Heft 
(1906) 38
Seite
789
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2u begehen odne frauenblslt in wöchentlichen NUMMSM vierteljährlich 2 IN. oöer in vierrehntäglichen voppelNUMMSM ru je ZS Pf.; mit frsuenblatt in wöchentlichen Heften ru je 25 Pf. o<ter in vierrehntäglichen VSPpelliefteN ru je SS Pf.

Der stille Weg.

(1. Fortsetzung.) Roman von Richard Skowronnek.

lloeüani! Um Gottes willen, Kindchen, liebes, einzigstes, goldenes, wie siehst du aus?!" Die alte Frau in polnischer Bäuerinnentracht hatte mit einem lauten Aufschrei die runzligen Hände

^-zusammengeschlagen und starrte aus erschrockenen

Augen ihrer jungen Herrin in das totenblasse Gesicht.Die Haare offen und ganz zerzaust, das Reitkleid schief zugehakt und ..."

Die Komteß Prahlstorff hob die Hand und ließ sich erschöpft in den nächsten Stuhl fallen.Still jetzt, Wawerka! Ich dank dem Himmel, daß ich unbemerkt über die Turmtreppe hinein­geschlüpft bin, und du schreist mir das ganze Haus zusammen!"

Die Alte lief geschäftig hin und her, trug Riechsalz herbei und Kölnisches Wasser.Da, mein Kindchen, mein goldenes, erquick dich erst ein bißchen! Und sei nicht bös, aber der Schreck war mir wie ein spitzes Messer ins Herz gefahren! Als wenn du dem leibhaftigen Tod begegnet wärst, so siehst du aus!"

Der Tod! So etwas Ähnliches war es vielleicht!" Alix Prahlstorff versuchte zu lächeln, aber es gab nur eine Grimasse. Und jetzt rasch, spring in den Stall zum alten Sareyka. Er soll die Rappstute ordentlich mit Stroh abreiben, ehe er sie einstellt; im Laubengang, hundert Schritte vorm Turm Hab' ich sie angebunden. Und gib ihm 'nen Taler, damit er meiner Cousine nichts sagt, denn ich Hab' die Stute halb zu­schanden gejagt auf dem Heimweg vom Sdrinsnosee."

Sehr wohl, mein Herzchen, mein goldenes, und wie du befohlen hast, soll es geschehen. Aber einen ganzen Taler für das bißchen Schweigen?" Sie hob die schmale Oberlippe über dem zahnlosen Mund, und in ihre blaßblauen, halb erloschenen Augen trat ein glitzernder Schimmer.Ich werd' ihm drohen, daß ich seine Kuh verhex' und über sein Deputat­korn den schwarzen Brand regnen lass', wenn er auch nur zu einem einzigen Menschen den Mund aufmacht. Das ist billiger, wird aber viel besser helfen, denn über Geld würd' er sich nur unnütz wundern, an meine Wissenschaften aber glaubt er!" Und die alte Wawerka ging, um den empfangenen Befehl auf ihre Art auszuführen. Keine Spur aufdringlicher Neugierde in dem faltigen, von zwei schneeweißen Haubenbändern umrahmten Gesicht. In ihrem langen Dienstbotenleben hatte sie gehorchen und warten gelernt, und wenn sie noch eine kurze Viertel­stunde wartete, erfuhr sie ohne unziemliche Fragen, was ge­schehen war, denn ihr großes Sorgenkind hatte keine Geheim­nisse vor ihr. Seit man es ihr vor jenen Jahren als ein

kläglich weinendes, in kostbare Spitzen gewickeltes Bündel in den Arm gelegt hatte, war sie nicht mehr von ihm gegangen. Wie lange es her war, wußte sie nicht mehr, denn seit sie so viel in den merkwürdigen Ländern lebten, in denen es keinen Winter gab, hatte sie das Zählen nach Jahreszeiten verlernt, ebenso, wie sie sich kaum entsann, daß sie einmal einen andern Namen getragen hatte als den, mit dem sie von einem Paar stammelnder Kinderlippen zuerst gerufen worden war:Wa­werka". Wenn die gnädige Komtesse in einem fremden Hotel die Anmeldung ausschrieb, gab es zwischen ihnen stets ein Gelächter, denn beide mußten sie immer erst Nachdenken, daß sie eigentlich Jozefa Zosia Grpzanka hieß . . . Eins nur wußte sie noch genau, nämlich, woher der NameWawerka" stammte. Wenn sie allein gewesen war mit dem mutterlosen kleinen Grafenkind, hatte sie es mit Küssen und Tränen bedeckt und immer mit dem Namen des eigenen gerufen, der kleinen Warwara, die man ihr aus dem Hause getragen hatte, still und kalt; vielleicht, weil der liebe Gott dem armen Würmchen die Schande hatte ersparen wollen, ohne einen Vater auf­zuwachsen, der sich vor der Welt zu ihm bekennen durfte. . . ein gar vornehmer Herr, viel zu vornehm für die hübsche Kossätendirne, die er genommen hatte, wie man eine bunte Feld­blume abpflückt, um sie nach einer Weile wieder sortzuwerfen. . . Alle Welt hatte sich damals gewundert, daß das erste Wort, das die kleine Komtesse Alix Prahlstorff aussprach,Wawerka" lautete, und dabei die runden Ärmchen nach ihrer Amme ausstreckte. . . Sie aber lachte nur heimlich, und in jenem Augenblick begab sich in ihrem Herzen ein Wunder: sie vermochte die beiden Kinder nicht mehr voneinander zu trennen, das tote eigene und das lebende fremde, und sie empfand nur noch eine einzige Liebe . . . Von jener Stunde an gehörte das kleine Grafenkind ihr, wer's ihr genommen hätte, wäre gestorben. Ein Dutzend Gouvernanten hatte sie aus dem Hause gebracht, weil diese gemeinen Personen versucht hatten, sie bei ihrem Kind Zu verdrängen: waren zum Herrn Grafen gelaufen und beklagten sich, sie übe auf die junge Komtesse einen schlechten Einfluß, pfropfe ihr das Köpfchen voll von allerhand aber­gläubischem Kram, erziehe sie zu Stolz, Hoffart und Dünkel . . . Die törichten Gänse! Was wußten die denn von ihren geheimen Kräften und Künsten? Daß sie die Zukunft zu lesen verstand aus den Karten oder drei frisch geschnittenen Zweigen, die sie rückwärts über die Schulter warf? Daß sie jede Krankheit zu heilen wußte mit Kräutern, Besprechen oder