Heft 
(2021) 112
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50 Fontane Blätter 112 Dossier. Fortsetzung 1870, der sich in Heft 39 findet, also bereits zwei Wochen später veröffent­licht wurde. Corvin galt zwischenzeitlich als vermisst, wie Die Gartenlaube zum einen selbst berichtete, wenn sie sich in Heft 1870/36 bei ihren Lesern für Verzögerungen im Produktionsablauf und in den Publikationsverspre­chen entschuldigte. Zwar»telegraphisch[] angekündigt«, seien die Kriegsberichte doch nicht eingetroffen. Zugleich fehle von Corvin seit zwei Wochen jede Spur; man habe»alle Ursache zu fürchten, daß er entweder todt oder gefangen oder schwer verwundet darniederliegt«. 81 Zum anderen war dies auch wie Die Gartenlaube mit Datum vom 6. September in einer Fußnote zitiert der Kölnischen Zeitung eine Erwähnung wert. 82 Im verspäteten Brief Corvins ist dann viel von den grauenhaften»Spu­ren der Schlacht« die Rede, von einem»gespensterhaft[en] Helmskelet«, ei­ner»Metzelei« und von Hungersnöten, unter denen die einheimische Bevöl­kerung ebenso wie die deutschen Soldaten zu leiden hatten: Man»campirt[]« auf»blutgetränkte[m] und von Regen durchweichte[m] Boden« und alleror­ten»grinsten uns an der Straße todte Pferde an, die sich in ihrem letzten Augenblicke darüber gefreut zu haben schienen, daß sie all dem Elend durch den Tod entgingen.« 83 Der Ton hat sich also, wie man hieran sieht, merklich verschärft. Eine in den Bericht integrierte Abbildung führt nochmals zur Schlacht von Spichern zurück, die der Gegenstand eines früheren Briefs ge­wesen war(Abb. 1). Beide Zeitebenen werden so unmittelbar zusammenge­schlossen, die Gegenwart des Berichts mit einem früheren Ereignis. Die Bildbeschreibung wird am Heftende nachgeliefert, der drastische Ton bleibt nicht nur erhalten, sondern steigert sich noch: Die»Steinstufen« zur Kirche »waren rot gefärbt«, und zwar»von Blut«; im Innern findet der Betrachter »eine Stätte des Jammers und der Schmerzen« vor, ein Lazarett, in dem »Schwerverwundete« lagern,»[e]iner neben dem Anderen, auf dem blutbe­deckten Stroh, sich krümmend in ihren unendlichen Schmerzen mit ihren zerschossenen und zerfetzten Leibern, im letzten Kampfe, der ihnen für die­ses Leben noch übrig blieb, nickend, stöhnend, schweigend, verendend«. 84 Die Reaktionen auf krude Kriegsdarstellungen im Familienblatt waren ambivalent. Einerseits blieb das Interesse groß. Dabei entsprachen der Um­stellung auf ein zeitgemäßes Korrespondenten-System neuartige Vertriebs­angebote, mit denen man auf das veränderte Nachfrageverhalten reagierte. Auch die Soldaten im Feld wollten auf die Gartenlaube, dieses Stück Heimat in der Fremde, nicht verzichten. Aus den Feldlagern gingen»Massen von Bestellungen« 85 in Leipzig ein, heißt es in einer redaktionellen Notiz. Um die Abwicklung der Kaufinteressen unter erschwerten Bedingungen möglichst zu erleichtern, wurde dafür als besondere Dienstleistung ein eigenes»Feld­Abonnement« angeboten, das ganz bequem»bei allen Feldposten der Ar­mee« erworben werden konnte. 86 Wer seine Lieben ›im Feld‹ von zu Hause aus mit dem Familienblatt beglücken wollte, wurde ebenfalls unterstützt. Die Gartenlauben- Redaktion bot dafür wöchentliche ›Expedi­tionen‹»nach