Heft 
(1889) 45
Seite
740
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Deutschland

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nach, ansieht, Eine Hälfte ist ihm stets mindestens etwas überwiegend Keim-, die andere Körper-, also zum sich Ausleben bestimmte Todes­zelle. Fast gleich sind sie aber dennoch bei den heutigen Einzellern (Urtierchep und Urpflanzen), daher ein Zusammenwirken nach der Tei­lung nicht unbedingt nötig, eine Trennung möglich; bei größerer Ver­schiedenheit ist letzteres nicht mehr der Fall; es muß gegenseitige Er­gänzung eintreten; die Teile bleiben zusammen, und es wird ein viel­zelliger Lebenskörper gebildet. Nur auf den ersten Entwicklungsstufen kommt es auch hier zu einer vollständigen Trennung, nämlich bei der Ausstoßung der sogenanntenRichtungstorperchen" ans dem tierischen Ei vor dessenFurchung." Dementsprechend werden, den unsterblichen Keimzellen gegenüber, Körperzellen erster und zweiter Hand unterschieden; letztere sind eben die, die zum Teil noch Fvrtpslanzungskeimstoff enthalten, den sie vor ihrem eigenen Zugrundegehen abgeben können, so daß sich aus ihm wieder Keimzellen bilden. Der Grundgedanke des Verfassers ist durch alle Einzelthatsachen durchgeführt und leitet, wie natürlich, im übrigen auch zu einer Beantwortung der mit diesen Dingen eng zu­sammenhängenden Frage nach dem Wesen der Befruchtung. Doch Auf­gabe dieser Besprechung soll es nur sein, auf das Wichtige aufmerksam zu machen, nicht, einen eigentlichen Bericht zu erstatten. Die hierher einschlägigen Fragen verdienen wohl, von dem daran Anteilnehmenden genauer verfolgt zu werden, auch wenn er nicht Fachmann ist. ck.

Erdkunde, Geographie und Geologie, ihre Beziehungen zn ein­ander und zn anderen Wissenschaften. Von Du. Georg Meyer. Straßburg, I. G. Ed. Heitz (Heitz u. Mündel), 1890.

Der Titel der vorliegenden Schrift könnte vermuten lassen, daß sie nur den Fachgenvssen des Verfassers etwas bietet. Es ist dies aber durchaus nicht der Fall. Vielmehr giebt Meyer, wenn auch ausgehend von den ihm am nächsten liegenden Gebieten, eine vollständige Ein­teilung und gegenseitige Abgrenzung der gesamten Wissen­schaften auf durchaus neuer und selbständiger Grundlage, und in sehr klarer, durchsichtiger Ausführung. Dabei ist die Darstellung trotz des Gegenstandes weit entfernt von jeglicher Trockenheit: vielmehr geistreich und angenehm lesbar. Die Namengebung ist von Grund aus neu und rein gedanklich aufgebaut; so wird z. B. das bisher unterGeologie" verstandene Gebiet, die Erdgeschichte, richtiger alsGeogenie" be­zeichnet, wogegen der NameGeologie" einem allgemeineren Begriffe dient, wie wir ihn deutsch unterAllgemeiner Erdkunde" fassen.Geo­logie,"Geographie" (dies ---- Besondere Erdkunde) undGeogenie" bilden in des Verfassers Darstellung neben geordnete Gebiete, welche einem Hauptgebiete, derGeonomie" (gebildet wieAstronomie"), untergeordnet sind; dieses umfaßt als Erdkunde schlechtweg das gesamte Wissen von dem unbelebten Erdkörper, einschließlich seiner Wasser- und Atemhülle. In gleicher Weise verfährt der Verfasser nun bei den anderen Hauptgebieten; dieEthnonomie" z. B. zerfällt als gesamte Menschheitskunde inEthnologie,"Ethnographie" undEthnogenie" (sogenannte Welt- besser Menschheitsgeschichte, einschließlich der Kultur-, Litteratur-, Kunst-, Wissenschaftsgeschichte u. s. w.); dabei fallen unter den Begriff Ethnologie als Sondergebiete auch Logik, Ethik, Ver­gleichende Sprachkunde, Allgemeine Staats- und Rechtswissenschaft u. dgl. Die übrigen Hanptgebiete sind Zoonomie (samt der nicht besonders genannten, aber aus der Darstellung als hierher gerechnet erkennbaren Anthroponomie), Phytonomie und Astronomie; sie zerfallen wie­der in die entsprechenden Einzelgebiete und bilden zusammen ein höheres Ganzes, die Kosmonomie.

Hervorzuheben ist, daß dem Verfasser nichts ferner liegt, als etwa dem jetzt vielfach beliebten Kleinhacken der Wissenschaft Vorschub leisten zu wollen; vielmehr ist es ihm lediglich darum zu thun, durch seine Ein­teilung eine klarere Einsicht in das Wesen der einzelnen Wissensgebiete herzustellen. In welcher Weise dann diese bearbeitet werden, ist eine andere Frage. Mit Recht hebt Meyer hervor, daß während bis in die jüngste Vergangenheit das Bestreben herrschte, die gleichmäßige Be­handlung verschiedenartiger Gegenstände in ein einheitliches Ganzes zusammenzufassen, sich nunmehr die Notwendigkeit herausstellt, die Be­trachtung desselben Gegenstandes von verschiedenen Gesichtspunkten

aus vorzunehmen. Demgemäß ergiebt sich eine Gesamtaufstellung nach zwei Richtungen, in welcher die Kosmonomie, außer in die oben ge­nannten Bestandteile, nach der andern Seite hin in Kosmologie. Kvsmographie und Kosmogenie zerfällt; während jede davon sich wieder nach der Art des betrachteten Gegenstandes, die Kosmologie z. B. in Ethno-, Zoo- (samt Anthropo-), Phyto-, Gev- und Astrologie (diese natürlich in anderem Sinne als in dem hergebrachten der Sterndeuterei) gliedert. Es erscheint also jedes Einzelgebiet zugleich als Unterabtei­lung zweier Hauptgebiete, so die Phytogenie (Pflanzengeschichte) als solche der Phytonomie (Pflanzenkunde) und der Kosmogenie (eigentlichen Weltgeschichte").

