Heft 
(1889) 32
Seite
530
Einzelbild herunterladen

Seite 530 . Deutschland. 32.

Du zeigst mir alles, was ich soll und mich,

Und von Genüsse zu Genuß

Reche mich fort in Fuhlens Uberschäumen!

Die Sinne schwelgen, Seele glaubt zu träumen Und wacht doch mehr in einer solchen Stund'

Als vordem Jahre . . . Küß mich auf den Mund!

Albertus. Mit dem Talent und dem Gesicht Brauchst Du fürwahr den Teufel nicht,

In Liebeskünsten Dich zu unterrichten.

Theresia. Seit ich Dich fand, mag ich ans ihn verzichten. Alles erwogen, für das Heil der Seele Jst's auch viel besser, wenn ich Dich erwähle. Gefährlich wohl,, doch lang' nicht so gefährlich,

Und von zwei Übeln, da doch eines unentbehrlich,

Das klein're . . . und das süßere . . . bist Du!

Albertus. Schön Dank! Doch laß uns setzt zu Tische gehen. Theresia. Machst Du beim Küssen auch die Augen zu? Albertus. Willst Du's?

Theresia. Im Gegenteil, Tu sollst mich sehen!

Albertus. Ich seh' Dich ja!

Theresia. Gefall' ich Dir?

Albertus. Gar sehr.

Theresia. Und dennoch, sürcht' ich, wirst Du Dir gestehen, Nach solcher Liebschaft stand nicht Dein Begehr.

Du dachtest Teufelinnen Dir zu fangen,

Da ist dumm Nönnlein in Dein Netz gegangen! Albertus. Fürwahr, um also grünen Schatz zu srei'n, Braucht's nicht gerade Hexenmeister sein.

Wie süß das sei, ich kann? es doch bereits.

Doch immer hat ein Fräulein hohen Reiz,

Das jung und schön, wie Du, und voll von Wohl­gefallen.

Vielleicht warst Du die Beste noch von allen,

Die heute nacht auf einem Besen trieb . . .

Theresia. Nimm mit dem unerfahr'nen Kind vorlieb! Albertus. Drum hoch mein Hexenfang! Stoß' an, Gesell! Theresia. Dein Wohl! Doch, was ist Liebe, sag'mir's schnell. Die Zeit enteilt. Beim ersten Hahnenschrei Ist auch die schönste Liebesnacht vorbei . . .

Albertus (für sich). Glaubst Du?

Theresia. Uud hurtig gilt's dann heimzureiten.

Albertus (ist aufgestnnden und an den Herd getreten, Theresias Besen beiseite stellend, für sich). Den Heimritt, Schatz, verleg' ich Dir beizeiten. (Setzt sich wieder zn ihr.) Theresia. Drum, was ist Liebe?

Albertus. Liebe, holdes Kind . . .

6. Seerre.

Die Vorigen. Rebekka, wie vorhin Theresia, erst außen hörbar, dann durch den Schlot aus den Herd wehend, aber rascher und noch

ungeberdiger als jene.

Rebekka (draußen). Was das für dumme Zaubereien sind! Welch ein Kamel von Hexenmeister stellte Solch eine Falle mir! . . . Au! meine Beine! Theresia. Wer stört uns grade jetzt?

Albertus. Da kommt noch eine!

Rebekka (ans dem Herde knieend. Sie trägt einen koketten roten Turban oder hahnenkammartigen Kopfputz, der sie gut kleidet, und rote Schuhe. Ein kostbarer Shawl flattert malerisch und nicht zu viel verhüllend um ihre Schulter. Statt des Besens hat sie ein zierliches Steckenpferd. Die zerrissenen Fangfäden hängen ihr noch um das eine Bein). Bist Du es, der mich um Walpurgis prellte? Was Hab' ich Dir gethnn, ich armes Weib?

Albertus. Nichts! Mich verlangt nach holdem Zeitvertreib.

Rebekka. Wer bist denn Du, Dich solches zu erfrechen?

Theresia. Du solltest höflicher mit jenem sprechen.

Das ist ein Mann von viel Gewalt.

Rebekka. Dergleichen kenn' ich mannigfalt!

Mit dem Gesicht und der Gestalt

Ist mir der Bursche nicht genug gerieben.

Mich drängt es ganz wen anderen zu lieben.

Albertus. Derselbe Mut, der Dich emporgetrieben Aus der Alltäglichkeit herauszudringen Nach unerhörtem höheren Genuß,

Gr hieß auch mich die Silberfäden schlingen,

Die Dich gefangen.

Theresia. Banne den Verdruß!

Hier ist gut sein!

Rebekka. Was bist Du für 'ne dumme

Unansgewachsene Person!

A lbertu s. Vers tumme!

Rebekka. Ich denk' nicht dran!

Theresia. Die wird nur immer dreister!

Albertus. Gehorche, Weib! Erkenne Deinen Meister Und freue Dich der tiefen Sympathie.

Sie trieb Dich mir und treibt mich Dir entgegen. Rebekka. Daran ist mir nun einmal nichts gelegen!.

Ein Bursch, wie Du dort, imponiert mir nie!

Und dies verfluchte Zeug, der dumme Schnack Von Drähten, die mir noch am Leibe prahlen,

NR, warte, diesen Schabernack

Sollst Du mir teuer noch bezahlen! (Setzt sich aus den Stein nm Herde und versucht sich die Fäden nbzureißeu.)

Albertus. Du wirst Dich schon drein finden, holder Gast, Wenn Du Dich nur erst ausgesprochen hast. Rebekka «Theresia den Fuß hinhaltend). Nimm mir das Zeug da weg!

Theresia (sich trotzig abkehrend». Du selber thu's!

Albertus (hinzutretend). Wo denn?

Rebekka. Du Klotz, hier au der

Spitze meines Schuhs!

Albertus «die letzten Fäden abnehmend). Was hast Du doch für einen hübschen Fuß!

Rebekka. Das sagte mancher schon. (Giebt ihm einen Stoß.) Albertus (an den Tisch tretend). Komm her, laß Dich bedienen. Theresia. Und mach zum lustigen Spiel auch lustige Mienen. Rebekka. Das nennst Du lustig? Du bist nicht verwöhnt. Theresia (bei Tische neben Albertus-. Es ist die Liebe, die die Welt verschönt!

Albertus (zu Theresia). Schenk ein! «Zu Rebekka.) Trink aus! Und liebe mich!

Theresia (sich ängstlich an Albertus schmiegend). O nein!

Das soll sie nicht.

Rebekka. Ich mag nicht!

Theresia (wie oben». Der ist mein!

Rebekka. Das könnte mich am Ende reizen.

(Zu Albertus, nnherrückend.» Weißt Du, was zu Wal­purgis vorig' Jahr Ter größte Scherz war?

Albertus. Mach mir's klar!

Rebekka (lockend). Komm hier herüber!

Theresia (ihn zurückhaltend). Nein!

Albertus. Wozu das Geizen

Der Eifersucht! Stoßt an, trinkt aus, greift zu!

Es sitzt sich hier ganz gut zu dreien.

Rebekka (an den Tisch tretend und ihn musternd.»

Und was für Leckerbiffen hast denn Du,

Daß Tn so prahlst! . . . Dieselben Näschereien,