Heft 
(1889) 32
Seite
529
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Erscheint Sonnabends

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Berlin, den ^0. Nai.

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bei der Post oder im Buchhandel vierteljährlich 3 Mark.

189V

Inhalt: Hexenfang. Lustspiel in einem Akt von Hans Hopfen (Fortsetzung). Der 1. Mai 18!>0. Von A. Eschenbach- - Über die Bedeutung des Kochsalzes. Von S. Taubes- B-irladn. Wcltzeit und Zonenzeit. Von Max Drewitz. Die Anwendung der Elektrieität in der Heilkunde. Von M-. Gregor Reymer. II. Zur naturwissenschaftlichen Weltanschauung in der neuesten Litteratnr. Bon Iw. Richard Locwy (Schlusi). -- Zum Jubiläum Ludwig Barnays. Von F. M. Kleine Kritik.

Den Bühnen gegenüber Manuskript. Alle Rechte Vorbehalten.

Lustspiel in einem Akt von Kerns Köpfen.

(Fortsetzung.)

5. Soeiie.

Albertus. Th eres in, erst von draußen hörbar, dann durch den Schornstein auf den Herd schwebend.

Th eres in (oben,. Ei, narrt mich denn im Mondenscheine Das flunkernde Geweb' der Spinn"?

Es schlingt sich mir nm beide Beine . . .

Es zieht mich nieder . . . halt! . . . wohin?!

,, mein Besen, sliege, spring'! . . .

Es kitzelt mir über den ganzen Leib. . .

Albertus (für sich). Das ist ein allerliebstes Weib!

Theresia (barfuß und im Hemde, van grauem Schleier umflattert, auf einem derben Reisbeseu reitend, schwebt widerwillig durch den Schornstein auf den Herd). Stellst Dn die stalle, drein ich ging?

Albertus. Ich war so srei.

Theresia. Latz gleich mich wieder los! (Hockt sich

auf den Herd.)

Albertus. O nein! Setz' lieber Dich ans meinen Schatz, Erzähl' mir was und laß uns lustig sein!

Theresia. Ich sag' Dir, ich muß schleunigst sort!

Albertus lauf dem Stein am Herde vor ihr sitzend,. O nein! Theresia. Dn weißt, ich dachte anderswo zu. landen. Albertus. Das mag schon sein. Nun mutzt Dn's eben nehmen.

Wie's kam, und Dich an meinen Tisch bequemen. Theresia (für sich). O, frevler Iürwitz, wirst dn so zu schänden!

Albertus. Ich deuk', es sei doch nicht so übel hier.

Theresia (auf einem Stein bor dem Herde aufsteyend und über Albertus' Haupt sich im Zimmer umseheud).

D nein . ° . Ganz zauberhaft! . . . (Betrachtet den Tisch., Und üppig ansgetragen! . . .

Und Du bist hübsch! ...

(Plötzlich.) Selb ich vielleicht in Dir. . .

Ich schäme mich so dumm zu fragen . . .

Seh' ich vielleicht in Dir . . . nimm meinen Gruß . . . Den schlauen Junker mit denn Pferdefuß?

Albertus. Oho! Mal' nicht den Teufel an die Wand!

Ich bin ein Mann mit Herzen und Verstand,

Komm an dies Herz und sang' zu küssen an!

Theresia (enttäuscht). Was weiß denn ich, was Männer sind! Ein Alaun ist auch der Pater Guardian,

Der Küster und der Pfarrer lobesan.

Bon ihnen wärmte keiner mir das Blut...

Du aber, Du gefällst mir gut . . . (Zutraulicher.)

Und Du bist wirklich nur ein Menschenkind?

Albertus. Gewiß!

Theresia. Doch groß ist Deiner Künste Zahl!

Albertus. Drum sing ich Dich.

Theresia (auschmiegeud). Du mutzt noch mehr mir zeigen! Denn wisse nur, znm allererstenmal Hab' ich's gewagt den Besen zu besteigen.

Albertus (unangenehm überrascht aufsteheud). Znm erstenmal?

Theresia. Ich bin ganz unerfahren.

Ins Kloster kam ich in den Kinderjahren.

Ein Nönnlein bin ich, das vom Treiben und vom Thun Der Welt nicht mehr weiß als ein junges Huhn.

Und was des Herzens Brauch und Labsal sei,

Ich kenn' es nicht einmal vom Hörensagen . . .

Albertus (für sich). Puh! Dieser weihrauchduftige Kinderbrei Ist das, was all' die Müh' mir eingetragen?

Theresia. Daheime gelt' ich als des Klosters Zierde,

Doch innerlich verzehrt mich die Begierde...

Wonach? . . . wer sagt's! Wieso? . . . wer kann's mich lehren!

Drum, weil ich vor den Menschen zagte,

Die jede solche Image mir verwehren,

Was Wunder, daß ich gleich den Teufel fragte!

Der, sagt man, hat die Antwort stets bereit.

Albertus. Wenn Nönnlein schon, Du bist ein Kind der Zeit.

Theresia. Nun mußt Du Satan mir und Liebster sein.

Ich frag' Dich aus, Du weihst mich ein, '