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Idains Cntsüknung.
(3. Fortsetzung.)
Roman von Luise westkirch.
anfredrik und Brün waren einen Tag später von Bremen zurückgekommen als Menne Ehlers, dafür aber in ihrem eigenen Schiff. Nachdem sie ihre Sache dem Notar anvertraut hatten, bestand Janfredrik darauf, daß sie das Boot des Fischerhuders in Augenschein nahmen. Er setzte Brün auseinander, warum es vorteilhafter sei, das Boot zu kaufen als es zur Bedingung bei der Aussteuer zu machen. Einmal würde man ein gebrauchtes viel billiger bezahlen, als Ehlers seiner Schwester ein neues anrechnen konnte, und dann hatten sie es auch gleich zum Herbst. Für die Anzahlung würde der Erlös ihrer diesjährigen Torfernte genügen.
Brün, der sich niemals Janfredriks Willen widersetzte, hörte heute kaum zu. Eine sonnig träumerische Stimmung lag über seinem Wesen. Er lächelte schweigsam in sich hinein und hatte nur den einen Wunsch, sobald wie möglich nach Schmalenbeek zurückzukommen. Die Auseinandersetzung mit dem Notar, der Handel wegen des Schiffes, der Schwatz mit anderen Moorleuten in dem gemütlichen Wirtszimmer von Peter Petersen am Torfhafen, alles ging ihm zu langsam.
Aber als er auf eigenem Boot den Kanal hinunterglitt, kam doch der Vesitzerstolz über ihn. Er entdeckte immer neue, gute Eigenschaften an der „Luise", freute sich über die Festigkeit ihres Kiels, die Leichtigkeit, mit der sie dem Ruder gehorchte, über ihre Flinkheit beim Segeln. Es war die Art seiner sinnigen Natur, allen Dingen, mit denen er umging, dem Pflug, der Egge, dem Haus, der Herdflamme, eine Persönlichkeit zu leihen, einen Charakter, zu dem man sich stellen mußte. Zu diesem Torfkahn stellte er sich besonders gut. Und kaum lag er an seiner Ankerstelle, als Brün auch schon den Teereimer holte, die mattgewordenen Stellen des Rumpfes schwärzte, die Koje vorn am Schiffsraum, den sargähnlichen Verschlag, in dem die Schiffer schlafen, sorgfältig ausscheuerte und, ehe er sich nur das Abendbrot gönnte, ein paar Arme voll Stroh auf dem schadhaften Schuppendach befestigte, damit das Schiff vor etwaigen Regenschauern geschützt sei.
Er setzte dann Janfredrik in Erstaunen, indem er nach dem Abendbrot noch einmal hinausging in die mond- und sternlose Nacht.
Er kam spät, aber mit leuchtenden Augen und federndem Gang zurück.
Janfredrik hatte unterdessen wieder die Bibel aufgeschlagen und las von den Frauen. Er las aber diesmal nicht die Sprüche Salomonis, sondern das Hohe Lied, das auf Alheid
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nicht so gut paßte wie auf eine andere. Er seufzte tief beim Lesen, hatte die Ellbogen aufgestützt und den Kopf in den Händen.
„Was hast denn?" fragte Brün, der das Grübeln auf seinem Gesicht las.
„Ik segg, Brün, dat is nich licht to verstahn," sagte Janfredrik und meinte die Empfindungen seines Herzens.
Und Brün antwortete sorglos: „Ja, mit Büchers is mich das auch immers swer geworden. Aber was das Leben is, das versteht ein ganz von selbst."
„Dat's noch swarer," widersprach Janfredrik.
„Warum gehen wir gar nich mal mehr nach Ehlers?" fragte Brün. „Das würd' dir auf frohere Gedankens bringen, Janfredrik."
„Nee," sagte Janfredrik und schlug die Bibel zu, „nee, ik kann dr nu nich Heng ahn. Wat een schüllig is, dat mutt he ook betahlen, immers, an jedereen. Und bi Ehlers is een, de het wat vun mi to söddern, un ik kann un kann dat nu nich betahlen."
Brüns fröhliches Gesicht verdüsterte sich.
„Janfredrik, was is das einmal mit dich un Alheid?"
„Laat sien, Jong'," wehrte Janfredrik. „Dat ward woll weder in die Reege kamen."
Brün ging zum Pferdestand, kraute den Braunen, kehrte zurück, sah Janfredrik an, der noch immer in düsteren: Grübeln vor sich hinstarrte. In einem plötzlichen Impuls trat er zu ihm. Seine Lippen regten sich, ein Geständnis brannte darauf.
Aber Janfredrik hob den Kops, und als Brün in seine Augen sah,- die von Zweifeln und inneren Kämpfen glühten, versagte ihm das Wort. Es war, als ob jemand ihn gewaltsam zurückzupfte. Er stand eine Sekunde ganz still in einem großen Schrecken, einer lähmenden Ahnung. Dicht an seinem Verständnis strich die Wahrheit vorüber. Er wies sie von sich. Nein, das konnte nicht sein. Dazu war der andere zu vernünftig, zu ehrbar — auch zu alt. Keine plötzliche Leidenschaft, nur übergroße Gewissenhaftigkeit war's, die ihn zweifeln ließ, ob sein Herz der Braut geben könne, was ihr gebühre, nur Scheu war's vor der Veränderung, die die Ehe mit sich brachte. Brün beruhigte sich. Sein Geständnis blieb ungesprochen. —
Und Janfredrik fuhr fort, das Ehlerssche Haus zu meiden. Er und Brün karrten auf Holzschienen den getrockneten Torf vom Sommer ii: harten: Tagewerk zu ihren: neuen Schiff und
1906. Nr. 25.
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