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Deutschland
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nach, ansieht, Eine Hälfte ist ihm stets mindestens etwas überwiegend Keim-, die andere Körper-, also zum sich Ausleben bestimmte Todeszelle. Fast gleich sind sie aber dennoch bei den heutigen Einzellern (Urtierchep und Urpflanzen), daher ein Zusammenwirken nach der Teilung nicht unbedingt nötig, eine Trennung möglich; bei größerer Verschiedenheit ist letzteres nicht mehr der Fall; es muß gegenseitige Ergänzung eintreten; die Teile bleiben zusammen, und es wird ein vielzelliger Lebenskörper gebildet. Nur auf den ersten Entwicklungsstufen kommt es auch hier zu einer vollständigen Trennung, nämlich bei der Ausstoßung der sogenannten „Richtungstorperchen" ans dem tierischen Ei vor dessen „Furchung." Dementsprechend werden, den unsterblichen Keimzellen gegenüber, Körperzellen erster und zweiter Hand unterschieden; letztere sind eben die, die zum Teil noch Fvrtpslanzungskeimstoff enthalten, den sie vor ihrem eigenen Zugrundegehen abgeben können, so daß sich aus ihm wieder Keimzellen bilden. Der Grundgedanke des Verfassers ist durch alle Einzelthatsachen durchgeführt und leitet, wie natürlich, im übrigen auch zu einer Beantwortung der mit diesen Dingen eng zusammenhängenden Frage nach dem Wesen der Befruchtung. Doch Aufgabe dieser Besprechung soll es nur sein, auf das Wichtige aufmerksam zu machen, nicht, einen eigentlichen Bericht zu erstatten. Die hierher einschlägigen Fragen verdienen wohl, von dem daran Anteilnehmenden genauer verfolgt zu werden, auch wenn er nicht Fachmann ist. ck.
Erdkunde, Geographie und Geologie, ihre Beziehungen zn einander und zn anderen Wissenschaften. Von Du. Georg Meyer. Straßburg, I. G. Ed. Heitz (Heitz u. Mündel), 1890.
Der Titel der vorliegenden Schrift könnte vermuten lassen, daß sie nur den Fachgenvssen des Verfassers etwas bietet. Es ist dies aber durchaus nicht der Fall. Vielmehr giebt Meyer, wenn auch ausgehend von den ihm am nächsten liegenden Gebieten, eine vollständige Einteilung und gegenseitige Abgrenzung der gesamten Wissenschaften auf durchaus neuer und selbständiger Grundlage, und in sehr klarer, durchsichtiger Ausführung. Dabei ist die Darstellung trotz des Gegenstandes weit entfernt von jeglicher Trockenheit: vielmehr geistreich und angenehm lesbar. Die Namengebung ist von Grund aus neu und rein gedanklich aufgebaut; so wird z. B. das bisher unter „Geologie" verstandene Gebiet, die Erdgeschichte, richtiger als „Geogenie" bezeichnet, wogegen der Name „Geologie" einem allgemeineren Begriffe dient, wie wir ihn deutsch unter „Allgemeiner Erdkunde" fassen. „Geologie," „Geographie" (dies ---- Besondere Erdkunde) und „Geogenie" bilden in des Verfassers Darstellung neben geordnete Gebiete, welche einem Hauptgebiete, der „Geonomie" (gebildet wie „Astronomie"), untergeordnet sind; dieses umfaßt als Erdkunde schlechtweg das gesamte Wissen von dem unbelebten Erdkörper, einschließlich seiner Wasser- und Atemhülle. In gleicher Weise verfährt der Verfasser nun bei den anderen Hauptgebieten; die „Ethnonomie" z. B. zerfällt als gesamte Menschheitskunde in „Ethnologie," „Ethnographie" und „Ethnogenie" (sogenannte Welt- besser Menschheitsgeschichte, einschließlich der Kultur-, Litteratur-, Kunst-, Wissenschaftsgeschichte u. s. w.); dabei fallen unter den Begriff Ethnologie als Sondergebiete auch Logik, Ethik, Vergleichende Sprachkunde, Allgemeine Staats- und Rechtswissenschaft u. dgl. Die übrigen Hanptgebiete sind Zoonomie (samt der nicht besonders genannten, aber aus der Darstellung als hierher gerechnet erkennbaren Anthroponomie), Phytonomie und Astronomie; sie zerfallen wieder in die entsprechenden Einzelgebiete und bilden zusammen ein höheres Ganzes, die Kosmonomie.
Hervorzuheben ist, daß dem Verfasser nichts ferner liegt, als etwa dem jetzt vielfach beliebten Kleinhacken der Wissenschaft Vorschub leisten zu wollen; vielmehr ist es ihm lediglich darum zu thun, durch seine Einteilung eine klarere Einsicht in das Wesen der einzelnen Wissensgebiete herzustellen. In welcher Weise dann diese bearbeitet werden, ist eine andere Frage. Mit Recht hebt Meyer hervor, daß während bis in die jüngste Vergangenheit das Bestreben herrschte, die gleichmäßige Behandlung verschiedenartiger Gegenstände in ein einheitliches Ganzes zusammenzufassen, sich nunmehr die Notwendigkeit herausstellt, die Betrachtung desselben Gegenstandes von verschiedenen Gesichtspunkten
aus vorzunehmen. Demgemäß ergiebt sich eine Gesamtaufstellung nach zwei Richtungen, in welcher die Kosmonomie, außer in die oben genannten Bestandteile, nach der andern Seite hin in Kosmologie. Kvsmographie und Kosmogenie zerfällt; während jede davon sich wieder nach der Art des betrachteten Gegenstandes, die Kosmologie z. B. in Ethno-, Zoo- (samt Anthropo-), Phyto-, Gev- und Astrologie (diese natürlich in anderem Sinne als in dem hergebrachten der Sterndeuterei) gliedert. Es erscheint also jedes Einzelgebiet zugleich als Unterabteilung zweier Hauptgebiete, so die Phytogenie (Pflanzengeschichte) als solche der Phytonomie (Pflanzenkunde) und der Kosmogenie (eigentlichen „Weltgeschichte").
