22 | Fontane Blätter 119| Materialien 13. Emilie Fontane an Paula Conrad-Schlenther,[Berlin], 6. August 1899, Sonntag d. 6. Aug. 99. Liebste. Seit der Karte Ihres Gemals, aus der ich erfuhr, wo 27 meine Gedanken Sie finden können, verlangt es mich, Ihnen zu sagen, daß ich viel an Sie denke u. wenn ich mir auch aus all den wirren Gerüchten keinen Vers machen konnte, so viel ist wohl leider daran war[sic], daß Sie viel erlebt haben. 28 Ich brauche Ihnen nicht zu versichern, welchen Antheil ich an Ihren Erlebnissen nehme u. daß es mir schmerzlich sein würde Sie nicht wiederzusehen. Und doch ist es wohl krankhafter Egoismus, wenn ich wünsche Sie hier wiederzusehen. – Mir ist es seit meinem unersetzlichen Verlust vielfach traurig ergangen u. das Alleinstehen u. Handeln wird mir oft recht schwer! Viele alten, mir lieben Beziehungen haben auch ein Ende erreicht u. ich, bei viel Kränklichkeit kann wenig Umgang pflegen. Oft denke ich an unser letztes Beisammensein u. in der mir so lieben Erinnrung daran, hoffe ich, daß Sie mir geblieben sind u. durch ein kleines Lebenszeichen mich davon überzeugen. Mit besten Grüßen für Sie Beide Martha reist nach Gastein. Ihre alte Fontane . H: TFA: C 217 27 Die Postkarte ist adressiert an»Frau Direktor Dr. Schlenther./ Mürren i/d.Schweiz./ Hotel des Alpes.«. 28 Nach langer Krankheit war sie 1895 zwar ans Berliner Königliche Schauspielhaus zurückgekehrt, erhielt dort aber ein geringeres Gehalt und weniger Rollen. 1899 folgte Paula Conrad-Schlenther daher ihrem Mann nach Wien, der dort seit 1898 das Burg-theater leitete. Als Ehefrau des Intendanten war ihre Aussicht auf die Beförderung der eigenen künstlerische Karriere dort jedoch eingeschränkt(vgl. Hoyer, wie Anm. 7, S. 27).
Heft
(1.1.2025) 119
Seite
22
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten