Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1909) Die Natur / von G. Schwalbe ...
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kommen sein. Seine Nahrung besteht aus trockenen Speiseresten wie Brot und dgl., die Larve schadet durch Zernagen von tierischen Substanzen, wie Wolle u. a.

Auch Wintergäste beherbergt das Haus. Wem wäre im Spätherbst und Winter vom Lampenlicht angezogen noch nicht das Marienkäferchen sOoeeinellg) auf das Buch oder das Papier geflogen? Wer hätte noch nicht das Gold­auge (LüwMopg. per ln) als stillen Genossen am langen Winterabend bei der Studier­lampe begrüßt, diesen Netzflügler, der sich zum Winterausenthalt häufig in das Haus verfliegt? Vom Mai bis September lebte es draußen im Garten und heftete seine Gier in kleinen Gruppen auf langen Stielchen an die Blätter. Die aus ihnen ent­stehenden Larven sind Räuber, welche Blattläuse überfallen und sie mit Hilfe ihrer sichelförmigen Saugzangen aussaugen. Nicht nur im Hause, sondern in Ritzen und kleinen Löchern, die es von außen zeigt, haben sich Tiere angesiedelt, ich möchte nur die Lehmwespen erwähnen, welche zur Gruppe der Faltenwespen gehörig weil sie ihre Oberflügel in der Ruhe gefaltet tragen einzelne kleine gerundete Lehmzellen bauen. Ochmerus pgrletum hatte im Sommer sst07 sich in einer kleinen Papierrolle angesiedelt, zu der sie den Weg durch das offene Fenster meines Studierzimmers gefunden.

Das alte Strohdach eines Hauses im märkischen Dorfe bildet eine Lebens­gemeinschaft für sich. Pflanzen mancherlei Art bedecken es und bieten gewissen Tieren eine ihren geringen Ansprüchen genügende Heimat. Nur zwei Gruppen seien erwähnt: die Bärtierchen und die Rädertiere. Die ersteren, auch Wasserbärchen genannt, sind nur mit Hilfe des Mikroskopes zu sehen, sie bewegen sich langsam kriechend zwischen den Pflanzen des Daches auf 8 kurzen Uralten tragenden Stüm- melbeinchen. Die häufigste Art ist Llacrobiotus buketguäii, welche nur 0,0S mm lang ist. Sie verfallen in der warmen Jahreszeit durch Tintrocknen in eine Art Scheintot, aus welchem sie bei dem ersten Regenguß wieder erwachen. Dasselbe gilt von den Rädertieren, von welchen als Bewohner von bemosten Dächern vorzugs­weise Arten der gestreckten Ululockineeu (tAnloäiim evftbropbtbglmg) in Be­tracht kommen.

Wer beachtet die Fliege, außer wenn sie ihn gerade belästigt? Fliegen gibt es im Dorfe genug.Lästiges Ungeziefer" sagt man,nützliche Tiere im Naturhaushalt" erwidert der Verständige, die jedoch unter Umständen durch Übertragen von Arank- heitserregern gefährlich werden können. Der Stubenfliege pluseg «lomeslieg) gesellt sich im Mai, zumal aber im August und September, eine andere Fliege zu, die weniger harmlos ist, weil ihr Stich außerordentlich schmerzt: die bei Tberswalde alljährlich nicht seltene gemeine Stechfliege oder der Wadenstecber (Klomoxis eglei- lrans); sie ist so groß wie die Stubenfliege, durch feinere, ohne Vergrößerungsglas nicht erkennbare Merkmale von ihr verschieden, aber an den etwas gespreizt ge­tragenen Flügeln und dem wagerecht vorstehenden Rüssel leicht erkennbar. Sie über­fällt den Menschen, zumal Rinder, welche sie in die wenig geschützten Waden sticht. Auch die mit scharfem Summton fliegenden Schmeißfliegenpluseg. vomilorig) fehlen nicht in Brandenburg, das weiß jede Hausfrau und Aöchin, welche das Fleisch sorgsam vor ihnen schützen müssen, damit sie nicht ihre Tier daran ablegen, aus