Heft 
(1.1.2025) 119
Seite
261
Einzelbild herunterladen

Fontane-Inventare| Möller | 261 Nachlassband sowie, diese größeren Projekte begleitend, verschiedene Ein­zelpublikationen in Zeitungen und Zeitschriften. Außerdem erteilte er auf Anfragen Auskunft aus dem Fontane-Archiv und stattete entstehende Publi­kationen und Neuauflagen bzw.-ausgaben mit Material aus dem Nachlass aus, insbesondere mit Abbildungen und Faksimiles. In seiner Firma F. Fonta­ne& Co. waren seit dem 1. Oktober 1905 drei Schreibkräfte mit Kopierarbei­ten im Nachlass beauftragt. Auch für die Unterbringung des Nachlasses sorgte Friedrich Fontane, was schon rein physisch eine Herausforderung war, die er zunächst mit Hil­fe seiner Firma F. Fontane& Co. bewältigte und für die er später, als er nach der Liquidation seines Verlages nicht mehr über hinreichend Lagerkapazität verfügte, seine Geschäftskontakte zum S. Fischer Verlag nutzte. Schließlich fiel Friedrich Fontane die Aufgabe zu, den Nachlass aufzulösen. Er führte Verkaufsverhandlungen mit der Berliner Staatsbibliothek und anderen Ins ­titutionen, lieferte den Nachlass zur Auktion ein, zog die Reste wieder zu­rück und verkaufte schließlich die Rückläufer und den wissenschaftlichen Apparat an die Verwaltung des Brandenburgischen Provinzialverbandes. Friedrich Fontane ist Urheber verschiedener Inventare und Übersichten, die Resultate seiner Bestandserschließung sind. Über archivarische oder li ­teraturwissenschaftliche Fachkenntnisse verfügte er nicht, aber seine Kom­petenz war durch seine Berufspraxis als Geschäftsführer eines erfolgrei ­chen Literaturverlages und seine vielfältige persönliche Beteiligung als Familienmitglied, Erbe, Zeitzeuge, Geschäftspartner und Vertrauter der El­tern besonders hoch. Sein Engagement war nicht allein von geschäftlichen Interessen geleitet. Das literarische Werk seines Vaters wurde für ihn zum Lebensinhalt und zur wichtigsten Aufgabe, der er sich emotional besonders verpflichtet fühlte. Nach dem Tod des Vaters nahm er seine Mutter bei sich auf, deren Witwenjahre von intensiven Arbeiten im Nachlass geprägt waren, die sie gemeinsam mit ihrem Sohn Friedrich bewältigte. Sämtliche überlieferten Nachlass-Inventare aus dieser Zeit sollten erfasst und systematisch ausgewertet werden. Sie enthalten Hinweise auf den ur­sprünglichen Bestand und die historischen Ordnungen des Nachlasses. Den Berichten Friedrich Fontanes an seine Miterben, die Mitglieder der Nach ­lasskommission und die Bearbeiter lassen sich außerdem Hinweise auf die Bestandsentwicklung(Ordnung, Anreicherung des Nachlasses) und Ar ­beitsphasen der verschiedenen Editionsprojekte entnehmen. Es finden sich auch Hinweise auf verschollene Einzelstücke wie eine Abschrift von Fonta­nes Tagebüchern, von der offenbar mehrere Durchschläge vorhanden wa ­ren; einer davon wurde von Rechtsanwalt Paul Meyer verwahrt, der auch Mitglied der Nachlasskommission war. Bemerkenswert ist, dass sich Fried ­rich Fontane die Kenntnisnahme seiner Berichte durch seine Miterben ab ­zeichnen ließ.