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N. Raschkow jr., Breslau, Phot.
Prof. Dr. Hermann Cohn -j-
denn sein Versteck im geheimen Gewölbe wird bei den vielen Wechselfällen des Siebenjährigen Krieges, die Friedrichs Truppenmach 1 bald auf entfernte Schlachtfelder führte, kaum gestört worden fein. Der Hubertnsburger Friedensfchluß dürfte ihn, nebst allen andern Schätzen, zur Freude seines Besitzers dem Tageslicht wiedergegeben haben.
Professor Dr. Kermamr Colin. (Zu dem nebenstehenden Bildnis.) Der Tod des hervorragenden Augenarztes und Professors der Augenheilkunde an der Breslauer Universität Geheimen Medizinalrates Dr. Hermann Cohn, der am 11. September einem Herzleiden erlag, hat in der Wissenschaft eine riefe Lücke gerissen; galt das unermüdliche und
segensvolle Wirken des Gelehrten doch dem kostbarsten Sinn des Menschen, dem Gesicht. Cohn war 1838 in Breslau geboren. Zunächst widmete er sich dem Studium der Naturwissenschaften, erwarb sich 1860 den philosophischen Doktorgrad, wandte sich dann der Medizin zu und promovierte auch in dieser Wissen?chaft 1863 zum Doktor. Von 1866 ab wirkte er anfangs als Augenarzt, seit 1874 als außerordentlicher Universitätsprofessor in seiner Vaterstadt. In Wort und Tat hat Cohn mit besonderer Eindringlichkeit und großem Erfolg auf dem Gebiet der augenärztlichen Schulhygiene gewirkt, zahlreiche Orden und Auszeichnungen bewiesen die Wertschätzung, deren er sich weit über die Grenzen seines Vaterlandes erfreute. Eine ausführliche Würdigung des ausgezeichneten Mannes, der unserm Leserkreis als treuer Mitarbeiter so oft begegnet ist, werden unsere Leser in einer der nächsten Nummern der „Gartenlaube" finden.
Treibende Eisberge. (Zu der Abbildung auf der vorhergehenden Seite.) Ein prachtvolles Schauspiel bietet sich dem Befahrer der nördlichen Meere, wenn das Schiff an einer Schar schwimmender Eisberge vorbeizieht. Wunderbare Werke des Eises sind dann zu schauen. Bald sind die weißschimmernden Kolosse einfach wie Tafelberge gestaltet, bald aber haben die warmen Sonnenstrahlen an ihnen herumgemeißelt und seltsame phantastische Gebilde geschaffen.
Wechselnd ist die Größe der Eisberge; viele ragen um 20 bis 30 Meter über den Wasserspiegel empor, andere erheben sich bis zu einer Höye von 30 bis 00 Metern, und mitunter hat man in Polarmeeren bis 100 Meter hohe Eisberge gesehen.
Und doch ist das, was über dem Wasser ist, nur der achte bis neunte Teil der Gesamtmasse dieser Gebilde, so daß ein Eisberg, der über 100 Meter über den Wasserspiegel emporragt, noch gegen 900 Meter m die Tiefe reicht.
Jahraus, jahrein vollzieht sich dieser Eistransport von den Polen nach den wärmeren Gegenden. Unsere Abbildung zeigt uns schwimmende Eisberge in den Gewässern von Alaska. Am großartigsten bilden sie sich aber im nördlichen Eismeer an den Küsten Grönlands, des „vereisten Kontinents". Noch gewaltiger tritt Denkmal für Adalbert Stifter
diese Naturerscheinung im süd- Entworfen von
lichen Eismeer auf. Die riesigen aus Eis
geformten Tafelberge, die dort in Scharen umherschwimmen, sind schon ein Beweis dafür, daß um den Südpol große Landmassen liegen müssen; denn nur wo von Bergen gewaltige Gletscher ins Meer münden, wo Länder unter einer mehrere hundert Meter hohen Eiskappe begraben lieget:, können solche Eisberge geboren werden.
Vorderseite.
