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starr auf einem Ahornbaum hinter der Marieusäule, daß die Mutter nach der Ursache zu fragen sich bewogen fühlte.
„Siehst Du denn nichts?" antwortete Auguste, „auf dem trockenen Aste ist Feuer."
„Olirxm g'sstss, Du bist dumm," entgegnete die Alte, „da ist ja gar nichts zu sehen."
Allein die Tochter fuhr fort: „Es wird immer Heller, auf goldenem Stuhle schwebt die heilige Jungfrau vom Himmel, jetzt läßt sie sich nieder auf dem dürren Aste." Eine lange Pause folgte. Als endlich die Tochter die Sprache wiedergewann, gab sie der Mutter an, „die heilige Jungfrau habe ein blaues Kleid angehabt (das gewöhnliche Kleid ermeländischer Madonnenbilder) und ihr befohlen, sie solle den Leuten erzählen, sie, die Jungfrau, werde von jetzt ab täglich dreimal kommen. Man solle fleißig beten und ihr eine Kapelle bauen."
Die Mutter verwies dem Mädchen die gottlose Rede; anders der jetzt hinzutretende Pfarrer Weichsel, welcher Mutter und Tochter augenblicklich ins Pfarrhaus führte und dort zu Protokoll vernahm. Daß er von der Wirklichkeit der Erscheinung, von der Göttlichkeit des Wunders sofort überzeugt war, wird nicht gerade in Erstaunen fetzen; selbstverständlich wurde nun aber die unwissende Kleine zur Kommunion zugelassen.
Wie dieser Umstand, so mag auch vorausgeschickt werden, daß die Zahl der Sehenden-sehr bald sich mehrte. Dienlichste war die vierzehnjährige Barbara Samulowske, einer armen Wittwe Tochter, leidlich aufgeweckt und auch von mehr angenehmen Aeußeru als die Schaffriuske, ferner die 21jährige Wieczorek und eine alte Wittwe Bilitewske. Andere Personen, welche gleichfalls die Erscheinung sehen wollten, unter anderen ein niemals nüchterner Bettler, sind von der betheiligten Geistlichkeit zurückgewiesen worden.
Der Hergang bei den Erscheinungen war nun täglich derselbe in der ganzen Zeit vom 15. Juli bis zum 3. September. Abends um 8 Uhr verließen die Kinder in feierlichem Aufzuge und geleitet von allen anwesenden Geistlichen — deren Zahl bis auf sechszehn stieg — das Pfarrhaus und knieten vor dem Wunderahorn nieder. Dann sprachen sie auswendig gelernte Gebete, verstummten aber alsbald — die Jungfrau war ihnen erschienen und sprach zu ihnen. War diese, was meist nach ganz kurzer Zeit geschah, entschwunden, so wurden die Kinder ebenso feierlich ins Pfarrhaus zurückgeleitet und dort zu Protokoll vernommen. Mittags um 1 Uhr und morgens um 8 Uhr gestaltete sich die Sache ähnlich, nur weniger feierlich, ohne Cere- mouiell. Die ermittelten Weisungen der Jungfrau aber theilte der Pfarrer anfänglich selbst, später durch Vermittelung des Kirchenvorstandes der harrenden Volksmenge mit.
Diese letztere, niemals unbeträchtlich, erreichte an den spezifischen Marientagen, beispielsweise an Mariä Himmelfahrt, am 15. August, eine recht ansehnliche Höhe; sind doch an gedachtem Tage von der Bahnstation Biessellen 6000 Billette vierter Klasse zur Rückreise verkauft worden! Diese Ziffer in Verbindung mit dem Umstande, daß die übrige Frequenz den Durchschnitt kaum überstieg, zeigt uns auch deutlich, welchen sozialen Klassen die Wallfahrer angehörten. Und in der That, die Zahl der Pilger aus den gebildeten Klassen der menschlichen Gesellschaft wäre eine geradezu verschwindend geringe gewesen, hätten nicht die bekannten ebenso intimen wie devoten Freunde und Freundinnen des früheren Erzbischofs Ledochowski, die ultramontanen Adligen des Großherzogthums Posen, sich in geschlossenen Gliedern eingestellt. Ihrem Einflüsse ist es auch wohl zu danken, wenn die bäuerliche polnische Bevölkerung des Großherzogthums und des benachbarten Königreichs Polen in so großer Menge auf der Wunderstätte erschien. Alle Wallfahrer ohne Unterschied aber schöpften Wasser aus einer Quelle an der Dorfstraße und stellten es während der Erscheinung an den Wunderbaum, da sie dem so geweihten Wasser übernatürliche Kräfte zuschrieben.
