Heft 
(1889) 32
Seite
540
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Deutschland.

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Knpferröhren frei heransragende Schlinge wird auf diese Weise in die Röhren hineingezogen, der Rnnm zwischen ihr wird kleiner, und so werden daselbst befindliche Gewebsteile, über welche der Draht vorher geschoben war, entfernt. Unmittelbar bevor man zu ziehen beginnt, wird der Draht durch Schließen der Kette glühend gemacht. Nach Abtragung des zu entfer­nenden Gewebes wird der Strom durch Nachlassen des Finger- drnckes an der erst bezeichneten Vorrichtung wieder unterbrochen, und das Instrument ans dein Innern (der Nase u. s. w.i wie­der hervorgezogen. Die meisten Apparate sind setzt so kon­struiert, daß die Schlinge sich in ihrer ganzen Länge stets in ihnen befindet, nach oben aber so weit frei heransragt, daß sie bequem um den zu fassenden Gegenstand herumgeführt werden kann. Hat sie nicht genügende Länge, so wird sie hervorge­zogen. Auf diese Weise braucht der Platindraht nicht bei jeder Operation, wenn er um den zu entfernenden Teil gelegt ist, in den Anfangsteil der Knpferröhren geschoben zu werden, was ein ziemlich umständliches Verfahren ist. Der Hand­griff mit der Vorrichtung zur Verkürzung der Drahtschlinge ist sehr verschieden angeordnet; einige haben an der Unter­seite einen Ring, welcher mit dem Finger znrückgeschobcn wird und zugleich den an der Oberseite aufgewickelten Platin- drnht znrückzieht, bei anderen wird der Draht durch eine Knr- belvorrichtnng nach hinten befördert. Das Verfahren hat vor der Anwendung des Glüheisens große Vorzüge, hauptsächlich daß die Temperatur der galvanokanstischen Schlinge bei weitem höher als die des weißglühenden Eisens ist, was für seine ver­schiedenen Anwendnngsarten von Wichtigkeit ist. Ferner ist das Glüheisen nicht allerorts anwendbar, während der Gal­vanokauter und die galvanokanstische Schlinge durch Biegung der Knpserstäbe oder -röhren in jeder beliebigen Krümmung und Gestalt fast überall oberflächlich und in der Tiefe zu ge­brauchen ist. Vor der kalten Schlinge hat die galvanokan­stische den Vorteil, daß bei letzterer die dnrchtrennten Blutgefäße durch die durch die Hitze gebildeten Blutgerinnsel sofort ver­schlossen werden, und daher bei galvanokanstischen Operationen wenig oder gar kein Blut vergossen wird. Ferner ist das Ver­fahren durchaus aseptisch, da der Platindraht durch die Glüh­hitze von allen ihm etwa anhaftenden Keimen befreit wird. Die Galvanokaustik wird in vielen Zweigen der Heilkunde zur Anwendung gezogen, bei verschiedenen Erkrankungen der Nase, der Rachenorgane, der Ohren u. s. w., auch im Verlaufe man­cher größerer Operationen, z. B. bei der Entfernung beträcht­licher Geschwülste ans der Bauchhöhle, wenn die Anheftnngs- stelle derselben blutlos getrennt werden soll.

Elektrolyse und Elektropnnktnr.

Die elektrolytische Wirkung des galvanischen Stromes ans tierisches Gewebe beruht darin, daß das in letzterem enthaltene Wasser zersetzt wird, wobei sich am positiven Pol Sauerstoff, am negativen Wasserstoff abscheidet. Die Salze zerspalten sich in Säuren am positiven und Alkalien am negativen Pol. Die Säuren wirken zusammen mit dem entstehenden Sauerstoff oxy­dierend ans das Gewebe; die an der Kathode sich sammelnden Alkalien wirken ätzend. Bei unverletzter Haut erscheint unter der Kathode ein mit alkalisch reagierendem Inhalt versehenes Bläschen, welches sich in einen Schorf verwandelt. Letzterer fällt ab und hinterläßt eine Narbe. Unter der Anode spielen sich die Erscheinungen nicht mit gleicher Deutlichkeit ab. Hier entsteht eine mit saurem Inhalt versehene Quaddel, die zum Schorf wird, welcher hinterher eine unnachgiebige Narbe znrück- läßt. An beiden Polen bewirkt der galvanische Strom Ge­rinnung des Blutes, am positiven haftet das Gerinnsel fest an, am negativen ist es locker und bröckelig. Eiweiß, Fibrin, Fett, Säuren, Chlor treten am positiven, die Extraktivstoffe, alkalische und erdige Basen, das Eisen und die Farbstoffe treten am negativen Pole ans. Auch sehr stark verdünnte Eiweiß- lösuugen können durch den Strom zur Gerinnung gebracht werden. Mit diesen chemischen Vorgängen sind auch thermische verbunden. Da aber bei der Elektrolyse die beiden Polspitzen

