142 Fontane Blätter 111 Dossier: Fontanes Der Krieg gegen Frankreich Fontanes Kriegsbücher. Genre-Mix zwischen allen Stühlen oder spezifische Position im Feld der Kriegsschriften seiner Zeit? Rolf Parr Ausgangsbefunde Für Fontanes Kriegsbücher ist an verschiedener Stelle festgestellt worden, 1 dass man es bei ihnen mit einem Genre-Mix aus Reisebericht, typischen Elementen der Kriegsberichterstattung und Militärgeschichtsschreibung (wie Terrainbeschreibungen, Bewertungen der Feuerkraft und Ausrüstung, Schlachtenaufstellungen, Darstellung einzelner Gefechte), zitierten Dokumenten(wie Augenzeugenberichten, offiziellen Verlautbarungen, Zeitungsausschnitten, Privatbriefen von Militärs), Charakterbildern, historischen Herleitungen, Genrebildern und Gedichten zu tun hat. Hinzu kommen nicht zuletzt literarisierende Verfahren, etwa was die semantische Konstitution von Räumen, 2 die punktuelle Personalisierung eines eigentlich massendynamischen Kriegsgeschehens und die Vergleiche mit Schauspiel und Drama angeht. 3 Indem sie Fontanes»Zwischen Zitat-Montage und Kriegs-Epos« changierenden Krieg gegen Frankreich als seiner»Zeit vorgreifende Realisierung einer Technik der Montage im Sinne Walter Benjamins« versteht, hat Ruth Heynen Fontanes Mischtext geradezu zu nobilitieren versucht. 4 Auch die zeitgenössischen Besprechungen von Der Krieg gegen Frankreich 5 haben diesen ›Bricolage-Charakter‹ immer wieder in der einen oder anderen Form hervorgehoben und damit eine Einschätzung reproduziert, die auch der Verfasser teilte. So schrieb Fontane am 21. Februar 1874 an Ludwig Pietsch, dass der»Stoff[…] aus 100 Schriftstücken entlehnt, aus tausend Notizen zusammengetragen« sei; 6 und auch in den am 29. März 1873 in der Neue[n] Preußischen(Kreuz-)Zeitung, 7 am 30. März 1873 in etwas kürzerer Fassung in der Spenerschen Zeitung 8 sowie dann noch einmal am 10. April 1873 in der National-Zeitung 9 erschienenen Rezensionen, die weitestgehend dem von Fontane verfassten Waschzettel des Verlags folgen, 10 charakterisiert Fontane sein Buch als eine»Mischgattung«: Die Eigenart des Verfassers, so weit diese bei seinen Kriegsbüchern in Betracht kommt, ist bekannt. Er will erzählen, lesbar und nach Möglich-
Heft
(2021) 111
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