Heft 
(1.1.2025) 119
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Emilie Fontane an Paula Conrad| Herrmann, Millutat | 23 14. Emilie Fontane an Paula Conrad-Schlenther,[Berlin], 30. September 1900, Sonntag Sonntag d. 30. Sept. 00. Liebste! Sans-Gêne 29 . Ich danke Ihnen in Friedels u. meinem Namen. Es war uns ein großer Genuß– ganz abgesehen von dem Stück u. dem Vergleich den die Umsitzenden zu meiner Freude mit der Kreirerin dieser Rolle hier in Berlin 30 machten. Sie haben mehr Natur, jene mehr Cocetterie. Aber wie Schade, daß Ihnen das Schauspielhaus verbietet in solchen Stücken aufzutreten, an die wir uns durch den Geschmack Schlenthers u. Brahms gewöhnt haben. Wir hoffen Sie bald gemüthlich zu sehen u. mit Ihnen zu plaudern. Da ich einen»Perlen« wechsel vorhabe, denke ich, wenn derselbe sich nach meinen Erwartungen vollzogen haben wird, Sie essen einmal einfach mit uns u. be­stimmen Tag u. Stunde. Immer Ihre alte getreue Fontane. H: TFA: C 221 15. Emilie Fontane an Paula Conrad-Schlenther,[Berlin], 13. Oktober 1900, Samstag d. 13. Okt. 00. Liebste. Ich schicke Ihnen einliegende Karte u. würde mich freuen, wenn wir zusam­men zu Lessing 31 gehen könnten, am liebsten zu Tisch [Dazu am unteren Rand: vielleicht bestimmen Sie einen Tag, denn Absage könnte er übel nehmen.], weil späte Abendstunden mir nicht mehr sehr bekömmlich sind. Vielleicht antworten Sie mir in dem Sinne, daß ich dann Ihre Antwort mit der meinigen an Lessing schicken kann. Ihre Sans-Gêne erfreut die Menschen so, wohin 29 Im Rahmen eines Gastspiels am Deutschen Theater am 29. September 1900 trat Paula Conrad-Schlenther unter großem Beifall erstmals in der Hauptrolle des viel gespielten Lustspiels Madame Sans-Gêne von Victorien Sardou und Émile Moreau auf(vgl. Hoyer, wie Anm. 7, S. 112 f.). 30 Die Kritiken ziehen einen ähnlich positiven Vergleich mit der Schauspielerin Gabrielle Réjane, welche die Rolle seit der Pariser Premiere 1893 prägte(z. B. ›r.k‹. in der Morgen­post Nr. 239 vom 30. September 1900). Diese»›Schöpferin‹ der Hauptrolle«(Ernst Zabel, National-Zeitung, 30. September 1900) war als Gast 1897 im Lessingtheater und 1899 in den Königlichen Schauspielen im Neuen Königlichen Operntheater(›Kroll-Oper‹) zu sehen gewesen.