sich nicht, wie bei der Galvanokaustik, berühren, so sind die Würmeeinflüsse von untergeordneter Bedeutung. Die speciell elektrischen Wirkungen des galvanischen Stromes äußern sich in Erweiterung der Blut- und Lymphgefäße, wodurch der Blnt- nnd Süftekreislauf gesteigert, und die Aufsaugung beschleunigt wird. Ferner wird die Jmbibitionsfähigkeit der Gewebe ge­steigert, die Nerven werden erregt oder beruhigt, und hierdurch verschiedene Änderungen im Stoffwechsel und der Ernährung herbeigeführt; die molecnlare Anordnung in den Geweben, ihre Erregungsfähigkeit und Ernührnngsthätigkeit wird geändert. Verschiedene Folgen und Wirkungen sind durch den mecha­nischen Transport von Flüssigkeiten von Pol zu Pol bedingt.

Als Typus der elektrolytischen Behandlung schildere ich eine trächtige Anwendung derselben: zur dauernden Be seitignng abnormen Haarwuchses. Dieselbe kommt Haupt sächlich für das schöne Geschlecht in Betracht, dessen Vertre terinnen bisweilen zu ihrer größten Verzweiflung mit Schnurr­bärten ansgestattet sind, welche den Neid manchen Fähnrichs zu erregeu im stände sind. Das Verfahren wurde zuerst in Amerika ausgeübt, daun auch in allen anderen Ländern erfolg­reich angewendet. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß bereits in Rom die Enthaarung in ausgiebigem Maße betrieben wurde, was auch nicht wunderbar ist, da im alten Rom die linke Schulter, Oberarm, Achsel, Nacken und Brust stets, Unter schenket und Unterarme häufig nackt blieben, und daher ans kosmetischen Gründen eine regelmäßige Entfernung der Haare nötig war.

Die Quelle für den elektrischen Strom bildet eine galvanische Batterie. Ein genaues Galvanometer ist zur Kontrolle und genauen Dosierung der Stromstärke unbedingt notwendig. Man setzt am besten sämtliche Elemente in Thätigkeit und schaltet durch den Rheostaten den gewünschten Widerstand ein und ans. Der positive Pol der Batterie wird als feuchte Schwamm elektrode vom Patienten in der Hand gehalten. Mit dein negativen Pol ist ein Nadelhalter verbunden, welcher eine feine stählerne Nadel enthält. Letztere wird nicht gewaltsam, aber tief in den Haarbalg schräg nach unten eingesührt; hierauf ergreift der Patient die positive Elektrode und drückt dieselbe zwanzig bis dreißig Sekunden lang recht fest. Hierauf läßt der Patient die Elektrode los, man entfernt die Nadel ans dem Haarbalg und versucht nun, mit einer Pineette das Haar ans dem Haarbalg heransznziehen, was ohne jeden Widerstand ge­schehen können muß. Ist dies nicht der Fall, so ist die Nadel noch einmal in den Haarbalg einznführen. Gewöhnlich folgt das Haar einem ganz leisen Zuge. Man entfernt in einer Sitzung dreißig bis vierzig Haare. Narben bleiben nach dieser Behandlung nicht zurück. Ist die Operation gut gelungen, so wachsen die Haare nicht wieder, da das Gewebe, in welches die Nadel cingestochen war, d. h. der Haarbalg, verflüssigt wird.

Man verwendet dasselbe Verfahren d. h. die Verflüssigung durch Elektrolyse zur Entfernung kleiner Geschwülste im Ge­sicht, an den Händen. Sind z. B. an den Händen mehrere Warzen, so können diese gleichzeitig behandelt werden, indem man die Kathode in mehrere an einem Mittelstück bewegliche Nadelhalter teilt. Die Nadel wird von oben schräg in die Tiefe eingestochen, und ist der Galvanometer für die richtige Stromstärke eingestellt, so wird zunächst das zu entfernende Ge­bilde blaß. Die Anode befindet sich in der Nähe oder wird vom Patienten mit der Hand erfaßt. Unmittelbar neben der Nadel quillt ans der Einstichsöffnung Schaum hervor, welcher ans Wasserstoffgas mit Gewebsflüssigkeit vermischt besteht. Dann wird die Warze dunkler, grünlich. Diese Farbe rührt davon her, daß nicht nur die Blutgefäße, sondern auch die Blutkörperchen aufgelöst werden, und der Blutfarbstoff in die Umgebung austritt. Die Oberfläche der Warze wird kugelig, und daß sie wirklich verflüssigt wird, ergiebt sich daraus, daß man nach einiger Zeit die Nadel in ihr vollkommen wie in einer Höhle bewegen kann. Bewegt man die Nadel parallel zur Hantoberfläche fort, so kann man das ganze Gebilde unter­minieren und es so von seiner Unterlage abtrennen. Sicht-