnet, voll heil Dienern verspottet und mißhandelt; dann Judas, dem hohen Rathe seinen Verrätherlohn hinwerfend und in wilder Verzweiflung in den Tod gehend.
Dann wird Christus vor Pilatus, vor Herodes geführt, zu Pilatus zurückgesendet, gegeißelt und mit Dornen gekrönt.
Der Gang zum Kreuze und die Begegnung mit Maria erschüttern die Herzell der Tausende; stärker noch die Kreuzigung selbst, die letzteil Worte des Gekreuzigten und sein erhabenes Ende.
Noch folgt die wunderschön in lautloser Stille gegebene Kreuzabnahme, endlich die Ruhe Christi im Grabe und die Auferstehung. Mit einem Hallelujagesange schließt das Passionsspiel.
Es ist eine der merkwürdigsten und ergreifendsten Leistungen, welche durch das Zusammenwirken aller edlen Künste, durch die schlichte Frömmigkeit eines einfachen Bergdorfes, durch die treue und aus dauernde Hingebung begeisterter Menschen hier der Welt dar- geboten wird.
Daß den Ammergauern ihr Passionsspiel einen Weltruf verschafft hat, daß jedes Passionsjahr ihnen mit den Tausenden von Besuchern einen mächtig anschwellenden Strom irdischen Reichthums zuführt: es ist ihnen gewiß nicht gleichgültig; aber dieser irdische Erfolg steht ihnen doch erst in zweiter Reihe. Als erstes gilt ihnen — und das kann mall jeder Einzelheit des Ganzen entnehmen — die Erfüllung des Gelübdes ihrer Väter, das Bewußtsein, einer Idee zu dienen, welche ihnen heilig ist und welche voll Geschlecht zu Geschlecht fortlebt, allen thener und selbst für die ruhelosen Weltkinder des Jahrhunderts rührend und groß.
Zn den Straßen von Höeram morgan.