Heft 
(1906) 37
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Vom großen Fürstenschießen in Zwickau i. S.

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glänzendsten und lustigsten Tage der Zwickauer Stadtgeschichle fand am 22. August d. I. aus dem Gelände der Zwickauer Gewerbe- und Industrieausstellung eine geschichtlich treue Nachahmung des großen Freischießens von 1573 statt. Ein imposanter Festzug, vor: dessen 32 Gruppen unser Bild eine wiedergibt, leitete die^ Festlichkeiten ein. Es gab ein buntbewegtes Bild von den farbenprächtigen Moden jener Zeit und bot in seinen drei Abteilungen eine reiche Fülle belebter Szenen. Jede Einzelheit war w treu der Vergangenheit abgelauscht, daß die Menge der Schaulustigen wohl denken konnte, sie träumte ein lustiges, 333 Jahre altes Märchen. Auch das fröhliche Tanzen am Abend fand statt, ebenso wie der üppige Schmaus der festsrohen Bürgerschaft. Ob es aber auch diesmal14 Gerichte" gab, wie dazumal, und ob es auch diesmal am Schluß stimmte,daß mancher da sein Hanptbeschwert", das können wir nicht verraten, möchlerrs aber wohl annehmen, denn die Trink- lnstder Deutschen bei wlchen Ge­legenheiten ist gleich geblieben, wenn auch die Schützenfeste nicht mehr ihre alte, große Bedeutung haben. Bis zum 30jährigen Krieg bildeten diese Freischießen, die seit der Erfindung desSchießpulvers an Stelle der ritterlichen Tur­niere getreten waren und das selbstbewußte Bürgertum in seiner großartigen Gastfreundschaft, seinem selbstge­fälligen Behagen

und seiner frischen Kraft so recht zeigten, das wichtigste Mittel zur Pflege deutscher Gesinnung.

Joseph Maut- der älteste aktive Feuerwehrmann Deutschlands, wurde am 7. September in Breslau dem Kaiser vorgestellt. Er ist am 31. März 1820 in Warmbrunn geboren, seines Zeichens Schuhmacher­meister, seit über einem Jahrzehnt Hilfsbriesträger und dient in der Feuerwehr vom Jahre l874 an. 1904 erhielt Joseph Paul das Allgemeine Ehrenzeichen. Der rüstige Greis, der vor zwei Jahren wohlauf mit seiner Gattin Amalie, geb. Bayer die Goldene Hochzeit feierte, besitzt drei Töchter, zwölf Enkel und acht Urenkel und ist wohl die populärste Persönlichkeit des bekannten schlesischen Badeortes Warmbrunn. Er erzählt gern, daß er in auch nur eine Stunde lang krank gewesen, und man glaubt es ihm wohl, wenn man sieht, wie stramm der Alte noch auf den Beinen steht, wie hell die Augen unter dem Feuerwehrhelm Hervorschauen. Möge er noch lange so bleiben!

Wie alt wird die Insel KelgolandT

Immer wieder allarmieren Nachrichten über die Zerstörungen an der Düne von Helgoland die Bevölkerung; demgegenüber hat ein Sach­verständiger, der über jahrzehntelange Be­obachtungen verfügt, festgeskellt, daß z. B. der gesamte Verlust, den die Düne durch die Stürme des letzten Winters erlitten hat, sich insgesamt auf 4000 Kubikmeter beläuft. Die Düne nimmt am Südende sehr viel mehr zu, als sie am Nordende hergeben muß, und das Südende ist jetzt einen Kilometer lang. Je nach Windrichtung und Strömungen wird es hin und her bewegt, im allgemeinen wächst es aber stetig in der Richtung nach Südosten.

Und was die Lebensfähigkeit, die voraussicht­liche Lebensdauer der Insel anbelangt, so kann sie nach diesen Beobachtungen wohl gut aus etwa 2000 Jahre angegeben werden.

Zerstörung der Stolyprnschen Milka zu St. Meter'söurg. Unser untenstehendes Bild zeigt den Schauplatz eines schrecklichen Bombenattentats, die von Grund aus zer­störte Villa des russischen Ministerpräsidenten Peter Stolypin aus der Apothekerinsel. Es war am 25. August d. Js. gelegentlich eines offiziellen Empfangstages bei Stolypin, der ungefähr 50 Personen im Landhause des Ministers versammelt hatte, als vier Unbekannte, die in gut bespanntem Miets­wagen vorgefahren waren, sich Eingang zu verschaffen wußten und bis zur Pförtnerstube vordrangen. Durch einen Zufall explodierte das mitgebrachte Geschoß schon hier, doch war die Wirkung immerhin noch ,o entsetzlich, daß über zwanzig Leute sofort getötet, eine etwa eben­solche Anzahl verwundet wurden und das Haus selbst in eine Ruine verwandelt ward. Der Minister und seine Gattin blieben wunder­barerweise un­verletzt, dagegen wurden die Kin­der Stolypins, die sich im obe­ren Stockwert be­fanden, furchtbar verwundet. Von den Urhebern des fluchwürdi­gen Verbrechens sind drei getötet, der vierte wurde, schwerverwundet, in Hast genom­men. Bei den Haussuchungen, die infolge des Attentats mallen Stadtteilen Pe­tersburgs vorge­nommen wurden, soll eine weit ver­zweigte politische Verschwörung entdeckt worden sein, die Atten­täter selbst wa­ren junge Leute, augenscheinlich Mitglieder der terroristischen Partei, die immer Weiler ihren bluti­gen Weg verfolgt.

Die durch ein Bombenattentat zerstörte Villa Stolypins zu St. Petersburg.

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seinem langen Leben nie

Joses Paul,

der älteste akt. Feuerwehr­mann Deutschlands.

Druck und Verlag Ernst Kerl's Nachfolger G. m. b.H. in Leipzig. Verantwortlicher Redakteur: vr. Hermann Tischler; für den Anzeigenteil verantwortlich: Franz Boerner. beide in Berlin. In Österreich-Ungarn für Herausgabe und Redaktion verantwortlich: B. Wirth in Wien.

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