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Leipziger SommergarLenteöen zu Großvaters Zeiten. (Zu dem
Bilde S. 545.) Leipzig vor siebzig Jahren mit etwa 40000 Einwohnern und das heutige Leipzig mit einer Bevölkerung von mehr als dreimalhundert- tausend Menschen — welche Gegensätze! Und doch war das damalige Leipzig nicht minder berühmt als das heutige. Seine Lage und seine geschichtliche Bedeutung, sein Handel und seine Universität, seine seingebildeten, aber thatkräftigen Bürger und seine schönen Frauen hatten ihm einen Ruf verliehen, der weit über Deutschlands Grenzen hinausging. Als eine besondere Zierde dieses alten Leipzigs aber galten die vielen schönen Gärten, die ihm mit Recht den Namen einer Gartenstadt eintrugen und auf welche die reichen Handelsherren mit hoher Befriedigung blickten. Einer derselben, der Bosesche (später Reimersche) Garten — die jetzige Königsstraße ist darauf erwachsen — begeisterte sogar einen Dichter zu den Versen:
„Mein Liebchen ist wie Bosens Garten,
Ein auserlesenes Blumenfeld,
Das hier und da viel tausend Arten Vollkommne-r Schönheit in sich hält,
Ein Auszug vieler Seltenheiten,
Ein Meisterstück von Artigkeiten —"
Das Kriegsjahr 1813 hatte nur vorübergehend die Pracht dieser Gärten schädigen können. Reichenbachs (später Gerhards) Garten, Löhrs (später Keils) Garten, Breiters Wintergarten re. gewannen wieder europäische Berühmtheit. Manche dieser Privatgärten waren im Laufe der Zeit in öffentliche Gärten umgewandelt worden, in deren Wirtschaften sich die Leipziger nach Herzenslust vergnügten.
Wie es in einem solchen Garten vor etwa siebzig Jahren aussah, das zeigt uns deutlich unser Bild. Schattige Lauben, in denen kleine Gesellschaften, ungestört von den übrigen, traulich beieinander sitzen konnten, waren in Menge vorhanden, so im „Großen Kuchengarten", den einst Goethe besungen hatte, auf der „Funkenburg", wo früher das Fischerstechen abgehalten wurde und auf deren vorderer Wiese sich 1823 der berühmte Seiltänzer Kolter zuerst sehen ließ.
Dort trank man auch die berühmte Gose. Sonst begnügte man sich mit Weißbier und dunkeln: einfachen Bier, den: sogenannten „Raster"; aber Ende der zwanziger Jahre wurden bereits die ersten Lagerbiere, namentlich Lützschenaer, verschenkt, und bald nachher gab es sogar „Bayerisches Bier", das aus Nürnberg eingeführt wurde. Kinder und Frauen liebten das einfache Bier mit „Musik", d. b. mit geriebenem Brot und Zucker. Der Handwerkerstand erlustigte sich im „Posthörnchen" und in der „Alten Burg", die gewöhnlich die „Blaue Mütze" genannt wurde, weil der Wirth stets eine blaue Mütze trug und eine solche auch am Eingänge seines Anwesens aufhing, zum Zeichen, daß an den: betreffenden Tage Konzert stattfinde.
Nicht selten verkehrten auch Studenten dort und dann gab es öfters eine regelrechte Prügelei. In Schiegnitzens (später Kupfers) Kaffeegarten, sowie in Rudolphs Garten verkehrte gewählteres Publikum. Hier ließen auch öfters Prager Musikanten ihre heiteren Weisen erklingen. Vornehmere Konzerte fanden im „Kuchengarten" und Donnerstags im „Hotel de Prüfte" statt.
Das Rosenthal, das früher vom feineren Publikum weniger besucht wurde, kam auch mehr und mehr in Aufnahme. Gleich am Eingänge, wo sich jetzt das Restaurant Bonorand befindet, war eine Bude, in der man im Sommer schon früh um 4 Uhr Thee, Kaffee, Chokolade, Gefrorenes re. bekommen konnte. Die Wirthin der „Eisbude" hieß im Volksmunde die „Kalte Madam", bei ihr versammelte sich die feine Welt. Im Frühjahre 1824 erhielt sie einen Nebenbuhler in den: Schweizerbäcker Kintschy, den: der Rath erlaubte, eine zweite Eisbude, das „Schweizerhüttchen" während des Sommers einzurichten. Ein Jahrzehnt später begann man das Rosenthal allmählich zu dem schönen Parke umzugestalten, der heute der Stolz aller Leipziger ist. —
' Die großen Leipziger Gärten haben der Neuzeit zum Opfer fallen müssen. Prachtvolle Spazierwege zieren aber jetzt die Stadt, und außer dem Rosenthale hat man die schönen Laubwälder von Leipzigs Umgegend in reizende Parkanlagen verwandelt, dem gegenwärtigen Geschlecht zu Nutz und Frommen. Mag immerhin das Alte stürzen, wenn Besseres an seine Stelle tritt! Sttz.
