344 | Fontane Blätter 119| Rezensionen Fontanes literarischen Kosmos machen. Auch wenn in der Forschung bereits kursierende Einsichten zur Raumsemantik, zu historischen Umbrüchen oder Übergängen mitunter nur nuanciert und nicht grundsätzlich revidiert werden – wer sich in wohlfundierten, gut lesbaren Artikeln ausgiebig über Fontanes»Topoetik«(Lázló V. Szabó) informieren möchte, wird mit diesem Tagungsband bestens bedient. Matthias Bauer Elke Kalb: Interferierende Bildwelten bei Theodor Fontane und Adolph Menzel. Bilder der Wirklichkeit und Wirklichkeit der Bilder. Berlin, Boston: De Gruyter 2024(Schriften der Theodor Fontane Gesellschaft, 17). 299 S.€ 109,95 Der Jahrhundertmaler Adolph von Menzel(1815–1905) und Theodor Fontane waren Zeitgenossen und auf ihrem jeweiligen Gebiet die bedeutendsten Vertreter des Realismus. Der Werdegang der Künstler weist erstaunliche Parallelen auf: Beide stammten aus einfachen Verhältnissen, waren Autodidak ten, begeisterten sich für das friderizianische Preußentum, lösten sich jedoch im Zuge ihrer künstlerischen Entwicklung vom Historismus. Sie lernten sich im Künstlerverein Tunnel über der Spree kennen, wohnten zeitweise vis-a-vis und kurten zeitgleich in Bad Kissingen; Emilie Fontane stand mit Emilie Krigar, der Schwester des Malers, in persönlichem Kontakt. Dass sich aus der Bekanntschaft keine Freundschaft entwickelte, lässt sich auf ver wandte Charakterzüge zurückführen: Dem nur 1,40 m großen Menzel, der zeitlebens unverheiratet blieb, dürfte schmerzhaft bewusst gewesen sein, dass mancher ihn hinter seinem Rücken als ›Gnom‹ verächtlich machte und zugleich um seinen Ruhm beneidete. Aus der Korrespondenz wird deutlich, dass er seine zurückweisende ›Maske‹ der Öffentlichkeit vorbehielt, privat jedoch enge Freundschaften pflegte und in fürsorglicher und liebvoller Ge meinschaft mit seiner Schwester und deren Familie lebte. Der Widerspruch zwischen öffentlicher Figur und Privatmann trägt einiges zum Verständnis von Menzels künstlerischem Schaffen bei: Parallel zu repräsentativen Auf tragsarbeiten schuf er Zeichnungen und sogenannte Privatgemälde, die keinerlei staatstragenden Gehalt hatten, wohl aber das Interesse des Künstlers am Alltäglichen und Hässlichen spiegeln. Der Rollenwechsel zwischen Familienmensch und Repräsentationsfigur, wie auch das Schwanken zwischen Nähe und Distanz, war auch Fontane nicht fremd. Als Kritiker, Korrespondent und Ministerialbeamter stand auch er zeitlebens in der Öffentlichkeit und litt unter den Spielregeln berufsbedingter Abhängigkeiten. Fontane suchte und genoss gesellschaftliche Anerkennung, andererseits nöhlte er
Heft
(1.1.2025) 119
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344
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