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Launceston Elliot.
drolliger Anblick, die Indianer mit Kind und Kegel des Abends in den Blätterkronen sitzen zu sehen, sich von Zeit zu Zeit mit ihrem Rohr zum Tschitschaloch herunterbengend. Die Tschitscha äußert nur zu bald ihre Wirkung, und diese besteht in dem unter der ganzen Bevölkerung Malto Grossos, Indianern wie den längst heimisch gewordenen Negern, überall verbreiteten Kururutanz. Es ist das eine Art von Reigentanz, bei dein man „stundenlang unermüdlich im Kreise herumläuft" und der fast stets die ganze Nacht hindurch bis zum Morgen dauert. Die Musik zu diesen:
Tanz wird auf einer primitiven Mandoline und einem Schrapholz vollführt, das aus einen: geriefte:: Stück Bambusrohr besteht und mit einem Glöckchen geschrapt wird. Einmal, in der Stadt Rosario, vollführten die Neger diesen Teil der Begleitung in Ermanglung solcher „Karacacha" mit Hilfe einiger mit Leder überzogener Stühle und einiger Teller, die mit Gabeln geschrapt wurden. Das Seltsamste an diesen Tänzen aber sind die Strophen, die jeder Tänzer von Zeit zu Zeit improvisieren muß, und die in ihrer Idee durchaus den älplerischen Schnadahüpfeln gleichen. Die Hauptbedeutung des Tanzes, sagt Schmidt, liegt darin, daß man seinen Empfindungen für eine Zeitlang freien Spielraum läßt. Man hänselt und neckt einander, und die regelmäßige Folge ist eine solenne — Holzerei. Der Anlaß dazu ist manchmal ganz überraschend. So griffen einmal zwei Brüder zu den Waffen, weil der eine vom Palmwein mehr berauscht war als der andere, der das als eine persönliche Kränkung ansah. — Wie bei uns sich an das Schnadahüpfel oft ein Jodler anschließt, so beginnen die Kururuverse mit einer regelmäßigen Einleitung: „Lalala lalila lao." Ein paar Verse mögen hier mitgeteilt sein: „Meine Liebe ging
schon vorüber, ich sage nicht, daß ich es nicht empfinde, aber ich weine dämm nicht". „Ich ging auf einem Wege, ein grüner Zweig hielt mich auf. Halt mich nicht auf, grüner Zweig, unsere Zeit ist
abgelaufen!" „Dort oben auf dem Hügel steht ein Melonenbaum. Ich spreche mit der Alten und dachte an die Tochter." Or. A. Hn.
Alfred v. KederifLjerna ch. (Zu de::: nebenstehenden Bildnis.) „Bon den Blumen, die man an der mageren, aber treuen Brust unseres smaländischen Mutterlandes findet, habe ich kunstlos ein kleines anspruchsloses Sträußchen gewunden .... Mancher hätte wohl die Blumen geschmackvoller geordnet und das Unkraut sorgfältiger ausgezupft; keiner hätte es liebevoller tun können. Denn ich habe mitten im Volk gelebt, seine Arbeit, seinen Kummer und seine Hoffnungen geteilt, seine Weltanschauung verstehen gelerut, unter der rauhen Außenseite echten Humor und unter der groben Jacke ein gutes Herz gefunden." Diese Geleitworte, die der schwedische Dichter Alfred v. Hedenstjerna seinem warmherzigen Buch „Im schwedischen Bauernheim" mitgibt, enthalten eigentlich das Programm seines ganzen Schaffens. Er hat „aus dem Volke — für das Volk" geschrieben, aber niemals in der süßlichen, dem Leben wie der Kunst gegenüber gleich unechten Manier, die sich so oft fälschlich jener Devise bedient. In Schweden sind denn auch seine eigenartigen Bücher, in denen selbst die Schilderung trübsten und gedrücktesten menschlichen Beisammenseins noch durch einen Strahl Humor licht umschimmert wird, weit verbreitet und werden sicher lange hinaus über sein nun abgeschlossenes Dasein das Andenken seiner Kunst lebendig erhalten. — Alfred v. Hedenstjerna wurde am l2. März 1852 in Rysoby (Smaland) geboren. Er war ursprünglich Landwirt, machte sich aber bald durch gelegentlich veröffentliche Humoresken bekannt, ging dann ganz zur Schriststellerei über und leitete später die schwedische Zeitung „Sma- landsposten"- Seit mehreren Jahren lebte er in Stockholm. Seine besten Arbeiten sind: „Statu-Perssons Josua", „Charakterbilder aus schwedischen Bürgerhäusern", „Svenssons". Er schrieb ungemein viel, und der Tod — er starb am 12. Oktober — traf den verhältnismäßig jungen Mann noch inmitten einer ausgebreiteten Tätigleit.
Hin moderner Kraftmensch. (Zu der obenstehenden Abbildung.) Die Zeiten, da auf schnell ausgeschlagener Bühne ein gut wattierter „Kraftmensch" einem hochverehrlichen, aber sehr gläubigen Publikum durch das Heben „500pfündiger" Pappegewichte das berühmte „Ah" der Bewunderung entlocken konnte, sind schon recht lange vorüber. Wir
Alfred von Äedenstjerna ch.
sind leider gar kein dankbares Publikum mehr, und besonders wenn einer die verwöhnte Großstadt zur Anerkennung zwingen will, müssen seine „Tricks" wohl oder übel „wirklich noch nie dagewejen" sein. Die Leistung, die Launceston Elliot in Berlin vorführte und die wir hier im Bild bringen, dürfte aber immerhin auch unter diesem Gesichtspunkt ganz nennenswert erscheinen. Elliot hat zwei Radfahrer an den Enden einer langen eisernen Stange festgeseilt und bringt es fertig, die Stange samt ihnen so lange herumzuschwingen, bis die beiden (wohl inzwischen auch etwas atemlos gewordenen) Herren Radler sich genau in seiner Schulterhöhe befinden. Alle Achtung! Are Münchener Mullas Athene. (Zur untenstehenden Abbildung.) Die Kunststadt München hat einen neuen, wundervollen Schmuck erhalten durch das Riesenstandbild der Pallas Athene, das kürzlich aus der linken Brüstung der neuerbauten Maximiliansbrücke aufgestellt wurde. Die herrliche Statue, eine Schöpfung von Franz Drexler, ist mit seiner Höhe von 5,64 Metern das größte Bildwerk in Stein unter den Münchener Denkmälern, es ist in Muschelkalk hergestellt mit einem Kostenaufwand von 16000 Mark, ausschließlich der Materialkosten, und bildet die Krönung von Professor v. Thiersch' monumentalem Brückenbau, der von der Maximilianstraße zum Maximilianen::: hinüberleitet. Anderthalb Jahre hat es gewährt, bis an Stelle der alten, dem Straßen- treiben nicht mehr genügenden Maximiliansbrücke der neue Bau den: Verkehr übergeben werden tonnte. Das Münchener Brückenbauprogramm, das einen Aufwand von nahezu sechs Millionen erforderte, ist mit der Aufstellung der Pallas Athene erledigt.
Ein moderner Kraftmensch.
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Die Pallas Athene auf der neuen Maximiliansbrücke in München.
Ausgesührt von Franz Drexler, München.
Druck und Verlag Ernst Keil's Nach:olge.r G. m. b. H. in Leipzig. VeramwortUcher Redakteur: Or. Hermann Tischler; sur den L»nze:genteil verantwortlich: Franz Boerner, beide in Berlin. — In Österreich-Ungarn für Herausgabe und Redaktion verantwortlich: B. Wirth; für den Anzeigenteil verantwortlich:
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