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Der stille Weg.
Roman von Richard Skowronnek.
(7. Fortsetzung.)
us dem unverhohlenen Mißtrauen, mit dem der Baron von Ouessendorpf der „rotlackierten Unheimlichkeit", die rasselnd und pfauchend vor der Freitreppe stand, Leib und Leben anvertraut hatte, war schon nach der ersten Viertelstunde Fahrt aufrichtige Bewunderung geworden. Die Maschine da parierte ja besser als ein Gaul, ging langsam oder rasch, ganz wie man's haben wollte: man brauchte nur an dem Hebel zu rücken, und kein störrischer Eigenwille, kein Scheuer: oder Erschrecken, das einen jählings aus dem Sattel werfen konnte . . . Und mit der Hochachtung vor dem Gefährt war auch die vor dem Lenker gestiegen.
Ein breitschultriger, hochgewachsener Mann, echt märkischer Bauernschlag ... die Figur rein deutsch, nur im Gesicht mit den starken Backenknochen, den kleinen hellblauen Augen und der nicht unschönen kurzen Nase der wendische Einschlag deutlich erkennbar . . . Anzug: ganz englisch, aber tw8t rate und ohne jede Spur von Protzenhaftigkeit; Benehmen: eine ruhige, selbstsichere Bescheidenheit, zuweilen aber in der Unterhaltung ein kluges oder sarkastisches Wort, das dem aufmerksamen Beobachter etliches zu denken gab . . .
„Sehr nett", hatte Herr Schmielke gesagt, als Heinrichswalde in einer knappen halben Stunde abgefahren worden war, „aber ein bißchen zu klein. An die vierundzwanzig guten Böcke glaube ich ja ganz gern, aber die sind — entschuldigen Sie, aber ich wirtschafte auch bei der Jagd gern ein bißchen aus dem Vollen — also die sind in acht Tagen abgeschossen! Und was dann?"
Der Baron schob seine Zigarre in den linken Mundwinkel. „Na ja, Sie haben recht, wir denken hier ein wenig bescheidener, und es kommt uns nicht so sehr aufs -Abschießen' an. Mit der Hälfte schon von vierundzwanzig Böcken ver- lustieren wir uns ganz aimabel und weidmännisch vom Juni bis zum Schluß der Brunft, na und in der Zwischenzeit natürlich Landwirtschaft!"
„Auf viertausend Morgen? Und ich sehe Ihnen an, Herr von Ouessendorpf, was Sie denken; so ungefähr: Na, na, ein bißchen bescheidener, junger Mann! Ihr verstorbener Vater hat auf ganzen vierundneunzig Morgen gesessen, auf dem vierzigsten Teil ungefähr des Ihnen zu kleinen Heinrichswalde. Also denn ein paar Worte zur Begründung gewissermaßen, ich möchte gerade von Ihnen nicht schief beurteilt werden!" Und Herr Schmielke ließ sein Auto auf dem gutgehaltenen Feldweg ein
1906. Nr. 44.
wenig langsamer fahren, bat um Feuer und steckte sich mit der freien Linken eine Zigarette an.
„Also das mit den vierundneunzig Morgen stimmt, aber sie lagen vor den Toren von Berlin, und mein verstorbener Vater war so gescheit, mit dem Verkaufen nicht eher anzufangen, als bis bei uns in Wilmersdorf die Ouadratrute auf vierundzwanzig- hundert Mark gestiegen war, der Morgen also etwas mehr als eine halbe Million brachte. Wir hatten es nicht so eilig wie ein Teil unserer Nachbarn; denn wir waren wohlhabend von Hause aus, hatten auch schon mit einem Stück Sumpfwiese an der Fasanenstraße ein nicht übles Geschäft gemacht. Ein Drittel aber nur seines Besitzes verkaufte mein Vater an eine Terraingesellschaft, den Rest ließ er ruhig liegen und für mich und meine Schwester, wie er sagte, ins Geld hineinwachsen. Die sechzig Morgen sind in den letzten paar Jahren das Doppelte wert geworden, und ich gedenke sie noch eine ganze Weile lang zu halten. Also für meinen Reichtum kann ich nichts, brauche mich aber seinetwegen auch nicht zu entschuldigen. Na aber, da ich doch nicht immer dabeisitzen konnte und warten, ob die Ouadratrute noch um ein paar hundert Mark oder mehr in die Höhe ging, tat ich nach dem Tode meines Vaters mein Schwesterlein in ein Genfer Pensionat, ich selbst aber begab mich auf Reisen. Nicht so nach dem Bädeker, sondern als passionierter Jäger . . . mein Vater nämlich hatte schon als einfacher Millionenbauer hinter Fürstenwalde eine gute Hochwildjagd gepachtet, und seit meinem fünfzehnten Jahr führte ich die Büchse. Also da fuhr ich nach Nordamerika, schoß in den Rocky-Mountains Wapitis und einen Grisly, jagte danach Elche in Norwegen, Hirsche und Bären in Sieben bürgen und trieb mich schließlich mit einer eigenen Expedition zwei Jahre lang in Ostafrika herum, um Löwen, Panther und Dickhäuter zu schießen. Also da nehmen Sie mir's nicht übel, Herr von Ouessendorpf, wenn ich bei der Aussicht, hier in Heinrichswalde vierundzwanzig gute Böcke strecken zu dürfen, nicht gerade in Ekstase gerate. Was aber die viertausend Morgen anlangt: wenn ich mich schon entschließe, Landwirt zu werden, wünsche ich mir denn doch einen etwas größeren Wirkungskreis! Im kleinen verstehe ich's gründlich, mein Vater war ein guter Lehrmeister, na, und da reizt es mich, meine Kraft an einer ordentlichen Aufgabe zu messen!"
„Hur", sagte der Baron von Ouessendorpf nachdenklich, „dann könnte man Ihnen ja noch etwas anderes zeigen, fragt sich nur. ob's Ihnen mit Heinrichswalde zusammen nicht zu groß ist!"
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