Die vom Verfasser gewählten Bezeichnungen haben auch den Vor­zug, daß sie sich in gleicher Übersichtlichkeit leicht und gefällig ins Deutsche übertragen lassen, wobei sie an unmittelbarer Verständlichkeit nur noch gewinnen können. Zum Teil hat dies der Verfasser schon durch­geführt; doch soll nicht unerwähnt bleiben, daß die zusammenfassenden Betrachtungen desselben Gegenstandes (-nomie), die der Verfasser deutsch alsKunde" des Betrachteten bezeichnet, nach des Unterzeichneten Mei­nung besser etwa durchWissenschaft" oderForschung" wiedergegeben würden, während er die Verdeutschung ,,-kunde" lieber auf die griechisch mit der Endung ,,-graphie" versehenen Benennungen angewandt sähe, -logie" wäre gut mit-lehre" wiederzugeben; die Endung-gerne" hat Meyer selbst folgerichtig überall mit ,,-geschichte" verdeutscht. Wür­den diese Grundsätze durchgeführt, so zerfiele die allgemeineWelt- forschnng" einerseits in Menschheits- (Völker-), Tier-, Pflanzen-, Erd- und Sternfvrschung, andererseits in Weltlehre, Welt künde und Welt­geschichte; im einzelnen z. B. die Erdforschung in Erdlehre, Erdkunde und Erdgeschichte, andererseits die Weltgeschichte in Menschheits-, Tier- (samt Menschen-), Pflanzen- und wieder Erdgeschichte. Eine plötzliche Einführung und Anwendung derartig streng gedanklich geordneter Be­griffsbestimmungen und -benennungen sei es in griechischein oder deutschem Gewände würde freilich mit Rücksicht auf die vorhandenen, wenn auch sprachlich vielfach schiefen und unzureichenden Namen auf Schwierigkeiten und mehrfache Unzuträglichkeiten stoßen, ist auch wohl vom Verfasser nicht beabsichtigt. Aber daß dem gegenwärtigen Wirr­warr ein Ende gemacht werde, ist in der That wünschenswert; und schon mit einer allmählichen Anbahnung ist viel gewonnen, wenn einmal das Ziel klar und sicher erkannt ist. Dieses besteht in dem gründlichen Er fassen eines Wissenschaftsgebietes, von dem ans die Gewinnung eines klaren Überblicks über die anderen und wenigstens eines Einblicks in Wesen und Wert der nächstverwandten anzustreben ist. Nur in solchem Sinne ist der GesamtausdruckKosmonomie" zu verstehen und nur in solchem hat er Wert; diesen Wert aber zur Anschauung gebracht zu haben, ist das Verdienst der vorliegenden Schrift.

Der größte Teil der im obigen nicht besonders berührten Gebiete, wie insbesondere die sogenanntenhumanistischen" Wissenschaften, gehört, wie leicht ersichtlich, in des Verfassers Darstellung zu den Gebieten der Ethnonomie," insofern diese sich, im Gegensätze zur bloßen Anthro­ponomie, mit der Menschheit als Gesittungsträger befaßt. Sie tre­ten also als Unterabteilungen verschiedener Einzelgebiete auf; ihrer Wich­tigkeit wird damit kein Abbruch gethan, da es sich ja um eine gedank­liche Anordnung, nicht um eine Rangordnung handelt. Der Ver­fasser wirft aber zum Schluß noch die Frage ans, wohin denn Mathematik, Physik, Mechanik und Chemik unterzubringen sind. Seine Antwort geht dahin, daß diese sich auf eine allgemeine, abgezogene Betrachtung von Kraft und Stoff, die wir als Weltall wahrnehmen, beziehen, indem deren Eigenschaften ohne Rücksicht auf ihre natürliche Erschei­nungsweise betrachtet werden. Diese allgemeine Betrachtungsweise stellt er der gesamtenKosmonomie" alsKosmik" gegenüber; so als Teil von ihr die Chemik (besser alsChemie"), insofern sie die Ber- wandtschaftsverhältnisse der Urstoffe erforscht, ohne an sich darauf Rück­sicht zu nehmen, ob sie in dieser oder jener Zusammensetzung in natür­lichen Verbindungen Vorkommen oder nicht Vorkommen. Des ungeachtet müssen ihre Ergebnisse, wie überhaupt die derKosmik," von äußerster Wichtigkeit sein, da sie die Grundlage für ein möglichst genaues Forschen in den Gebieten derKosmonomie" bilden. Jneinandergreifen aber muß beides, und erst die Verbindung ihrer Ergebnisse führt bei dem einzelnen zur Philosophie. .1.

Verantwortlicher Redakteur: Frttz Mauthner in Berlin Frobenstrabe 33. Druck und Verlag von Carl Flemmiyg in Glogau.