Inhalt: Ein Mann. Roman von Hermann Heiberg (5. Fortsetzung). S. 533. S. 536. Mit Bildnissen S. 538 und 540. — Zur Galerie. Bild. S. 537. — Meyringe Madonna im Rosenhag. Roman von Reinhold Ortmann (Fortsetzung). S. 543. — Leipzig Luftschiffahrt. Von vr. H. I. Klein. S. 546. — Blätter und Blüthen: Heinrich Kruses (Zu dem Bilde S. 545.) — Ein Denkmal Victor Hugos. S. 548. — Zur Galerie. S. 548
Gin Denkmal Mctor Kttgos. Die deutsche Pietät ist am thätigsten, wenn es gilt, die Todten zu ehren. In Frankreich ist das Gegentheil der Fall. Kein Dichter ist bei Lebzeiten so gefeiert worden wie Victor Hugo; dem „größten aller Menschen" wollte man ein Denkmal errichten, das seiner seltenen Größe würdig sein sollte. Bald nach seiner mehr als fürst- lichen'Leichenfeier begann man eine Sammlung für dies Monument und es kamen auch bald 100000 Franken ein; doch dann gerieth die Sammlung ins Stocken. Von böser Bedeutung für sie war es, daß eine Victor Hugo-Ausstellung im Hause des verstorbenen Dichters während der großen Weltausstellung trotz der wohlfeilsten Eintrittspreise Bankerott machte. Die Summe für das Denkmal wurde um 10000 Franken vermehrt durch den Ertrag der nach dem Tode verkauften Werke des Dichters. Doch das reicht noch lange nicht für ein würdiges Denkmal, dessen Sockel mit bronzenen Sinnbildern geschmückt werden soll. Der billigste Kostenanschlag beläuft sich auf 200000 Franken und noch ist keine Aussicht, daß diese Summe zusammenkommt. Das bewegliche Volk der Franzosen scheint sehr vergeßlich zu sein! ft
Zur Galerie. (Zu dem Bilde S. 537.) Ja, so ein Sonntagsvergnügen will verdient sein! Nicht bloß das nöthige Kleingeld dazu, nein, auch das Vergnügen selbst verlangt manchen Schweißtropfen, und vollends der zärtliche Vater, der seinen Kindern auch ihren Antheil an der geselligen Erholung gönnen will, muß sich mit einem ausgiebigen Borrath von Selbstlosigkeit und Opfermuth wappnen.
Da steigen sie die schöne breite Treppe zum Festsaal herauf, der wackere Schlächtermeister und seine bessere Hälfte, und damills d.aheim nicht ohne mütterliche Aufsicht bleibe, haben sie auch das dreijährige Töchterchen gleich in das Konzert mitgenommen. Freilich, es ging ein bißchen langsam, als die kleinen Kinderfüßchen eine der schönen breiten Granitstufen um die andere erklettern sollten, und es waren der Stufen so viele! „Heinrich, trag sie!" lautet darum die kurze Entscheidung der stattlichen Gattin, die sich natürlich in ihrem schönen Sonntagsgewand mit derlei „staatsgefährlichen" Unternehmung eil nicht befassen kann.
Und der getreue Heinrich, der an seinem eigenen Gewicht gerade genug zu tragen hätte, fügt sich vielleicht mit innerem, jedenfalls aber ohne äußeres Widerstreben in das Unabänderliche und nimmt den kleinen Familienstolz kurzweg unter den Arm, ohne auf dessen Erziehung zu körperlicher Anmuth in Haltung und Bewegung allzuviel Rücksicht zu nehmen. Im Augenblick hat unter seiner tropfenden Stirn nur ein Ge danke Raum: „Ach, wenn wir nur erst oben wären!" Und doch ist sein Martersteig noch nicht so bald zu Ende — denn von der Ebene des großen Saales gehlls erst noch einmal recht steil hinaus zu den bescheideneren Höhen der Galerie. Armer Heinrich! —
Meiner Briefkasten.
A. S. am kleinen Flüßchen in Schlesien. Die „Gartenlaube" warnt doch oft genug v or^E^^ie h e^rmi^teln^. ^n^ sind^n^
man heute ^noch ^,Sprütze" schreiben will^ ^ ^ 3 6 8" ') 's,
Fr. D. in Magdeburg. Ohne Zweifel. Nur werden Sie in diesem Falle darauf gefaßt sein sse^,^^ geMsseir^ e^e m^Si^ ^t ans^e^
Worll deuten, die vielleicht gar nicht gesprochen worden sind? ^ ^
G. N. in T.. Provinz Hannover. Geehrter Freund und Leser! Wir bitten Sie inständig in Ihrem und unserem Interesse, schicken Sie uns keine Gedichte mehr! Sie sind
i rmt?die AaÄsAmchU^^VmrVarl B^rm ^S^4N^M^
"b(Zu^dÄ^Bilde'S^537.) —^Meiner Bri^tasten.^^ Großvaters Zellen. S. 548.
Professor Lock's Kleine Gesundheitslehre. Cm Volksbuch in neuer Bearbeitung.
In dem Unterzeichneten Verlage ist erschienen und durch die meisten Buchhandlungen zu beziehen:
Kleine Gesundßeitsleßre.
Zum Aennenlernen, Gesunderhallen und Gesundmachen des INenschen.
Von Professor Dl. Karl Ernst Mock. Siebente Auflage, bearbeitet von vi'° MltX non Zimmermann.
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Verlags-Handlung von Wrusi Reil s Nachfolger in Neipzjg.
Herausgegeben unter verantwortlicher Redaktion von Adolf Krön er. Verlag von Ernst Keil's Nachfolger in Leipzig. Druck von A. Wiede in Leipzig.