Heft 
(1878) 01
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Ein deutschkÄ Fmniliknlllntt mit Illustmtisnell.

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XIV. SütjliMIlH. AurMkluii uni 6. Gktllbrr 1877. Zcr Jahrgang läuft vam Gktaber 1877 bis dahin 1878. 18?8. 1.

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Nachdruck verboten Ges. v. il./Vi. 70

Unser Kraf.

Eine Erzählung von Theodor Hermann Pantenrus

Du hast recht," sagte die Baronin,Du mußt jährlich mindestens viertausend Rubel gewinnen.

Der Graf neigte den Kopf ein wenig auf die rechte Seite und zog die Schultern herauf, als ob er sagen wollte: ich bin durchaus bescheiden, aber ich glaube auch, daß ich recht habe; die Gräfin sah einen Augenblick von ihrer Handarbeit auf und warf ihrem Mann einen dankbaren Blick zu; der Baron blickte nach wie vor auf den Holzschnitt, den er in der Hand hielt.

Die Geldfrage," begann der Graf nach einer kurzen Pause wieder,wird ebenfalls keinerlei Schwierigkeiten machen. Ich kann, wie mir der alte Hohenthal sagte, auf Rotenhof, so­bald ich will, vierzigtausend Rubel erhalten, ich werde aber mit der Hälfte der Summe auskommen."

Die Baronin blickte nachdenklich auf die Spitze ihres rechten Fußes, den sie langsam hin und her bewegte.Das einzige Bedenken, das Du noch nicht ganz wiederlegt Haft," sagte sie,ist die Frage, ob der Ueberschuß Deines Heuertrages wirk­lich so groß ist, daß Du im Stande fein wirst, ohne Roten­hof zu schädigen, einen genügenden Vorrath an Hallermünde abzugeben."

Der Graf erhob sich, suchte einen Augenblick lang unter den Papieren, die den Tisch bedeckten und überreichte dann eines derselben der Fragenden.

Siehst Du," sagte er, indem er sich neben den Stuhl der alten Dame stellte und mit dem Zeigefinger über die Ziffern fuhr, hier sind die einzelnen Jahre und hier ist der zehnjährige Durchschnitt. Ich habe jährlich etwa dreihundert Fuder zur Stadt geschickt. Man hat mir das Heu gut bezahlt Pardon, hier auf der andern Seite links, hier aber ich werde künftig doch ungleich produktiver verwenden können. Außerdem will ich, wie Du weißt, auf der Brennerei dreißig Ochsen mehr einstellen, da glaube ich wirklich, allen Ansprüchen genügen zu können."

Der Graf kehrte zu seinem Sitze zurück und nahm wieder

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Platz. Die Baronin blickte noch einmal auf den Anschlag, er­hob sich dann und reichte dem Grafen über den Tisch weg die Hand.

Ich kann Dir nur Glück wünschen, Georg," sagte sie.Das Unternehmen ist mit so viel Umsicht geplant und Deine An­schläge sind so sorgfältig gearbeitet und dabei so klar, daß ich keinen Augenblick au dem Erfolge zweifle."

Der Graf küßte der Dame die Hand und erröthete vor Vergnügen. Er wußte, wie sparsam seine Schwiegermutter mit ihrem Lobe war, es machte ihm daher große Freude. Die Gräfin küßte ihrer Mutter ebenfalls die Hand und erröthete auch und zwar aus demselben Grunde wie ihr Gemahl.

Nun, seid Ihr endlich mit Euren leidigen Berechnungen fertig?" fragte der Baron, und blickte die Drei der Reihe nach an.

Der alte Herr hatte wunderbar freundliche Augen, so freundliche, daß die Personen, mit denen er sprach, meist un­willkürlich lächelten.

Ja, lieber Papa, jetzt sind wir ganz fertig," rief die Gräfin und griff nach der Hand ihres Vaters, um einen Kuß auf sie zu drücken, aber der Baron entzog sie ihr rasch.

,Ei, so gib mir einen Kuß, mein liebes Kind," rief er in den tiefsten Baßtönen,aber auf den Mund, Ina, auf den Mund!"

Die Dame erhob sich, hielt mit den Spitzen ihrer langen schmalen Finger den Bart, der in mächtigen weißen Wellen das Antlitz ihres Vaters umrahmte, auseinander, und drückte einen Kuß auf seine Lippen.

So, das war einmal schön, mein Kind. Und nun wollen wir uns wieder höheren Interessen des Menschen zuwenden, als den leidigen Brotsragen."

,Jch denke, die sind wichtig genug, Leopold!"

,Gewiß, liebe Frau, gewiß und ich freue mich mit Dir, daß unser lieber Georg so viel Verständniß für sie hat ich freue mich herzlich darüber, Georg, lieber Junge aber ich