Emilie Fontane an Paula Conrad| Herrmann, Millutat | 21 verbotenen Johannes 26 u. M. S. entzückt hat u. dem direkte Huldigungszeichen nur entgangen sind, weil Th. F. anfängt zu fürchten, man fände dgl. Gefühls-Ausflüsse altmodisch. – Liebste Kleine wir haben Beide Schweres erlebt, seitdem wir uns zuletzt sahen! wie viel haben wir uns mitzutheilen. Vorläufig bin ich dankbar, mit dem l. Alten noch einmal hier sein zu können – vor 14 Tagen stand es schlecht mit ihm. – Möchten wir uns doch ein bischen mehr sehen können! In Treue für Sie Beide Ihre alten Fontane’s. H: TFA: C 210 12. Emilie Fontane an Paula Conrad-Schlenther,[Berlin], 14. Februar 1898, Montag d. 14.2.98. Liebste Frau. Eben erhalte ich Ihren lieben Brief u. beeile mich Ihnen unsre Freude darü ber auszudrücken, daß Sie uns ein paar Stunden schenken wollen. Wir sind aber sehr egoistisch u. wollen Sie allein haben; es wird Ihnen in Ihrer Güte auch recht sein, wenn ich Ihnen sage, daß es meinem lieben Alten noch immer nicht gut geht u. ihm untersagt ist, viel zu sprechen, um so lieber wird er Sie hören. Also wir bitten Mittwoch 5 Uhr einfach mit uns zu essen. Martha ist leider noch verreist u. kommt um die Freude, mit Ihnen zusammen zu sein. Ihr Vortrag hat mich entzückt, das kann nur eine echte Künstlerin. Wie freue ich mich auf Sie! in unsrer jetzigen Einsamkeit wird es ein Genuß sein für Ihre alten, Sie liebenden Fontane’s . H: TFA: C 212 26 Paul Schlenther berichtet unter dem Titel Der verbotene Johannes in der Vossischen Zeitung(Nr. 387, 19. August 1897, Abend-Ausgabe, S.[2–3]; für diese Quelle danken wir herzlich Klaus-Peter Möller), dass Hermann Sudermann am Vortag im Deutschen Theater seine Tragödie Johannes las. Die Lesung vor 21 Pressevertreter*innen hatte zum Zweck, das zuvor gegen das Stück ausgesprochene Aufführungsverbot infrage zu stellen. Die Begründung des Verbots, dass»öffentliche Darstellungen aus der biblischen Geschichte des Alten und Neuen Testaments bestimmungsgemäß schlechthin unzuläs sig« seien, dekonstruiert Schlenther in seinem Artikel durch den Vergleich mit mehreren anderen, unbeanstandet aufgeführten Stücken: Am 15. Januar 1898 fand die Premiere im Deutschen Theater statt.
Heft
(1.1.2025) 119
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21
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