William Lsarvey.
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zu erwähnen haben, wenn sie nicht durch ihren Bruder William, den sie übrigens alle, wie es scheint, innig liebten, jenen Strahl von Unsterblichkeit erhalten hätten, welchen große Männer allen mittheilen, mit denen sie in irgend einer Weise in näherer Beziehung stehen.
Aus Harveys früher Jugendzeit wissen wir nichts. Die erste Nachricht wird charakteristischerweise erst bekannt, und auch hier nichts, wie die nackte Jahreszahl, als Harvey den ersten Schritt in die gelehrte Laufbahn that. Mit zehn Jahren nämlich brachten ihn seine Eltern, welche, mit den Grafen Bristol verwandt, also, was in England auffallenderweise schwerer wiegt al^ im übrigen Abdera, adligen Ursprungs waren, nach Canterbury in die dortige Lateinschule. Er verließ sie fünf Jahre darnach und trat am letzten Mai des Jahres 1593 in das Casus- und Gonville-College zu Cambridge. Hier befaßte er sich während seiner Studienzeit, dem Plane der alten englischen Universitäten gemäß, welche den Aerzten nur allgemeine und besonders klassische Bildung geben, mit Dialektik und Physik. Um sich aber für den besonderen Beruf eines Arztes vorzubereiten, ging Harvey nach Padua viu Frankreich und Deutschland. Padua genoß nämlich unter den damals gerade in Blüthe stehenden italienischen Hochschulen eines Weltrufs durch Fabricius ab Aquapendente besonders für Anatomie, wogegen Montpellier mehr als Ausbildungsort für Praktiker galt, weshalb Sydenham wohl auch das letztere besuchte. Außer dem genannten Anatomen und Physiologen waren noch zwei, nur durch ihre großen Schüler geschichtlich am Leben erhaltene Professoren, Joh. Thomas Minadous und Georg Raguseus, Lehrer Harveys, und zwar in der Medicin, während der tüchtige Anatom und Chirurg Julius Casserius ihn in der Chirurgie unterrichtete. Ob Harvey während seines 4 Jahre dauernden Aufenthalts in Italien auch noch andere der einander ja so sehr nahe gelegenen oberitalienischen Hochschulen besuchte, ist nicht sicher zu erfahren. Nach Florenz wenigstens scheint er gekommen zu sein. Von Universitätsfreunden desselben erfahren wir auch nichts; doch scheint Nardi unter diese gehört zu haben, während Casper Hofman, der im letzten Jahre von Harveys Aufenthalt in Padua war, ihn dort nicht kennen lernte. Ueber seine Studienjahre, vielmehr über deren Benutzung wissen wir, daß er sehr fleißig gewesen, besonders bei Fabricius. Auch wird berichtet, daß er in jungen Jahren, trotz seiner körperlichen Unscheinbarkeit, leicht dieKlinge gezogen habe, eine Unsitte, welche damals in Italien und von da her auch in England als Nachklang mittelalterlichen Ritterklopffechtereien ebenso „fashionable" war, wie das zierliche Zwickelbärtchen, das Harveys Bildniß ziert. Uebrigens machte er ein ausgezeichnetes Examen, wie sein vom 25. April 1602 datirtes Diplom rühmlichst erwähnt.
Boyle erzählt, daß seines Hauptlehrers Fabricius Vorträge über die Venenklappen Harvey zu den denkwürdigen Untersuchungen über den Kreislauf veranlaßt haben; er selbst spricht übrigens nur von den Lücken in dessen Bearbeitung der Anatomie des Herzens. Wie dem auch sei, soviel ist sicher, daß. Fabricius einen maßgebenden Einfluß auf die Forfchungsrichtung Harvey's übte.