Heft 
(1.1.2025) 119
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Unbekanntes Quellenmaterial aus Fontanes Kreuzzeitungs-Zeit| Venzl | 55 ruhe, Aengstlichkeit vereinigten sich beide Quellen, aber doch war es nicht blos das Gefühl einer Meinungsverschiedenheit zwischen der »Kreuz-Zeitung« und mir, was diese Scheu hervorrief, sondern(und dar­über ward ich mir erst später recht klar), vor allem war es das Gefühl, daß die eignen Meinungen nicht feststünden und im Grunde verdienten gar­nicht ausgesprochen zu werden. So viel ich weiß, schreiben alle Korres­pondenten hierselbst ihre Briefe nach Schablone, die einen tadeln alles, die andern loben alles. Das ist herzlich leicht, da verwickelt man sich nicht, da bleibt man hübsch konsequent, da heißt man ein politischer Charakter und ist doch blos ein Schafskopf. Mich ekelt das an. Ich bin nicht hierher gegangen, um Spalten zu füllen, sondern um wirklich was zu lernen. Weil ichs aber ernst nehme, so verzweifle ich mitunter am Er ­folg und finde die Nuß zu hart, die ich gern knacken möchte. In solcher Stimmung, in einer Stimmung, die viel mehr noch in Meinungs losigkeit als in Meinungs verschiedenheit wurzelte, hab ich Ihnen neulich geschrie­ben. In solcher Zeit schweig ich natürlich am liebsten oder schreib über harmlose, unpolitische Dinge. Dazu gehört aber Raum, und ich kann Ih­nen nicht lange Aufsätze schicken, wenn der letzte noch nicht gedruckt ist. Auf der anderen Seite ist es mir auch peinlich, mir 30 Thlr. um nichts und wieder nichts auszahlen zu lassen. Da haben Sie ohngefähr das Konglomerat von Empfindungen, aus denen heraus mein letzter Brief ent ­stand. Zunächst also wollen wir weiter zusammengehen, wobei ich auf Ihre Nachsicht rechne, wenn Perioden, wie die gegenwärtige, mich etwas dürftig und unproduktiv erscheinen lassen. Wie immer Ihr ergebendster TH. Fontane. 18 Der von Merbach mitgeteilte Auszug aus Beutners Antwortbrief von Mitte Juni 1857 lässt darauf schließen, dass er bereit war, Fontane entgegenzu­kommen. Beutner erklärt, daß ich nun also annehme, daß Sie Ihre Verbindung mit mir fortdauern lassen. In bezug auf die Menge Ihrer Einsendung haben Sie völlig freie Wahl und freie Hand, ich wünsche ausdrücklich, daß Sie sich nicht ge­bunden achten in dieser Beziehung, sondern schreiben, worüber es Ihnen gefällt.(Merbach I) Nachdem Fontane am 16. September an Beutner geschrieben hatte, 19 um sein Gehalt für August und September zu erbitten, teilt er rund zwei Monate spä­18 Theodor Fontane an Tuiscon Beutner, 11.06.1857. In: HFA IV, 1. 1976, S. 575–579. 19 Theodor Fontane an Tuiscon Beutner, 16.09.1857. In: HFA IV, 1. 1976, S. 587 f.