Heft 
(1890) 24
Seite
405
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Sein Begleiter, ein hübscher junger Offizier mit kecken, blitzenden Augen, trat jetzt auch heran, und der Fürst übernahm die weitere Vorstellung.

Ich will nicht fürchten, daß die Herren blutig aneinander gerathen, wenn ich die gegenseitigen Namen nenne," sagte er­scheinend.Genannt müssen sie doch einmal werden, also: Herr von Eschenhagen Herr von Walldorf."

Gott bewahre! Ich wenigstens bin die Friedfertigkeit selbst!" rief Walldorf lustig.Herr von Eschenhagen, ich freue mich, den Vetter meiner Braut kennenzulernen, und um so mehr, als er sich bereits in den heiligen Ehestand begeben hat. Wir hätten es Ihnen gern nachgemacht und auch eine Heirath vor der Trommel geschlossen, aber mein Schwiegervater setzte seine grimmigste Miene auf und erklärte: Erst siegen und dann heirathen!

Nun, das Erste haben wir seit fünf Monaten ununter­brochen besorgt, und wenn ich wieder nach Hause komme, werde ich mir schleunigst das Zweite ausbitten."

Er schüttelte dem ehemaligen Verlobten seiner Braut freund­schaftlich die Hand und wandte sich dann zu dem Fürsten.

Wir haben Ihnen etwas mitgebracht, Durchlaucht, was wir da draußen aufgegriffen haben. Ordonnanz von Rv- deck, vortreten vor dem durch­lauchtigsten Herrn Lieutenant Fürsten Adelsberg!"

Die Thür öffnete sich, und trotz der einbrechenden Däm­merung erkannte der Fürst doch das durchfurchte Gesicht und das eisgraue Haar des Ein­tretenden. Er fuhr auf.

Alle guten Geister - der Peter Stadinger!"

Es war wirklich der leib­haftige Stadinger, der vor seinem jungen Herrn stand, und er mußte wohl auch den anderen Offizieren nicht ganz fremd sein, obgleich sie ihn zum ersten Male sahen, denn feilt Erscheinen wurde mit all­gemeinem Jubel begrüßt.

Nun wollen wir aber vor

allen Dingen Licht machen, um den alten .Waldge-ist' Seiner Durch­laucht ordentlich anznschauen!" rief Walldorf, indem er zwei Kerzell anzündete und sie mit komischer Feierlichkeit dicht vor dem Alten aufstellte. Egon lachte.

Du siehst, Stadinger, welch eine vielgenannte und vielbe­sprochene Persönlichkeit Du hier bist. Nun laß Dich auch in aller Form vorstellen: hier, meine Herren, Peter Stadinger, bekannt durch seine unerreichte Grobheit und seine erschütternden Moral- Predigten. Er meint wahrscheinlich, daß ich ohne beides überhaupt nicht bestehen kann, und will mir auch hier im Felde die Be­friedigung dieser freundlichen Gewohnheit verschaffen. Hoffentlich füllt auch für Sie einiges ab, meine Herren, nun lege los, Stadinger!"

Aber der Alte, anstatt dem Befehle uachzukommen, umschloß mit beiden Händen die Rechte seines jungen Herrn und sagte in herzerschütterndem Tone:Ach, Durchlaucht, wie haben wir uns in Rvdeck um Sie geäugstigt!"

Nun, das war vorläufig noch ganz höflich," meinte Eugen Stahlberg; der Fürst aber nahm eine strafende Miene au.

So? Und deshalb hast Du Dich wohl schleunigst auf die Beine gemacht und läßt in Rodeck alles drunter und drüber gehen? Ich hätte Dir eine solche Pftichtvergessenheit gar nicht zugetraut!"

Stadinger sah ihn ganz verblüfft an.

XXXVIII. Nr. 24.

Wiktor Weßler.

Aber ich kam ja auf Befehl, Durchlaucht haben mir ja ge schrieben, ich sollte mich aufmachen und den Lois aus dem Lazareth abholen, Sie wollten für die Reise und alles sorgen. Heute mittag bin ich angekommen und habe den Buben auch soweit ganz munter gefunden; in acht Tagen, meint der Doktor, könnte ich ihn mitnehmen, und dann hätte es keine Noth mehr mit der Heilung. Aber was Durchlaucht an dem Lois und an den anderen Rodeckern gethan haben, die mit im Felde stehen, das ist gar nicht zu sagen vergelt's Gott tausendmal!"

Egon zog ärgerlich seine Hand zurück.

Herr Lieutenant, heißt es jetzt, merke Dir das, ich bitte mir meinen militärischeil Titel aus. Und was soll das über­haupt heißen, daß Du jetzt, wo ich eigens auf Deine Grobheit

rechne, sanftmüthig bist wie ein Lamm und uns eine Rührnngs- scene vorspielst? Das verbitte ich mir! Der Lois, meine Herren, ist nämlich der Enkel dieses alten Waldgeistes, ein braver, ansehnlicher Bursche; aber er hat eine Schwester, die noch viel ansehnlicher ist. Leider schickt dieser unvernünf­tige Großvater sie regelmäßig fort, wenn ich in Rodeck bin. Warum ist die Zenz nicht mit­gekommen? Du hättest auch daran denken können, sie mit­zubringen. "

Das half endlich gegen die ebenso ungewöhnliche als be­ängstigende Sanftmuth Sta- diugers und gegen seine Rüh­rung. Er richtete sich stramm auf und versetzte mit seiner alten Derbheit:

Ich glaubte, Durchlaucht hätten hier im Kriege keine Zeit mehr, sich mit solchen Dummheiten abzugeben."

Aha, jetzt kommt es!" sagte der Fürst leise zu Walldorf, der neben ihm stand, -laut aber fuhr er fort:

Da irrst Dil Dich sehr, man verwildert vollständig in dem Kriegsleben, und wenn ich wieder nach Haus komme" Dann haben Durchlaucht ja versprochen, endlich zu hei­rathen!" erinnerte der Alte im nachdrücklichsten Tone und rief damit ein lautes Gelächter der jungen Offiziere hervor. Auch Egon stimmte ein, aber seill Lachen klang etwas gezwungen, ebenso wie seine Antwort.

Ja, ja, versprochen habe ich es allerdings; aber ich habe mir die Sache inzwischen anders überlegt. In zehn Jahreil werde ich Dir Wort halten, oder vielleicht auch in zwanzig, aber eher nicht."

Darüber gerieth Stadinger, der trotz des Befehls um keinen Preis der Welt den Titel Lieutenant gebraucht hätte, weil das in feinen Augen eine Herabsetzung der Fürstlichkeit war, begreiflicher­weise in Helle Entrüstung und ließ seinem Grolle freien Lauf.

Habe ich es mir doch beinahe gedacht! Wenn Durchlaucht wirklich einmal einen vernünftigen Gedanken haben, daun hält das nicht vierundzwanzig Stunden vor, und dero hochseliger Herr Vater haben doch auch geheirathet, und heirathen muß der Mensch überhaupt, und beim Heiratheu hören die Dummheiten voll selbst auf

So, jetzt ist er im Zuge, nun lassen Sie sich etwas vor- predigeu, meine Herren," sagte Egon, und die jungen Offiziere, denen das ein köstlicher Spaß war, stachelten denn auch wirklich den armen Stadinger so lange, bis er allen Respekt verlor und sich im vollen Glorienschein seiner Grobheit zeigte.

(Fortsetzung folgt.)