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„Was ist Frau Susannen?" fragte Tromholt hastig; noch sträubte sich sein Herz, an das Schreckliche zu glauben, daß seine Ahnung sich bestätigen sollte.
„Susanne," erwiderte Dina stockend — „sie ist nicht mehr hier — ist im Zorn fortgegangen, da Sie kamen. Ich muß Ihnen einen großen Schmerz anthun, Herr Tromholt, einen Schmerz, den ich mit ganzer Seele theile, um so mehr, als ich es bin, die ihn verschuldet hat. Gott weiß, daß ich nur das Beste gewollt habe! ' Susanne hat durch einen Zufall von Jngeborgs letztem Brief Kenntniß bekommen, sie weiß, was ich der Freundin über sie geschrieben, weiß, daß die betreffenden Briefe durch Jngeborgs Vermächtnis in Ihren Händen sind. Und darüber ist sie außer
nehmen, so deutlich aus Ihren Worten, Ihren Thränen spricht! Auch gegen Ihre Frau Schwester hege ich keinen Groll, so sehr ich das Mißverständnis; beklage, dessen Opfer sie ist. Denn nicht in der Absicht, die sie vvraussetzt, bin ich hierher gekommen. Mag, was Sie Jngeborg Elbe geschrieben haben, auf einer Täuschung beruhen oder nicht, es war gut gemeint, ich danke Ihnen dafür und der Entschlafenen, die mir damit noch in der Todesstunde etwas Gutes thun wollte. Aber nimmermehr hätte mich das veranlaßt, heute um die Hand Ihrer Frau Schwester zu werben, geschweige denn ihr die meinige in dem Sinne anzubieten, den ihr gekränkter Stolz mir zntraut. Die Gründe, die mich davon abhielten, liegen in meiner Gesundheit. Die Besorgnis; um sie
Are Karcksörücke in Arag nach dem Ginsturz am 4. September 18!)0.
Nach einer Momentaufnahme.
sich, sie hält sich für verrathen, betrogen, vor Ihnen gedemüthigt. Ihr gekränkter Stolz hat jedes bessere Gefühl in ihr erstickt, jedes vernünftige Urtheil getrübt. Sie glaubt nicht an Ihre Liebe, meint, Sie wollten sie ihr jetzt nur aus Mitleid wie ein Almosen darbieten. Sie verlangt, daß ich meine Mitteilungen an Jngeborg widerrufe, sie für eine Lüge erkläre. Und doch weiß ich, daß sie wahr sind, auch wenn sie selbst es nicht zugeben will. Ihr Stolz ist eben stärker als alles andere und — ich fürchte — er wird es bleiben, bis es zu spät ist, bis wie schon einmal die Reue nachkommt. O, verzeihen Sie mir das Weh, das ich Ihnen zugefügt habe, und vergeben Sie, wenn Sie können, auch meiner Schwester, die sich selbst am tiefsten unglücklich macht."
Bei diesen Worten flössen Thränen über Dinas Gesicht. Tromholt aber, so groß auch sein Schmerz war, beherrschte sich gewaltsam, um den ihrigen nicht zu verschärfen, und mit ruhiger, nur von einem leisen Hauch der Trauer durchzitterter Stimme erwiderte er: „Wie könnte ich Ihnen zürnen, Fräulein Dina, da doch die Theilnahme, die Sie an meinem Schicksal XXXVIII. Nr. 39.
! hat mich nach Kiel geführt; ich habe den Professor Volkers ! wegen meines Augenleidens zu Rathe gezogen, und da die Kur, ^ die er mir vorschlägt, mich voraussichtlich auf eine längere noch ' nicht bestimmbare Zeit von jedem Verkehr mit den Menschen ^ ansschließen wird, so wollte ich nicht an diesem Hans vorübergehen, ohne Sie, Ihre Frau Mama und — ja ich gestehe es, vor allem auch Frau Susanne noch einmal zu sehen."
„Um Gotteswillen, Herr Tromholt, Ihr Auge?" rief Dina, ^ völlig niedergeschmettert über diese Nachricht, die ihr Graf Snarre ! bisher schonend verschwiegen hatte.
! „Beruhigen Sie sich!" besänftigte Tromholt. „Ja, es ^ handelt sich um mein Auge, und ich selbst bin schuld, daß sich sein Zustand durch die Anstrengung, die ich ihm zumuthete, - in einer Weise verschlimmert hat, die vielleicht einen operativen . Eingriff nothwendig macht. Ich sage „vielleicht", denn alles Weitere ! hängt vorerst noch von dem Ermessen des Arztes ab. Und nun i leben Sie wohl, empfehlen Sie mich Ihrer Frau Mama und ^ berichten Sie ihr, wie sehr ich es bedauere, sie nicht angetroffen ^ zu haben! Grüßen Sie auch Frau Susanne und sagen Sie ihr,
8 :)