Die vom Verfasser gewählten Bezeichnungen haben auch den Vorzug, daß sie sich in gleicher Übersichtlichkeit leicht und gefällig ins Deutsche übertragen lassen, wobei sie an unmittelbarer Verständlichkeit nur noch gewinnen können. Zum Teil hat dies der Verfasser schon durchgeführt; doch soll nicht unerwähnt bleiben, daß die zusammenfassenden Betrachtungen desselben Gegenstandes (-nomie), die der Verfasser deutsch als „Kunde" des Betrachteten bezeichnet, nach des Unterzeichneten Meinung besser etwa durch „Wissenschaft" oder „Forschung" wiedergegeben würden, während er die Verdeutschung ,,-kunde" lieber auf die griechisch mit der Endung ,,-graphie" versehenen Benennungen angewandt sähe, „-logie" wäre gut mit „-lehre" wiederzugeben; die Endung „-gerne" hat Meyer selbst folgerichtig überall mit ,,-geschichte" verdeutscht. Würden diese Grundsätze durchgeführt, so zerfiele die allgemeine „Welt- forschnng" einerseits in Menschheits- (Völker-), Tier-, Pflanzen-, Erd- und Sternfvrschung, andererseits in Weltlehre, Welt künde und Weltgeschichte; im einzelnen z. B. die Erdforschung in Erdlehre, Erdkunde und Erdgeschichte, andererseits die Weltgeschichte in Menschheits-, Tier- (samt Menschen-), Pflanzen- und wieder Erdgeschichte. Eine plötzliche Einführung und Anwendung derartig streng gedanklich geordneter Begriffsbestimmungen und -benennungen — sei es in griechischein oder deutschem Gewände — würde freilich mit Rücksicht auf die vorhandenen, wenn auch sprachlich vielfach schiefen und unzureichenden Namen auf Schwierigkeiten und mehrfache Unzuträglichkeiten stoßen, ist auch wohl vom Verfasser nicht beabsichtigt. Aber daß dem gegenwärtigen Wirrwarr ein Ende gemacht werde, ist in der That wünschenswert; und schon mit einer allmählichen Anbahnung ist viel gewonnen, wenn einmal das Ziel klar und sicher erkannt ist. Dieses besteht in dem gründlichen Er fassen eines Wissenschaftsgebietes, von dem ans die Gewinnung eines klaren Überblicks über die anderen und wenigstens eines Einblicks in Wesen und Wert der nächstverwandten anzustreben ist. Nur in solchem Sinne ist der Gesamtausdruck „Kosmonomie" zu verstehen und nur in solchem hat er Wert; diesen Wert aber zur Anschauung gebracht zu haben, ist das Verdienst der vorliegenden Schrift.
Der größte Teil der im obigen nicht besonders berührten Gebiete, wie insbesondere die sogenannten „humanistischen" Wissenschaften, gehört, wie leicht ersichtlich, in des Verfassers Darstellung zu den Gebieten der „Ethnonomie," insofern diese sich, im Gegensätze zur bloßen Anthroponomie, mit der Menschheit als Gesittungsträger befaßt. Sie treten also als Unterabteilungen verschiedener Einzelgebiete auf; ihrer Wichtigkeit wird damit kein Abbruch gethan, da es sich ja um eine gedankliche Anordnung, nicht um eine Rangordnung handelt. Der Verfasser wirft aber zum Schluß noch die Frage ans, wohin denn Mathematik, Physik, Mechanik und Chemik unterzubringen sind. Seine Antwort geht dahin, daß diese sich auf eine allgemeine, abgezogene Betrachtung von Kraft und Stoff, die wir als Weltall wahrnehmen, beziehen, indem deren Eigenschaften ohne Rücksicht auf ihre natürliche Erscheinungsweise betrachtet werden. Diese allgemeine Betrachtungsweise stellt er der gesamten „Kosmonomie" als „Kosmik" gegenüber; so als Teil von ihr die Chemik (besser als „Chemie"), insofern sie die Ber- wandtschaftsverhältnisse der Urstoffe erforscht, ohne an sich darauf Rücksicht zu nehmen, ob sie in dieser oder jener Zusammensetzung in natürlichen Verbindungen Vorkommen oder nicht Vorkommen. Des ungeachtet müssen ihre Ergebnisse, wie überhaupt die der „Kosmik," von äußerster Wichtigkeit sein, da sie die Grundlage für ein möglichst genaues Forschen in den Gebieten der „Kosmonomie" bilden. Jneinandergreifen aber muß beides, und erst die Verbindung ihrer Ergebnisse führt bei dem einzelnen zur Philosophie. .1.
Verantwortlicher Redakteur: Frttz Mauthner in Berlin Frobenstrabe 33. — Druck und Verlag von Carl Flemmiyg in Glogau.