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Eine Mronzemedarlle zur Erinnerung an die 78.Wersammkung deutscher Naturforscher und Arzte- die vom 16. bis 22. September in Stuttgart tagt, ist geprägt worden. Sie zeigt auf der Vorderseite, von einem geperlten Rand und dem bekannten Wort des griechischen Philosophen Demokrit: „Der Mensch eine kleine Welt" in X ' X- X griechischen Lettern umgeben, den Kopf der Athene, dem berühmten Kopf von Bologna nachgebildet, der von Kunstkennern besonders hochgeschätzt wird. Dieser herrliche Kopf, der die Göttin mit unbedecktem Haar, geschmückt mit der festlichen Binde, nicht als die kriegerische Athene, sondern als Ideal unberührter Jungfräulichkeit darstellt, wird, nach der Beweisführung von Furtwängler-Mün- chen, als aus den Typus der einst hochgepriesenen lemnstchen Athene zurückgehend angesehen, die Phidias im Auftrag der im
5. Jahrhundert nach der Insel Lemnos auswandernden athenischen Kolonisten für die Alropolis geschaffen hatte. Die die Rückseite der Medaille schmückende Stele, in Form zweier von einem dreieckigen Giebelfeld überdachten Pfeiler, ist in ihren herrlichen Proportionen den berühmten antiken Grabdenkmälern dieses Stils nachgebildet.
Sie umrahmt die Verse des „Epirrhema" von Goethe: „Müsset im Naturbetrachten Immer Eins wie Alles achten. Nichts ist drinnen, nichts ist draußen: Denn was
innen, das ist außen. So ergreifet ohne Säumnis Heilig öffentlich Geheimnis." Um den Rand der Rückseite aber läuftdieJnschrift: ^.Versammlung deutscher Natur- forscher und Ärzte in Rückseite.
Stuttgart 1906. Die Idee Medaille zur 78. Versammlung zu der ebenso vornehmen deutscher Naturforscher nne schönen Ausstattung der Medaille ging von dem Stuttgarter Archäologen
Dr. P. Gößler aus, der sie auf Anregung des Stuttgarter Numismatischen Vereins auch entworfen hat, während ihre Ausführung in den Händen der auf
dem Gebiet der Medaillenkunst rühmlichst bekannten Medailleure Mayer und Wilhelm lag.
Ein Denkmal' für Adalbert Stifter in Oberplan an der Moldau. (Zu nebenstehender Ab
bildung.) Adalbert Stifter, dem Verfasser der einst so hochgeschätzten Novellen
sammlung: „Studien", dem Dichter der Natur, dessen herrliche Wald- und Landschaftsschilderungen von Kennern heute noch mit großem Genuß gelesen werden, ist in seinem Geburtsort, dem
malerisch am Oberlauf der Moldau gelegenen Flecken Oberplan, zum Gedächtnis seines hundertsten Geburtstages ein Denkmal errichtet worden. Der deutsch-böhmische Bildhauer K. Wilfert d. I. in Eger ist der Schöpfer des in seiner Schlichtheit außerordentlich ansprechenden Monuments, dessen schönen Aufbau unsere Abbildung deutlich erkennen läßt. Auf einem in Oberplan a. d. Moldau. Sockel, zu dem eine Stusen-
K. Wilfert d. I. terrasse empor führt, steht
die Bronzegestalt des Dichters, der als Vierziger und in der Tracht jener Zeit dargestellt ist. In un-
in Stuttgart. Entworfen von I)r. P. Götzl er.
gezwungener Haltung lehnt er aufrecht, ein Buch lässig in der Hand, am Sockel, das Auge sinnend abwärts gerichtet. Die einfache Inschrift: „Adalbert Stifter" erinnert an einen echten Dichter, der in seiner Art unvergänglich Schönes geschrieben hat.
^r nächsten Nummer schließt das dritte Quartal dieses Jahrgangs der „Gartenlaube"; wir * ersuchen die geehrten Leser, ihre Bestellung auf das vierte Quartal schleunigst ausgeben zu wollen. — Die j)sstaboiriienteir machen wir noch besonders darauf aufmerksam, daß der Bezugspreis (2 Mark für die Ausgabe ohne „Welt der Frau", 3 Mark 25 Pf. für die Ausgabe mit „Welt der Frau") bei Bestellungen, die nach Beginn -es Vierteljahrs bei der Post aufgegeben werden, sich um jo Pfennig erhöht.
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