Die Verkündungen waren selbstverständlich das Hauptthema aller Gespräche in Dittrichswalde, und sie nahmen, von Mund zu Mund gehend, gelegentlich recht abenteuerliche Formen an. Neben den stereotypen Ermahnungen zum Beten und zum Kapellenbau tauchten eine Menge Offenbarungen auf, zu
viele, um hier eingehend besprochen zu werden. Bemerkenswerth ist eine der ersten, bei welcher die Madonna ein Schwert vorgezeigt und verkündet hat, durch dasselbe würden alle Ketzer umkommen, wenn sie sich nicht in zwei Jahren bekehrten. Zu erwähnen ist ferner die für den 15. August geschehene Borher- sagung eines Wunders, welches ausgeblieben ist. Besonders zu registriren ist aber die Verkündung vom 3. September. Die Madonna nimmt darin Abschied von Dittrichswalde, weil sie bei Mehlsack — d. h. in der Nähe des Geburtsortes des Pfarrers Weichsel — erscheinen werde, was auch nach Angabe eines Hirtenjungen jener Gegend, und zwar in einem Erdloche, geschehen ist. Ferner hat die Madonna offenbart, sie werde in diesem Jahr nur noch einmal und zwar am 9. September zur Einweihung der neuen inzwischen in Köln bestellten Mariensänle erscheinen; an diesem Tage werde auch ein Quell hervorfließen, welchen sie im voraus gesegnet habe. Das müsse aber noch Geheimniß bleiben.
Geheim ist auch der Quell geblieben bis vor kurzem. Als er aber bekannt wurde, war er auch schon im Stillen gefaßt und in alleiniger Gegenwart der vier Begnadeten von einigen Priestern geweiht. Er liegt einige Minuten vom Dorfe entfernt in des Pfarrers Hopfengarten, umgeben von amphitheatralisch ansteigenden Berglehnen, welche für eine ungeheure Menschenmasse reichlichen Raum bieten. Und eine solche wird sich sicherlich im nächsten Jahre zu den Marientagen einfinden, an welchen die Jungfrau — und das ist ihre letzte Verkündung — wiederum in Dittrichswalde erscheinen wird. Die Aehnlichkeit mit den Marpinger Vorgängen tritt dabei recht frappant hervor, ebenso auch durch die angeblich geschehenen Wunder. Denn der Zweifel blieb namentlich in der ersten Zeit möglich, wo der Glaube an die Uebernatürlichkeit lediglich auf den Angaben eines dreizehnjährigen theils stupiden, theils verschmitzten Kindes süßen mußte. So suchte man denn Beweise und fand den ersten in der Uebereinstimmung der Angaben beider Kinder über das, was sic gesehen und gehört hatten, während sie doch räumlich getrennt vor der Erscheinung knieten und auch getrennt zu Protokoll vernommen wurden. Dieser vom Pfarrhause ausgehenden Behauptung gegenüber verdient es Beachtung, daß ein wohlhabender Katholik aus Allenstein dem Pfarrer den Vorschlag gemacht hat, er wolle mit noch einem Freunde nach Dittrichswalde kommen, um jeder für sich eines der Kinder in Obhut zu nehmen und zum Wunderbaume hin und zurückzuführen. Wenn dann die Kinder dauernd gleichmäßig aussagen würden, wolle er an die Göttlichkeit der Erscheinung glauben, im entgegengesetzten Falle aber sie für elenden Betrug erklären. Dieser Vorschlag ist nicht angenommen worden.
Ein anderer Beweis für das Wunder sollte in der Verzückung und der absoluten Empfindungslosigkeit der Kinder während der Erscheinung liegen. Auf Wunsch des Bischofs hat ein Allensteiner Arzt eine Untersuchung darüber angestellt, indem er sein Besteck am Orte auspackte und sich dann, doch ohne irgend welches Instrument den Kindern näherte. Das eine zuckte heftig mit dem Arme, als er seine Fingerspitzen in die Nähe desselben brachte, das andere schloß die Augenlider höchst natürlich, als der Arzt mit der flachen Hand über das Gesicht, doch ohne es zn berühren, hinwegfuhr. Auch das dritte anwesende Mädchen, nach diesen Ergebnissen noch einer Probe zu unterziehen, hat der betreffende Arzt nicht für nöthig gehalten.
Von den vielen wunderbaren Heilungen, welche berichtet werden, mögen zwei hier Platz finden. Die eine betrifft eine Lehrersfrau, deren Augenleiden auch von den berühmtesten Königsberger Aerzten nicht gehoben werden konnte, das aber verschwand, nachdem die Frau zwei Tage lang die kranken Organe mit geweihtem Wasser gewaschen hatte.
Soweit die landläufige Erzählung, welche noch hinzufügt, daß die Genesene die bis dahin getragene Brille sofort ablegen konnte. Heute trägt sie die Bedauernswerthe wieder, denn die Augen sind durchaus auf dem alten Standpunkte — das aber verschweigt man sorgfältig, angeblich, um anderen Kranken den Muth nicht zu benehmen. Eine zweite Heilung weist gar that- sächliche, bis jetzt allerdings noch alleinstehende Belege in einem
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